Ende einer Jahrhunderte alten Klostergeschichtevon (Marga Schubert)

Das Kloster St. Ursula in Villingen ist seit diesem Sommer Geschichte. Mit dem Auszug der letzten beiden Klosterfrauen der Ursulinen, Superiorin Schwester Roswitha Wecker und Schwester Sigrun Schachtner, sowie dem langjährigen Hausgeistlichen Pater Hermann, schloss sich Ende Juli 2015 die Klosterpforte am Bickentor für immer. Die drei letzten Klosterbewohner hatten in den letzten Jahren, nachdem 2013 die langjährige Superiorin Schwester Eva Maria Lapp starb, den Klosterbetrieb auch im hohen Alter noch aufrecht erhalten. Aus dem Schuldienst an den St. Ursula Schulen hatten sich die Ordensfrauen des Klosters altersbedingt schon vor Jahren zurückgezogen.

Schwester Sigrun, die seit 1966 im Kloster lebte und bis 2003 Mathematik und Physik unterrichtete, verbringt ihren Lebensabend im Ursulinen-Kloster im schweizerischen Brig. Superiorin Schwester Roswitha, die von ihren heute 80 Lebensjahren 58 in St. Ursula lebte und arbeitete, die letzten drei Jahre als Superiorin, zog in die Villinger Seniorenwohnanlage St. Lioba. Ebenso Pater Fuchs.

Abb. 1: Superiorin Schwester Roswitha in der Klosterkirche.

 

Damit ging im Jahr 2015 in der Zähringerstadt ein über 700 Jahre dauerndes Klosterleben mit wechselvoller Geschichte zu Ende, ein Klosterleben, das seit 1782 vom Lehrorden der Ursulinen geprägt war, zu Ende. Denn vom einst blühenden Klosterleben mit insgesamt sieben Klöstern im alten Villingen, mit Dominikanern, Klarissen, Johannitern, Franziskanern, Kapuzinern und Benediktinern war nach der Säkularisation nur das Frauenkloster St. Ursula übriggeblieben, das seither eine beispielhafte Bildungseinrichtung, die Klosterschule St. Ursula, aufbaute. Mit zunehmendem Alter der Ordensfrauen und mangels Nachwuchs war die verantwortliche Leitung des Schulbetriebes jedoch bereits 1990 in die Verantwortung der Schulstiftung des erzbischöflichen Ordinariats in Freiburg übergeben worden, die seither unter dem Motto „Tradition bewahren Zukunft bereiten“ neuzeitliche Bildungs- und Erziehungsarbeit auf dem Fundament christlicher Weltanschauung und Wertordnung leistet. Die Erzdiözese hatte diese Schulstiftung 1988 gegründet, damit katholische Schulen wie St. Ursula auch dann weitergeführt werden können, wenn ihre ursprünglichen Träger aus personellen oder finanziellen Gründen nicht mehr in der Lage sind, diese weiterzuführen. Mit dem Ende der Existenz des Klosters ging nun auch der gesamte städtebaulich prägende Klosterkomplex am Bickentor, bisher im Besitz des Ursulinen-Konvents, komplett in den Besitz der Erzdiözese Freiburg über. Die freigewordenen Klosterräume sollen nach umfangreichen Umbauten die Raumnot der St. Ursula Schulen, die bereits den größten Teil des Areals für Schulzwecke belegen, beheben. Doch nur ein Teil des bisherigen Klosters wird für die schulische Nutzung umgebaut. Ein anderer Teil im Ostflügel, in dem die Ordensfrauen größtenteils lebten, in dem zahlreiche Zeugen der Vergangenheit in wertvollen Kunstwerken und im Mobiliar dargestellt sind, wird in seinem bisherigen Zustand erhalten bleiben, und soll eine Erinnerung an das letzte aktive Klosterleben in Villingen bleiben. Zu besonderen Anlässen sollte dieses geschichtsträchtige Zeugnis auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, könnte sich der Schulleiter der St. Ursula Schulen, Johannes Kaiser, vorstellen.

Abb. 2: Superiorin Schwester Roswitha vor dem historischen Archivschrank aus der Zeit der Klarissen.

 

Das umfangreiche und wertvolle Klosterarchiv bleibt ebenfalls im Klostergebäude. Die Betreuung und Verwaltung legte die langjährige und sehr geschichtsbewusste Superiorin Schwester Eva Maria Lapp vor Jahren schon in die Hände des Stadtarchivs und des Landesdenkmalamtes. Auch die Klosterkirche soll so gut wie möglich wie bisher in Betrieb bleiben. Die Seelsorgeeinheit Villingen wird sie betreuen und auch die Schulgottesdienste und der bei vielen Christen so beliebte Sonntagsgottesdienst sollen weiterhin wie bisher dort stattfinden.

