Jahresrückblick 2011 (Helga Echle)

Eine Fülle von interessanten Vorträgen und attraktiven Exkursionen bescherte uns das vergangene Vereinsjahr 2011.

Der Weihnachtsmarkt (Abb. 1) war wieder ein voller Erfolg, mit Krippenbasteln, einer Diashow über Villingen, dem Verkauf von Weihnachtskarten und diverser „hausgemachter“ Artikel.

Ein besonderer Anziehungspunkt war dabei die parallel im Alten Rathaus stattfindende Krippenausstellung (Abb. 2), die fast viereinhalbtausend staunende und begeisterte Besucher anlockte. Schon die Eröffnung im überfüllten Refektorium des Franziskaners war, auch dank der Ansprache von Pfarrer Kurt Müller, ein erster Höhepunkt.

 

Abb. 1: Der Stand des Geschichts- und Heimatvereins mit dem Plakat zur Krippenausstellung.
Abb 2: Hauskrippe (Leihgabe privat).

Die ca. 50 ausgestellten Krippen kamen in den Räumen des Alten Rathauses großartig zur Geltung. Die Besucher konnten 35 Hauskrippen als Leihgaben von Privatpersonen sowie kostbare Schätze aus dem Franziskanermuseum bewundern.

Im neuen Jahr startete der GHV sein Veranstaltungsprogramm damit, dass die Beiratsmitglieder Werner Echle und Andreas Flöß die Türen des herrlich renovierten Abt-Gaisser-Hauses für unsere Mitglieder zur Besichtigung öffneten. Das Interesse war so groß, dass die vorgesehene Führung dreimal wiederholt werden musste.

Mit der Ausstellung „Perfekte Modellkunst in der Alten Prälatur“, die vom Spitalfonds Villingen und dem Geschichts- und Heimatverein gemeinsam organisiert und im Abt-Gaisser-Haus präsentiert wurde, rückten Modelle von Dietmar Kempf in den Blickpunkt (Abb. 3), die alle ein Stück Villinger Stadt- und Kirchengeschichte widerspiegeln. Über 900 Besucher an zwei Tagen ließen sich beim Betrachten der meisterhaft nachgebauten historischen Gebäude im Maßstab 1:25 in Villingens Vergangenheit entführen.

Abb. 3: Besonders gefragt war das Modell der Altstadtkirche, das Dietrmar Kempf immer wieder auseinander nahm, um den Besuchern die großartige Inneneinrichtung zu zeigen.

Da sich der GHV satzungsgemäß auch mit der Förderung der Denkmalpflege und der Mitarbeit an der Gestaltung und Erhaltung des Erscheinungsbildes der historischen Innenstadt von Villingen befasst, konnte der Leiter des Amtes für Stadtentwicklung, Henning Keune, gewonnen werden, im Februar über „Städtebauliche Denk- malpflege in Villingen – individuelle Lösungsansätze am Beispiel Haux- und Wiebelt-Areal“, zu referieren. Über 100 Teilnehmer interessierten sich für dieses für Villingen wichtige Thema. In der Diskussionsrunde wurde deutlich, dass die Aussichten für diese Gebäude und die damit verbundenen Schwierigkeiten die Mitglieder besonders bewegt.

Die Fahrt zum Augustinermuseum hatte mit über 60 Teilnehmern eine hohe Resonanz. Das größte Museum der Stadt Freiburg zog bereits 1920/23 in das ehemalige Kloster der Augustinereremiten. Es gehört zu den bedeutendsten Museen am Oberrhein. Frau Barbara Eichholtz führte – wie immer – kompetent durch die neu eröffneten Räume und erläuterte in sachkundiger Weise die Kostbarkeiten, Gerätschaften aus Kirchen und Klöstern, Meisterwerke der Plastik und Gemälde sowie eine Sammlung von Kunsthandwerk aus verschiedenen Stilepochen.

Die harmonisch verlaufende Jahreshauptversammlung konnte zügig abgewickelt werden. Der seit 1992 amtierende Vorsitzende Günter Rath wurde einstimmig für zwei weitere Jahre wiedergewählt. Auch Schatzmeister Hasko Froese wurde in seinem Amt einstimmig bestätigt. Der GHV konnte auf ein erfolgreiches Vereinsjahr 2010 zurückblicken und eine insgesamt positive Bilanz vorlegen.

