Manfred Merz ist tot (Norbert Trippl)

Er starb in der Nacht zum 30. September 2015 im Alter von 87 Jahren. Seine Masken prägen die Villinger Fastnacht.

Villingen verliert den wohl bedeutendsten Schemenschnitzer. Seine Glattschemen, seine Surhebel und seine Morbile sind handgefertigte Kunstwerke, hoch geschätzt, viel gepriesen und von stolzen Eigentümern gehütet wie ein Schatz. Jede Scheme mit den innen ins Holz eingeritzten Initialen MM sind ein Stück Villingen, Ausdruck von lebensfroher und traditionsgeprägter Fastnachtsgeschichte und viele von ihnen sind schon über zwei, manchmal sogar drei Generationen weiter vererbt worden – anders ausgedrückt: Eine Merz-Scheme war und ist etwas ganz Besonderes – und wird das immer bleiben.

Rund 2.000 Merz-Schemen sind es, die an der Villinger Fastnacht bei den Umzügen getragen werden. Die Zahl stammt von Manfred Merz selbst. Der stets standhafte Kämpfer für die Bewahrung Villinger Traditionen war nicht immer ein einfacher Zeitgenosse. Kantig wie ein Lindenholz-Rohling für seine Masken stellte er sich allem in den Weg, was Aufweichung von seinem geliebten Brauchtum und seiner geliebten Heimatstadt Villingen auch nur ansatzweise bedeuten konnte. Manfred Merz hatte deshalb nicht nur Freunde aber viele Bewunderer. Es gab schon vor Jahrzehnten Wartelisten für eine Scheme aus seiner Werkstatt in der Südstadt und es war typisch für ihn, dass er längst nicht für jeden den Stechbeitel ansetzte. Manfred Merz ist vielfach dekoriert mit höchsten Auszeichnungen. Die für ihn wertvollste erhielt er im Jahr 2005, als ihm – ausgerechnet!

die Karnevalisten aus dem Rheinland bei einer eigens anberaumten Feier in Düsseldorf den Kulturpreis der Deutschen Fastnacht verliehen. Manfred Merz lehnte auch Auszeichnungen ab, nahm manch eine mit überlegendem Lächeln entgegen und brüskierte seine Heimat-Zunft Villingen nach einem ziemlich verfahrenen Gefecht hinter vielen Villinger Kulissen, indem er die besten Stücke seiner Privat-Sammlung, darunter Ölmüllerund Moser-Schemen, nach auswärts ins Bad Dürrheimer Fastnachtsmuseum der Schwäbisch-Alemannischen Vereinigung stiftete. Die Gabe war ein Affront. Auch kulturhistorisch schlug der Fall Wellen, unter anderem, weil der Villinger Narro nie die Grenzen der Stadtmauern verlässt.

Manfred Merz hinterlässt mit seinem schnitzerischen Wirken in seiner Heimatstadt Villingen Spuren wie kein anderer Künstler nach dem Krieg. Seine Schemen tragen auch die Triberger Teufel und die Blumen-Hansel aus Donaueschingen und Hüfingen. Manfred Merz starb um vier Uhr am Morgen des Mittwochs in der Kurzzeitpflege Heilig Geist. Nach einer Operation war er zuletzt stark angegriffen und körperlich wie geistig geschwächt. Die Kraft seiner Werke bleibt erhalten – hundertfach in Villingen. Manfred Merz – ganz sicherlich unvergessen.