Wehmütiger Abschied und viel Anerkennung und Dank an die Ordensschwestern

In einem Gottesdienst im Münster mit Weihbischof Michael Gerber und einem anschließenden Festakt wurden die beiden Ordensfrauen und Pater Fuchs Ende Juli würdig verabschiedet. In zahlreichen Abschieds- und Dankesworten der vielen Weggefährten und Vertreter des öffentlichen Lebens und der Kirchen wurde der enorme Einsatz der Schwestern gewürdigt, verbunden mit dem Versprechen, dass „ihr Werk weitergeführt und die Erinnerung an Sie immer bleiben wird“, wie es Dietfried Scherer, Direktor der Schulstitung der Erzdiözese Freiburg, ausdrückte. Geschenke und Dankesworte gab es auch vom Schulleiter der heutigen Bildungseinrichtung St. Ursula Schulen, Johannes Kaiser, der im Namen aller Schüler, Lehrer und Eltern sagte: „Wir bedanken uns für die geistigen Spuren, die sie bei vielen hunderten von Schülern und Lehrern hinterlassen haben“.

Abb. 3: Pieta aus dem Kloster St.Ursula.

 

Auch Oberbürgermeister Rupert Kubon, AltDekan Kurt Müller und andere Festredner machten eines überdeutlich: Der Orden, und vor allem die Schwestern, haben das Schulleben der Stadt maßgeblich geprägt und geformt. OB Kubon:

„Wir zehren von diesen Grundlagen christlichen Lebens der Klöster hier in der Stadt“.

Die Klostergeschichte

Diese Grundlagen christlichen Lebens legten vor mehr als 700 Jahren die sogenannten Beginen, Frauengemeinschaften, die in Armut und Gebet Gott dienten. Das Haus am Villinger Bickentor hatte vermutlich bereits im 13. Jahrhundert begonnen, ein Konvent frommer Frauen zu sein, die auf eigene Faust ein religiöses Leben führten, zunächst ohne schützende Klostermauern. Aus diesen Gemeinschaften entstanden später regelrechte Frauenklöster, so auch in Villingen. 1497 war es die selige Ursula Haider, die aus Valduna im Vorarlberg nach Villingen kam, um mit ihren sieben Gefährtinnen am Bickentor die Regeln der heiligen Klara einzuführen. So entwickelte sich das Haus am Bickentor zu einem überregional erfolgreichen Klarissen-Kloster. Die Schwestern verstanden sich auf allerlei Künste des Schreibens, der Leinenweberei und aller Arten von Handarbeiten, aber auch auf die Herstellung von Kräuterheilmitteln und köstlichem Gebäck. Das Rezept der bis zuletzt im Kloster St. Ursula noch gebackenen und als Geschenke heiß begehrten „Klosterguetele“ stammt aus dieser Zeit. Direkt neben dem Klarissenkloster lagen Garten und Kloster der Dominikanerinnen, die „Vetternsammlung“ genannt. Hier wurden bereits damals Mädchen unterrichtet.

Beide Klöster bestanden bis 1782, als auf Anordnung des Habsburger Kaisers alle „beschaulichen Klöster“ aufgelöst werden mussten. Der Kompromiss eines Weiterbestehens des klösterlichen Lebens am Bickentor war ein Lehrorden. Und so übernahmen am 16. Oktober 1782 die Schwestern des Lehrorden der Ursulinen aus Freiburg, die nach den Regeln der Anne de Xainctonge lebten, das Zepter und gründeten die Mädchenschule St. Ursula. Die Ordensfrauen der Klarissen und der Dominikanerinnen mussten sich wohl oder übel den neuen Regeln fügen. Jedoch nur wenige schlossen sich den Ursulinen an, die dann sowohl in der staatlichen Mädchenvolksschule (heutige Klosterringschule) als auch in verschiedenen Schulzweigen samt Internat in den Räumen des Klosters an der Bickenstraße unterrichteten. Privates Töchterheim, Kochschule, Frauenarbeitsschule, Internat, Handelsschule, schließlich Mädchenrealschule entstanden. Die Klosterfrauen leisteten ein hohes Maß an sozialer Arbeit und Schulausbildung in der Stadt. Die Klosterschule St. Ursula entwickelte sich mit Höhen und Tiefen, auch in schweren Zeiten, über die Jahrhunderte zu einer festen Größe im Villinger Schulleben bis zum heutigen Profil der St. Ursula Schulen.

Die Schule bleibt das Kloster St. Ursula sagt Lebewohl und gehört nun zum großen Kreis der wertvollen Zeugen der Vergangenheit einer traditionsreichen Villinger Geschichte.

Abb. 4: Superiorin Schwester Roswitha, Schwester Sigrun und Pater Fuchs.

 

In einem zum Abschied vom Villinger Klosterleben erschienenen Buch mit dem Titel „Dankbar das Vermächtnis leben“, wird die gesamte Geschichte des Klosters St. Ursula und der Stand der heutigen St. Ursula Schulen anschaulich dargestellt. Es ist im örtlichen Buchhandel zu erwerben.

Bilder

Abb. 1: Marga Schubert

Abb. 2: Marga Schubert

Abb. 3: Jochen Hahne

Abb. 4: Marga Schubert