Überaus kurzweilig und aufschlussreich hielt Pfarrer Kurt Müller einen Lichtbildervortrag zum Thema „Kapellen – ihre Geschichte und Ausstattung – aus Villingen und den eingemeindeten Ortschaften“. Über 150 Teilnehmer sahen Bilder von Kapellen, die z.T. heute nicht mehr vorhanden sind, an die sich manch einer aber noch erinnern konnte und Fotos von Kapellen, die heute noch zu bewundern sind.

In die Gewerbeakademie hatte der inzwischen verstorbene Handwerkskammerpräsident Bernhard Hoch zu einem Vortrag über „Handwerk und Zünfte“ eingeladen. Bernhard Hoch war seit 1994 Präsident der Handwerkskammer Konstanz. Er gab den aufmerksamen Zuhörern einen fundierten Einblick darüber, wie Zunftwesen überhaupt entstand, welche Aufgaben Zünfte hatten und warum sie sich in ihrer ehemaligen Form auflösten. Einen weiteren Teil seines ausgezeichneten Vortrags widmete er der Frage, wie das Handwerk in unserer heutigen Zeit organisiert ist, nicht ohne dabei ganz entschieden für eine Zukunft des Handwerks und seine wichtige Rolle im Wirtschaftsleben und der Gesellschaft zu plädieren.

In einem eindrucksvollen Rahmen wurde der Festakt zum Jubiläum „725 Jahre Spitalfonds Villingen“ am 15. April im Franziskaner gefeiert, der von sehr vielen Mitgliedern des Geschichts- und Heimatvereins besucht wurde.

Abb. 4: Sagrada Familia in Barcelona

 

„Spanien olé“ hieß es für die Gruppe, die unter der Leitung von Günter Rath und Klaus Weiß an der Sonderexkursion nach Barcelona teilnahm. Barcelona zählt zu den bedeutendsten kulturellen Metropolen. Bei Stadtbesichtigungen per Bus und zu Fuß erlebten die Teilnehmer die vielfältigen Sehenswürdigkeiten. Sie reichten von Ausgrabungen der 2000 Jahre alten Siedlung Barcino über beeindruckende Bauten aus der Zeit der Gotik, Modernisme (katalanischer Jugendstil) und Moderne. Von dem ungewöhnlichen, von Antoni Gaudi entworfenen „Park Güell“ zeigten sich die Besucher ebenso beeindruckt wie von der Kirche „Sagrada Familia“ (Abb. 4). Gaudi plante sie von 1883 bis zu seinem Tod 1926. Sie soll 2026 fertiggestellt werden. Eine Fahrt nach Gerona und Estartit sowie zum 1.236 m hohen Berg Montserrat („zersägter Berg“) mit Besuch des Benediktiner- klosters Santa Maria de Montserrat rundeten das dicht gedrängte, hervorragende Programm ab.

Zu einer Maiwanderung der besonderen Art lud Eberhard Härle ein: „Ein Stück auf dem Geschichts- und Naturlehrpfad“. Die mit gutem Schuhwerk ausgerüstete Gruppe erfuhr von ihm bei einer zweistündigen Begehung, ausgehend vom Kirnacher Bahnhof über Ganterdenkmal, Römer- weg, Kapf, Feldnermühle, Rindenmühle bis zur Oberen Waldstraße viel über die Gestaltung des Pfades und manches „Geschichtle“ mehr, als auf den Messing-Schautafeln steht, die längs des Pfades angebracht sind. Nach dieser sachkundigen und abwechslungsreichen Führung schmeckte das anschließende Vesper im Waldgasthof „Auerhahn“ besonders gut. Wie funktioniert ein Atomkraftwerk? Für alle, die das immer schon einmal wissen wollten, hatte unser Beiratsmitglied Andreas Flöß eine Fahrt zum Kernkraftwerk Leibstadt organisiert. Die Teilnehmer erhielten einen tiefgreifenden, aufschluss- reichen Einblick in den Aufbau eines Kernkraftwerkes, seine Funktion mit Kernreaktor, Turbinen, Kühlturm usw. sowie Sicherheitsvorkehrungen und Wirtschaftlichkeit. Im Anschluss besuchten die Teilnehmer die schöne Stadt Waldshut-Tiengen und lernten bei einer Stadtführung die historischen Bauten der gut erhaltenen Altstadt kennen.

