Waldemar Flaig (Redaktion / Alfons Weißer)

 

Abb. 1: Waldemar Flaig: Selbstbildnis, 1922 (Franziskanermuseum Villingen).

Waldemar Flaig wurde am 27. Januar 1892 in Villingen geboren, wo er auch am 4. April 1932 verstarb. Flaig war ein Maler des Expressionismus.

Zum 120 Geburtstag und dem 80. Jahrestag seines Todes erinnert der Geschichts- und Heimatverein an einen großen Künstler der Stadt Villingen. Der in Villingen geborene und inzwischen seinen Ruhestand begehende Pfarrer Monsignore Alfons Weißer erhielt vom Enkel des Künstlers Aquarell-Entwürfe für die Anfang der 30er Jahre vorgesehene Ausmalung der Kirche in Hochemmingen geschenkt, die im Anschluss an einen kurzen Lebenslauf vorgestellt werden.

Abb. 2: Tatjana Barbakoff in chinesischem Kostüm, 1927

Waldemar Flaig wuchs in Villingen auf. Nach dem Besuch der Kunst- und Gewerbeschule Karlsruhe und der Kunstakademie in München nahm er am Ersten Weltkrieg teil, in dem er schwer verwundet wurde und den er in zahlreichen Zeichnungen seines Kriegstagebuchs künstlerisch verarbeitete. Nach einer kurzen Phase als Mitinhaber der Kunstgewerblichen Werkstätten Huber-Flaig in Villingen siedelte er 1920 nach Meersburg um und heiratete 1920 Maria Thoma aus Villingen. 1921 malte er für die Fassade des Konstanzer „Schreiberhäusles“ der Schriftstellerin Alice Berend ein Wandbild des „Reiters über den Bodensee“.

Zu Waldemar Flaigs bevorzugten Motiven gehörten religiöse Themen, Landschaften (vor allem der Bodensee und der Schwarzwald), die Stadt Meersburg und seine Kinder Hubert (1923-1943) und Erika (* 1927). In den 1920er Jahren beschickte er Ausstellungen u.a. in Konstanz, Baden-Baden, Düsseldorf, Ulm und Dessau, wo er auch als Bühnenbildner des Anhaltischen Landestheaters tätig war. In Meersburg verbrachte er trotz vieler Großstadtaufenthalte weiterhin die Sommer. Er schloss sich der internationalen Bodensee-Künstlervereinigung „Der Kreis“ um Norbert Jacques an und malte Portraits berühmter Zeitgenossen, mit denen er bekannt war, darunter der Maler Otto Dix, die Schriftstellerin Harriet Straub und der Schriftsteller Martin Andersen Nexö sowie mehrere Portraits der Tänzerin Tatjana Barbakoff (Abb. 2). Flaig schuf auch Illustrationen zu mehreren Büchern und entwarf 1923 das Notgeld der Stadt Friedrichshafen. 1929 wirkte er bei der Ausstattung des Ballsaales des Schnelldampfers TS Bremen mit; 1930-1931 folgten Fresken für ein Privathaus, das Pfarrhaus und die Leichenhalle in Meersburg, die Kirche in Hochemmingen und die beiden Kapellen des Krankenhauses in Villingen, der heutigen Landesberufsschule für das Hotel- und Gaststättengewerbe.

Eine größere Anzahl von Gemälden Flaigs besitzt das Franziskanermuseum Villingen.

Abb. 3: Skizze zur Gesamtgestaltung der Kirche in Hochemmingen.

Im Sommer 1930 erhielt Waldemar Flaig den Auftrag, die Kirche in Hochemmingen/Baar mit einem Deckenfresko — eine Rosenkranzmadonna darstellend – zu versehen.

Am 7. April 1930 legte Flaig eine „Erläuterung zur Restaurierung der Pfarrkirche in Hochemmingen, Amt Donaueschingen“ als handgeschriebene Seite mit einer Skizze der Decke und insgesamt sieben Aquarellen vor, von denen zwei hier wiedergegeben sind, als Vorschlag für die ganze Kirche (Abb. 3) und drei Alternativen für das Deckenbild, von denen er eines wie folgt beschreibt:

„Rosenkranz-Madonna, thronend auf Wolken, umgeben von Engeln, die den Rosenkranz darbringen, musizieren und Rosen zu Füßen legen. Unten liegt Hochemmingen.“

Dieses Bild (Abb. 4) hat Flaig ausgeführt, es existiert aber nicht mehr.

Herzlichen Dank an Frank und Danielle Milpacher, München, die mir diese Aquarelle geschenkt haben. Frank Milpacher ist ein Enkel von Waldemar Flaig. Alfons Weißer

Abb. 4: „Rosenkranz-Madonna, thronend auf Wolken, umgeben von Engeln, die den Rosenkranz darbringen, musizieren und Rosen zu Füßen legen. Unten liegt Hochemmingen.“

Verwendete Literatur:

Flaig, Waldemar, dtsch. Landschaftsmaler. In: Hans Vollmer: Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler des XX. Jahrhunderts, Bd. 2. E.A. Seemann, Leipzig 1955, S. 118.

Herbert Mühle, Elke Keiper: Waldemar Flaig, ein Künstlerleben, in: Bodensee-Hefte. ISSN 0006-548X. Bd. 43, Tägerwilen 1992, S. 30-34.

Wendelin Renn (Hrsg.): Waldemar Flaig. 1892-1932. Gedächtnisausstellung. Neues Schloß Meersburg und Franziskaner-Museum

Villingen-Schwenningen. Stadt Villingen-Schwenningen 1992, ISBN 3-927987-20-4 (darin Herbert Mühle: Waldemar Flaig zum hundertsten Geburtstag – ein Künstlerleben und Elke Keiper: Das Wesentliche sichtbar machen – oder: Farbe, Licht und blaue Schatten – Die Landschafts- und Porträtmalerei Waldemar Flaigs). Waldemar Flaig in: Villingen im Wandel der Zeit, Geschichts- und Heimatverein Villingen, Jahrgang XXXII / 2009, S. 94. Im selben Heft die Fresken von Waldemar Flaig in der Kapelle des ehemaligen Villinger Krankenhauses (S. 89-94).