Jahresrückblick 2009 (Claudia Wildi)

Das Vereinsjahr 2009 begann mit einer Führung mit Anita Auer durch die Schwarzwaldsammlung des Franziskaner Museums.

Zuversichtlich und mit guten Perspektiven geht der Geschichts- und Heimatverein Villingen (GHV) in das 41. Geschäftsjahr seit seiner Wiedergründung im Jahre 1969. In der gut besuchten Jahreshauptversammlung wählten die Mitglieder Günter Rath, der seit 1992 ununterbrochen an der Vereinsspitze steht, einstimmig wieder zum Vorsitzenden. Auch Schatzmeister Hasko Froese wurde einstimmig in seinem Amt bestätigt. Zügig und harmonisch ging die Mitglieder- versammlung in Hotel Diegner über die Bühne.

Der GHV konnte auf ein erfolgreiches Vereinsjahr 2008 zurückblicken und eine insgesamt positive Bilanz vorlegen.

Zusätzlich ins Programm aufgenommen wurde ein Besuch der Städtischen Galerie in Schwenningen zur Ausstellung „Gao Xingjian – Tuschmalerei von 1983 bis 1993“. Die Kunsthistorikerin Ursula Kohler führte wiederum in herausragender Weise durch diese Ausstellung.

Marianne Kriesche referierte in einem viel beachteten Vortrag über die Zittauer Fastentücher und bewies mit ihrem Vortrag, dass sie sich in diesem Thema bestens auskennt.

Ganz Biberach liegt den Villingern zu Füßen …

 

In einer gemeinsamen Veranstaltung mit dem Stadtarchiv präsentierten Edith Boewe-Koob und Heinrich Maulhardt kostbare Handschriften, die 500 bis 1000 Jahre alt sind. Edith Boewe-Koob stellte die Ergebnisse ihrer über 10 Jahre alten Forschungsarbeit vor.

Dem Riesen Romäus aufs Dach stiegen über 50 Interessierte zusammen mit unserem Ehrenmitglied Werner Huger, der sich seit vielen Jahren intensiv mit dem Bauwerk Romäusturm und dem Mythos des Villinger Lokalhelden befasst. Huger erklärte die Baugeschichte des Turms und seine Bedeutung als Wachturm. Auch die abenteuerlichen Geschichten, die von dem Lokalhelden erzählt werden, kamen nicht zu kurz.

Adolf Schleicher führte in bewährter Weise etwa 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei der Fußwallfahrt sicher auf den Dreifaltigkeitsberg.

Jürgen Muff zeigte bei seiner Radtour rund um Villingen Bekanntes und Unbekanntes aus der Geschichte.

Mit vielen neuen Erkenntnissen kehrten die Teilnehmer der Tagesexkursion in die oberschwäbische Kreisstadt Biberach an der Riß nach Villingen zurück. Immer wieder stellten sie Parallelen mit der Geschichte unserer Heimatstadt fest und zeigten sich u. a. auch beeindruckt von dem gut funktionierenden Zusammenleben der beiden großen Konfessionen. Über 360 Jahre nutzen katholische und evangelische Christen die Kirche St. Martin gemeinsam und beweisen damit gelebte Ökumene. Nicht viele der Teilnehmer wussten, dass beide Städte eine eng miteinander verbundene Vergangenheit haben: Sie sind in etwa gleich alt, gehörten beide zum Hause Habsburg, litten unter den Folgen des Dreißigjährigen Krieges und haben ein gut erhaltenes Stadtbild. 1805 fiel Villingen an Württemberg und Biberach wurde 1802 badisch. Dieser Zustand wurde dann 1806 durch Gebiets- tausch behoben.

Ganz Biberach liegt den Geschichtsfreunden aus Villingen hier zu Füßen (Bild linke Seite)! Im Museum für Geschichte und Kunst erklärte eine Stadtführerin (ganz rechts) an einem sehr anschaulich gestalteten Modell Anlage der Historischen Altstadt und beleuchte dabei auch die Geschichte der ehemaligen freien Reichstadt. Zweiter von rechts ist unser Mitglied Georg Schuhbauer, der die Fahrt seiner Villinger Landsleute mustergültig organisiert hatte.

Trotz einiger Regenschauer ein großartiges Erlebnis: Oper Carmen in der Arena von Verona.

Trotz einiger Regenschauer ein großartiges Erlebnis: Oper Carmen in der Arena von Verona.

Ein Kleinod am Kaiserstuhl: Kirche St. Michael in Oberrottweil erklärt von Dekan Josef Fischer.

 

Eine schöne Woche erlebten rund 50 Mitglieder bei der großen Jahresexkursion nach Vicenza, Verona und Sirmione am Gardasee mit Standquartier in Montegrotto Terme. Vicenza ist vor allem bekannt durch seine Schmuckwaren und Bekleidungsindustrie und weist eine große Anzahl von Palazzi aus dem 15.–18. Jahrhundert auf, von denen die bekanntesten von Andrea Palladio stammen, dem bedeutendsten Architekten der Renaissance in Oberitalien. Auch das Teatro Olimpico, das erste nachantike freistehende Theatergebäude Europas, ist ein Werk Palladios.

