Das Altarrelief in der Markuskirche in Villingen (Helga Echle)

Markuskirche Villingen: Altar und Holzrelief von Emil Homolka.

 

Die evangelische Markuskirche Villingen wurde in den Jahren 1961 bis 1962 auf dem Goldenen Bühl erbaut und am 23. Dezember 1962 eingeweiht. Sie feiert also demnächst ihr 50jähriges Jubiläum.

Die künstlerische Innengestaltung der Markuskirche lag in den Händen des Bildhauers Emil Jo Homolka aus Königsfeld ( 10.12.2010). Er wurde 1925 in Stuttgart geboren und studierte an der dortigen Kunstakademie bei Professor Heim Bildhauerei und erhielt zweimal den Kunstpreis der Jugend. Viele Jahre wirkte er als Kunsterzieher am Zinzendorf-Gymnasium in Königsfeld. Dort lernte er den damaligen „Bauherrn“ der Markuskirche, Herrn Pfarrer Hanns-Günter Michel kennen, der ihn für die künstlerische Gestaltung der Markuskirche gewinnen konnte.

Wenn man den aus warmem Sandstein gebauten Kirchenraum der Markuskirche betritt, fällt der Blick sofort auf das zentrale Element der Innenraumgestaltung, das Holzrelief zur Auferstehung an der Ostwand.

Kunstwerke, zumal solche, die mit Symbolen arbeiten, bedürfen aber einer Erklärung.

Deshalb erläuterte der Künstler Emil J. Homolka die Botschaft seines Werkes damals selbst:

„Das Thema des Reliefs ist die Auferstehung Christi. Es ist die Antwort auf ein Fragen in der Bibelarbeit der Gemeinde, was die zentrale Aussage des Neuen Testamentes sei: ,Ist aber Christus nicht auferstanden, so ist unsere Predigt vergeblich, so ist auch euer Glaube vergeblich‘, sagt Paulus im 1. Korinther 15.“

Dort steht nun alles, was bei der Auferstehung geschehen ist, von wem Christus gesehen worden ist, und was diese Auferstehung für unser Leben, unseren Glauben — und unseren Tod bedeutet. Dieser Bericht von Paulus ist der älteste überhaupt. Sein Text ist unserer Darstellung zugrunde gelegt.

Die schwierigste Frage bei der Gestaltung des Reliefs war: Kann der auferstandene Christus als Mensch dargestellt werden oder müssen wir ein Zeichen für ihn suchen? Wir haben uns für das Zeichen entschieden, weil Christus nach der Auferstehung nicht mehr Mensch war.

Zuerst will ich daher dieses Zeichen erklären, seinen Sinn und seine Aussage. Das Runde, Geschlossene, in sich Ruhende ist eines der Symbole für göttliches Wesen. Meist kommt dazu dann noch das Gold, welches für die Majestät, Macht und Herrlichkeit Gottes zeugen soll. Darum sind auch die Bilder im Mittelalter oft so gestaltet, dass der Kopf des Menschen hineingestellt ist in dieses Rund: in den göttlichen Raum, zu dem der Mensch im Geiste in Beziehung steht, ja in dem er sogar lebt. Ein deutliches Bild für die ständige Gegenwart Gottes, von der diese Menschen noch etwas wussten, die für sie noch Realität war.

Dieses Zeichen trägt nun ein Kreuz in der Mitte, um anzuzeigen, dass Christus gemeint ist.

 

Drei Teile bilden das Relief: In der Mitte die Auferstehung selbst als historische Begebenheit. Die Engel sitzen auf dem leeren Grab. Weinende Frauen stehen auf der anderen Seite. Über dem leeren Grab aber schwebt das Bild des Auferstandenen, der seine Wundmale zeigt. Also: Er ist nicht mehr im Grabe, aber er trägt die Zeichen der Kreuzigung an sich.

Im rechten Teil ist das Zeichen mit einer einzigen Wunde gezeigt, in die Thomas, der Zweifelnde, seinen Finger legt. Die anderen Dargestellten stehen für die vielen, die den Auferstandenen gesehen haben. Paulus zählt sie alle auf in 1. Korinther 15: „Er ist gesehen worden von Kephas, darnach von den Zwölfen, darnach von mehr denn 500 Brüdern auf einmal“ … bis zum Schluss er selbst genannt wird. Er spielt damit wohl auf die Geschichte in Damaskus an. Darum ist er auch auf einem Reittier dargestellt, das eben stürzt.

Nun bleibt uns noch der dritte Teil, der bei Paulus den größten Raum einnimmt. Wieder ist auch hier das Zeichen für Christus zu finden, diesmal mit bestimmender, sogar befehlender, herrischer Gebärde. „Der letzte Feind, der hinweggetan werden wird, ist der Tod“ (Vers 26). Die Abbildung übernimmt das Bild aus Offenbarung 20, 14, wo es heißt, dass Hölle und Tod in den feurigen Pfuhl geworfen wurden. In Vers 24 wird vom Ende gesprochen, wenn das Reich Gott und dem Vater überantwortet werden wird. Dieses Ende wird eingeleitet durch den Posaunenschall, den der Engel ganz links ausstößt.

Diese beiden Darstelllungen gehören also zusammen: der Engel und die Vernichtung des Todes. Gleichzeitig stehen die Toten auf.

Entgegen dem Entwurf, der noch Totenschädel vorsah, wurden weggeworfene Sanduhren ausgeführt, ein Bild dafür, dass die Zeit nicht mehr gemessen wird.

„Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten und der Erstling geworden unter denen, die da schlafen“.

Hier wird nicht mehr gezweifelt. Hier wird von einer Tatsache gesprochen, nein von der Tatsache. Sie soll in der Markuskirche verkündet und bezeugt werden.“

Und so predigt in der Markuskirche nicht allein die Pfarrerin oder der Pfarrer. Auf seine eigene Weise „predigt“ auch das Werk Emil J. Homolkas. (Pfr. Udo Stober)