In gewohnt kurzweiliger, hintergründiger und spannender Atmosphäre fand die Führung mit Lambert Hermle und Gunter Schwarz „Das Alte Rathaus und der Fall Jakob Kraut“ statt.

Früh aufstehen hieß es wieder für eine große Gruppe, die unser Beiratsmitglied Adolf Schleicher in bewährter Weise bei der Fußwallfahrt auf den Dreifaltigkeitsberg führte. Die sogenannte kleine Jahresexkursion führte im Juli zu „Kaisern und Königen“ nach Köln und Aachen. Schwerpunkt des Programms bildete natürlich der Kölner Dom (Abb. 5), ein Meister- werk der Hochgotik mit seinen zahlreichen hochkarätigen Kunstwerken und Kostbarkeiten christlichen Glaubens.

Abb. 5: Die Gruppe des GHV vor dem Wahrzeichen Kölns, dem Kölner Dom.

 

Kölns enge Verbindung zum einstigen römischen Weltreich erfuhren die Besucher im Römisch-Germanischen Museum. Die Altstadtführung beeindruckte ebenso, wie der Rundgang durch den Rheinauhafen in dem denkmalgeschützte Hafengebäude mit moderner Architektur in Einklang gebracht wurden. Anders als Köln, aber an Bedeutung sicher gleichwertig, bot sich den Besuchern die Kaiserstadt Aachen dar. Vor allem der Dom, in dem innerhalb von 600 Jahren 30 deutsche Könige gekrönt wurden, fand große Aufmerksamkeit.

Am 27. Juli fuhren über 50 Teilnehmer unter der erprobten und zuverlässigen Führung von Pfarrer Kurt Müller zur Besichtigung von bedeutenden Klosteranlagen nach Oberschwaben. Bereits während der Hinfahrt führte Herr Pfarrer Müller in der ihm eigenen kurzweiligen Art die Reiseteilnehmer in die Geschichte der Orden und Klöster ein. Das erste Ziel war das ehemalige Zisterzienserkloster Heiligkreuztal (Abb. 6), das als eines der bedeutendsten Klosternlagen Süddeutschlands gilt. Es ist eine selten gut erhaltene mittelalterliche Anlage, deren Gründung auf das frühe 13. Jahrhundert zurückgeht.

Abb. 6: Kloster Heiligkreuztal.

 

Der anschließend besichtigte Kreuzgang beeindruckte ebenso wie der Innenraum der Klosterkirche. Die Fahrt ging weiter zum Kloster Zwiefalten, einem ehemaligen Benediktinerkloster, das 1089 von den Grafen Kuno und Liutold von Achalm gegründet wurde. Im Rahmen der Säkularisation wurde das Kloster 1802 aufgelöst. Im 15. Jh. wurde die ursprünglich im romanischen Stil erbaute Kirche im Geschmack der Spätgotik umgestaltet. Im 18. Jh. gab es einen Neubau der nach der Innenraumgestaltung (1765) als ein Gesamtkunstwerk des Süddeutschen Rokoko gilt. Die Teilnehmer bestaunten vor allem das Chorgestühl von Martin Hermann (Hörmann) (Abb. 7), der auch in Villingen kein Unbekannter ist.

Abb. 7: Chorgestühl in der Klosterkirche Zwiefalten

 

Abb. 8: Großen Anteil am Gelingen der Exkursion hatte die Reiseleiterin Frau Barbara Dudek (im Vordergrund rechts) eine hervorragende Kennerin Polens und seiner Geschichte, die die Gruppe kompetent, hilfsbereit und freundlich betreute.

 

Bewegende und überwältigende Eindrücke erlebten die Reisenden Ende August bei der Exkursion nach Südpolen. In Breslau und Krakau setzten sich über 40 Teilnehmer mit der wechselvollen Geschichte Schlesiens und des sogenannten „Kleinpolens“ auseinander (Abb. 8).

Abb. 9: In der Universität Breslau gruppierten sich die Teilnehmer vor der Aula Leopoldina.

