Neue Backmodel ergänzen den Bestand (Konrad Flöß)

Gemodeltes Gebäck verbinden wir gemeinhin mit der Weihnachtszeit. Landläufig wird das Weihnachtsgebäck mit Ausstechformen aus Metall oder Kunststoff hergestellt. Im 17. und 18. Jahrhundert war das anders. Bei zahlreichen weltlichen und religiösen Anlässen wie Hochzeiten, Taufen, Jubiläen, Nikolaus, Neujahr, Ostern usw. wurde vielfältiges Gebäck hergestellt und gegessen. Backwerk dieser Art dürfte wesentlich zur gehobenen Stimmung festlicher Ereignisse beigetragen haben, nicht zuletzt weil in vielen dieser genieß- baren Bilder symbolische Aussagen stecken mit denen bestimmte Anspielungen gemacht werden konnten. Aß jemand beispielsweise ein „Gueteli“ mit dem Abbild eines Kinderbringers, so war damit die Hoffnung auf reichen Kindersegen verbunden. Zahlreiche Motive wurden dem weiten Themenkreis der Liebe gewidmet. Bevorzugt wurden das Herz oder ineinander gelegte Hände abgebildet.

Es ist davon auszugehen, dass zunächst vor allem Fein-, Pasteten- oder Zuckerbäcker die bevorzugten Nutzer der Backmodel waren. Neben den Berufsleuten hatten auch klösterliche Gemeinschaften, Herrschaftshäuser, Zünfte und vornehme Bürgerhaushalte Model im Gebrauch und zu entsprechenden Anlässen eingesetzt. Sie hatten die nötige Erfahrung und geeignete Backöfen.

Holzmodel mit Villinger Wappen von 1530.

 

Springerle, gebacken mit den Modeln.

 

Eingang in die Küche gewöhnlicher Haushalte fanden Backmodel vermutlich erst mit einiger Verzögerung. eine entscheidende Rolle dürfte dabei der teure Zucker gespielt haben, sein Durchbruch zum Massengenussmittel erfolgte erst im Laufe des 19. Jahrhunderts.

Sind die Gebäckmodel in der Regel meist in Birnbaum negativ eingeschnitzte Motive, so gibt es Tonnegative aus Hafnerton meist als Wappentafeln, Allianzwappen, Gedächtnis- oder Jubiläumsmotive als Wandschmuck mit Aufhängeösen. Im ganzen alemannischen Raum und natürlich auch in Villingen insbesondere im Kloster St. Ursula und in den Sammlungen des Museums gibt es zahlreiche Model mit vielfältigen Motiven und Größen aus Keramik, Gips und Holz.

Als jüngstes Produkt auf diesem Gebiet wurden in jüngerer Zeit vom Bildhauermeister Eberhard Rieber, Jestetten, zwei Model in Birnbaumholz geschnitzt. Der „Fahnenschwinger“ als Symbol des Geschichts- und Heimatvereins in der Größe 9 x 12,5 cm sowie das große Villinger Stadtwappen mit Helmzier mit runder Bordüre Ø 12cm.

Beide Model, übrigens eine Spezialität des Bildhauers, wurden in hervorragender Qualität geschnitzt und vom Geschichts- und Heimatverein in Auftrag gegeben. Beim 3. Villinger Weihnachtsmarkt auf dem Münsterplatz werden Springerle mit beiden Motiven zum Kauf angeboten. Es könnte ein schönes Geschenk für entsprechende Gelegenheiten sein.