Ein Höhepunkt der Reise war auch der Besuch der Oper Carmen in der Arena von Verona.

Ein Kleinod zwischen Schwarzwald und Bodensee besichtigten 60 Mitglieder am Kaiserstuhl mit Dekan Josef Fischer. Mit ausgezeichnetem Fachwissen und großer Begeisterung zeigte Pfarrer Fischer Kostbarkeiten seiner früheren Wirkungsstätte, den sieben malerischen Dörfern, die sich 1975 auf Grund der Verwaltungsreform zur Großgemeinde Stadt Vogtsburg zusammengeschlossen hatten. Die Kirche St. Michael in Niederrotweil gilt als das älteste erhaltene Gotteshaus der Landschaft am Kaiserstuhl. Neben der besonderen Aufmerksamkeit, die dieser Kirche geschenkt wurde, galt das Interesse auch der Landschaft und den in ihr lebenden Menschen ebenso wie dem Städtchen Burkheim. Auch eine zünftige Weinprobe durfte nicht fehlen.

Auf markanten Spuren von Kurfürsten und Bischöfen bewegten wir uns bei unserer kleinen Exkursion in die alte Residenzstadt Aschaffenburg. Historie, Architektur, Kunst und Kultur vergange- ner Zeiten begegneten uns auf Schritt und Tritt. Beherrscht wird das mittelalterliche Stadtbild vom monumentalen Renaissancebau des Schlosses und der Stiftsbasilika, in der wir mit Matthias Grünewald einem der ganz Großen der deutschen Malerei begegneten, dessen „Beweinung Christi“ zu dessen bedeutendsten Werken gehört. Ein weiteres Juwel der sakralen Kunst ist auch das ottonische Kruzifix aus dem 10. Jahrhundert. Beim Besuch des Pompejanum wurden die Besucher dann ins alte Rom zurückversetzt. Für Entspannung sorgte eine rund 90-minütige Schifffahrt auf dem Main, die die Kulisse Aschaffenburgs noch einmal eindrucksvoll vor Augen führte.

Kleine Jahresexkursion nach Aschaffenburg: Gruppenbild vor der Stiftsbasilika.

 

Ein sakrales Schmuckstück in der Umgebung ist das aufwändig restaurierte Jakobsmünster in Titisee-Neustadt: Altdekan Kurt Müller war wieder einmal sach- und fachkundiger Reiseführer.

 

Am Samstag, 12. September führte Altdekan Kurt Müller durch das aufwändig renovierte St. Jakobsmünster in Titisee-Neustadt und die Klosterkirche in Friedenweiler.

Pfarrer Müller erwies sich wieder einmal als überaus kompetenter Führer und zeigte in beeindruckender Weise, wie gut sakrale Kunst in der näheren Umgebung, im Schwarzwald, vertreten ist und wie viele Parallelen zur heimischen Kirchengeschichte aufzufinden sind.

Werner Echle organisierte in bewährter Weise zusammen mit dem Geschäftsführer der Landesgartenschau GmbH Villingen-Schwenningen, Michael Martin, eine mit großem Zuspruch aufgenommene Führung über das Gelände der Landesgartenschau.

Mit Kurt Müller waren wir zu Gast im Martin- Luther-Haus und hörten und sahen einen hervorragend vorbereiteten, überaus interessanten Lichtbildervortrag über Wallfahrten in der Region. Kurt Müller zeigte uns herrliche Wallfahrtsziele und es gelang ihm in beeindruckender Weise, die Motive der Menschen, sich auf Wallfahrten zu begeben, aufzuzeigen.

Gotthard Glitsch referierte vor vollem Haus im Spitalkeller der Historischen Narrozunft über den Villinger Maler Richard Ackermann, den er als Maler zwischen den Stilen charakterisierte. Glitsch gelang es hervorragend, das künstlerische Werk Ackermanns als noch immer unmittelbar glaubhaft darzustellen.

Münsterpfarrer und Dekan Josef Fischer zelebrierte im Oktober einen Gottesdienst zum Gedenken an die verstorbenen Vereinsmitglieder im Münster, anschließend zeigte er uns den Villinger Münsterschatz.

Nach Redaktionsschluss bestaunten über 50 Mitglieder mit Pfarrer Alfons Weißer die Klosterruine Hirsau und die Aureliuskirche bei Calw. Michael Buhlmann sprach im November über die Zähringer und mit großem Engagement beteiligte sich der Geschichts- und Heimatverein am Weihnachtsmarkt, der nach langer Zeit wieder auf dem Münsterplatz stattfand und dort ein bleiben- des Zuhause finden soll.

Mit dem Besinnlichen Abend klang das Vereinsjahr harmonisch und stilvoll aus.