 

In Breslau konnte man sich von dem bewundernswerten originalgetreuen Wiederaufbau überzeugen. Das Wahrzeichen Breslaus, das gotische Rathaus mit seiner astronomischen Uhr faszinierte ebenso wie die sich auf dem Marktplatz, dem „Ring“, aneinanderreihenden Giebelhäuser in verschiedenen Stilrichtungen, von denen keines dem anderen gleicht. Nach Besichtigungen des Doms, der Aula Leopoldina der Universität (Abb. 9), einem Glanzstück der Barockkunst, und einer Stadtrundfahrt, ging die Reise durch Oberschlesien weiter nach Krakau. Die vom zweiten Weltkrieg weitgehend verschonte Hauptstadt Südpolens mit Sitz der zweitältesten Universität Europas besticht durch Europas größten mittelalterlichen Marktplatz mit seinen berühmten Tuchhallen und der Marienkirche mit dem von Veit-Stoß aus Nürnberg geschaffenen Hochaltar. Die Villinger lernten noch viele geschichtliche und kulturell bedeutsame Stätten kennen, so z. B. das Paulinerkloster Tschenstochau. Ein Teil der Gruppe stellte sich mit dem Besuch von Auschwitz-Birkenau der geschichtlichen Vergangenheit. Bei ihr wird die Betroffenheit dieses Besuches noch lange nachwirken. Unter der bewährten, sachkundigen Führung von Frau Barbara Eichholtz startete eine Reisegruppe von über 40 Teilnehmern am 14. September zu einer Tagesfahrt nach Schaffhausen.

Abb. 10: „Haus zum Ritter“ mit seiner berühmten Fassade mit ihren allegorischen Bilderfolgen von Tobias Stimmer bemalt.

 

Auf dem Programm standen die Besichtigung der Festungsanlage, eine Stadtführung in Schaffhausen und eine Schifffahrt auf dem Rhein. Bei einer Stadtbesichtigung lernten die Teilnehmer die rund 35.000 Einwohner zählende Stadt kennen, die nicht nur durch ihre Lage am Rhein bezaubert, sondern ebenso durch ihre prunkvollen Häuser mit den kostbaren Erkern, die vom ehemaligen Reichtum ihrer Bewohner zeugen. Ihre Erhaltung ist dem sprichwörtlichen Schweizer Traditions- bewusstsein zu verdanken. So sind es einerseits das malerische Stadtbild, andererseits die Sehenswürdigkeiten, welche die Stadt zu bieten hat und von den Teilnehmern besichtigt wurden, wie z. B. die Festung „Munot“, das Allerheiligenkloster und das „Haus zum Ritter“ (Abb. 10).

Frau Eichholtz konnte den Besuchern durch ihr großes Wissen einen tiefen Einblick in die Struktur und Geschichte der Stadt Schaffhausen übermitteln.

Herr Dieter Ehnes zeigte und erklärte einer sehr interessierten Gruppe am 1.10. 2011 das Glockenspiel im Münster sowie seine Planung und Entstehung. Anschließend konnten die Teilnehmer – sehr fachkundig von ihm erklärt – den Speicher und das bedeutende Dachgestühl aus nächster Nähe genießen.

Im Gedenkgottesdienst am 4. Oktober 2011 im Münster mit Dekan Josef Fischer wurde der verstorbenen Mitglieder des Geschichts- und Heimatvereins gedacht.

Auf vielfachen Wunsch führte der GHV in der Zeit vom 14. bis 16. Oktober wieder eine Fahrt nach München durch. Über 40 interessiert Mitglieder konnten dabei u. a. das bayrische Nationalmuseum besuchen, an einem Stadtrundgang mit Kirchenführungen teilnehmen und auf der Heimfahrt die Stadt Rot an der Rot besichtigen.

Nach Redaktionsschluss referierte Herr Dr. Wolfgang Berweck im November vor einem interessierten Publikum über die 725 Jahre alte Stiftung des Heilig-Geist-Spitals, heute Spitalfonds Villingen.

In einer Gemeinschaftsveranstaltung mit den Städt. Museen und dem Freundeskreis Städt. Museen sprach Herr Dr. Stefan Mäder M.A. zum Thema „Quellen zur Himmelsbeobachtung bei den Kelten und aus anderen vorgeschichtlichen Kulturen“ im Franziskaner.

Vom 25.11. bis 4.12. nahm der Geschichts- und Heimatverein wieder mit einem eigenen Stand und neuen Angeboten und Aktionen am bisher mit Erfolg durchgeführten Villinger Weihnachtsmarkt teil. Mit dem wie immer in vorweihnachtlich-festlicher Atmosphäre stattfindenden Besinnlichen Abend klang ein ereignisreiches Vereinsjahr 2011 aus.