Fasanenzucht und Schwanenteich im alten Villingen (Wolfgang Bräun)

Als Karl Nüßle noch Stadtgärtner war:

Abb. 1: Schwanenteich.

 

Abb. 2: Romäusturm (Öl auf Leinwand, L.Bräun Jhg. 1917).

 

Als zu Beginn des Jahres 2015 das Bürgerforum „Leben und Wohnen in der Villinger Innenstadt“ den Vize-Chef des Stadtbauamtes, Erich Hargina, zu Gast hatte, durften die Gäste davon ausgehen, dass auch das Thema „Ringund Grünanlagen“ in Villingen schon längst auch eine Historie hat.

Es sind zwar nur die wahrlich warmen Monate Mai bis Oktober, während denen der Radler großer Schwung zwischen Riettor und Romäus-Gymnasium unterwegs ist, sich Jung und Alt auf eines der Bänkchen in den Ringanlagen setzt und einzelne Kinder auf dem Spielplatz beim Glocke-Hiesle wieder Sand in die Schuhe bekommen.

Doch spätestens dann geht auch dem Passanten meist der Blick auf, dass die Grünflächen um die Villinger Stadtmauer von Frühjahr bis in den Herbst was Besonderes sind und nicht nur, weil hier auf historischem Boden ‚gewandelt‘ wird.

In historischen Zeiten, als Villingen noch eine „feste Stadt“ war, lief hier der Wasser gefüllte Wehrgraben rings um die Altstadt. Der entnommene Aushub bildete einen breiten Wall, die sogenannte Fülle. Entlang dieser Fülle verlief eine feste zweite Mauer und ein weiterer Wassergraben mit 15 Metern Breite.

Insgesamt eine wuchtige Wehranlage, deren Bedeutung darin lag, dass sich die Bürger zum einen ihrer einstigen Belagerer erwehren konnten, dass es aber im befreienden Kampf gegen zehnund zwölffache Übermacht der Belagerer auch zu viel Leid, Blut und Tod kam.

Erst als die Befestigung den neuen Waffen nicht mehr standhalten konnte, öffneten die Villinger 1744 im Verlauf des Spanischen Erbfolgekrieges kampflos ihre Tore.

Die Bedeutung als ‚Festung‘ ging verloren, schwere Waffen wurden vom Gegner erbeutet, Teile der Wehrbauten wurden ‚geschleift‘: der äußere Wassergraben wurde gefüllt, die zweite Mauer abgebrochen und die Fülle mit Bäumen bepflanzt.

Nur die vier Vortürme, die Erkel, blieben längere Zeit erhalten, nutzte man sie doch als Altar-Orte für die Fronleichnams-Prozession bei deren Umgang um die Stadt.

Schließlich waren es jedoch die Langholz-Fuhrwerke, die „Holländerfuhren“, die moderne Verkehrsverhältnisse erforderten und man deshalb dies ‚Erkel‘ abtragen musste: den vierten und letzten 1868 vor dem Bickentor.

Abb. 3: Gemalte Partie am Riettor in Öl (L. Bräun Jhg. 1917).

 

Aus jener Zeit stammt auch die Schilderung, dass die Statue des Heiligen Nepomuk an der ‚Bigiboge-Bruck‘ mit den Stamm-Enden eines solchen Fuhrwerk angefahren wurde und in die Brigach fiel.

Schon Jahrzehnte zuvor, 1831, hatte man südwestlich, am Standort des Romäusgymnasiums, die Sternschanze abgebrochen. Ihrer Form wegen hieß diese Ecke auch ‚Bügeleisen‘, wo in dessen Nähe noch heute das Glocke-Hiesle seine kräftige Rundung aus der Stadtmauer streckt. Übrig blieb zunächst der eigentliche Stadtgraben, den zu füllen es mangels Material fast 100 Jahre dauerte.

Lange Zeit war dieser Stadtgraben dann auch zur

‚Müllkippe‘ geworden: „Wirf ’s i de Stadtgrabe…“, war zum geflügelten Wort geworden, wenn eine Sache oder eine Idee keinen Wert mehr hatte…!

Wer umgekehrt mit etwas protzen wollte, was anderen nicht gefallen konnte oder wollte, dem entgegnete man: „Des häsch sicher usem Stadtgrabe…?!“ Gegen das Jahr 1900 war dann der Stadtgraben bis auf wenige Löcher dann doch gefüllt worden und das Stadtparlament entschied im Sinne des aufkeimenden Fremdenverkehrs 1888 war der Aussichtsturm eröffnet worden , dass man mit der Verschönerung des Stadtbildes am Bickentor mit Blick vom Bahnhof aus beginnen solle.

Blumenbeet, Sträucher, Kriegerdenkmal, eine künstlich Felsgrotte, ein Mini-Wasserfall und ein Springbrunnen mit Schwanenteich bestimmten auf Höhe des Paradiessteges das Entree in die Stadt für ankommende Bahnreisende.

Abb. 4: Bis zum Jahre 1868 stand der Bickentor-Erker als wohl noch 1737 saniertes Vortor der mittelalterlichen Stadtbefestigung.

 

Der damalige „Grünflächen-Plan“ stammte vom Stadt-Gärtnermeister Karl Nüßle (*ca. 1865), dessen reale Anlage ihm in den folgenden Jahren hoch angerechnet wurden.

Einst junge Bäumchen aus jener Zeit wurden erstmals wieder um 1950 beim damaligen Hautpostamt im Kaiserring gefällt, „um dem Autopark dort mehr Raum zu schaffen“ (H. A. Neugart, 1951).

Abb. 5: Glocke-Hiesle an der Stelle, wo einst ein Wehrmauer Ausbau als sogenanntes „Bügeleisen“ stand.

 

Zu „sehenswerten Kostbarkeiten“ der Nüßleschen Anlagen zählte dann auch eine Fasanenzucht mit einem Schwanenteich an der Brigachstraße, was besonders den Kindern gefallen konnte.

Nach „Notjahren des Krieges und der Nachkriegszeit“ so der Hobby-Chronist H.A. Neugart, wurde schließlich vieles wieder hergerichtet, „…so dass auch das äußere Bild der Stadt dem Fremden wieder den anziehenden und unvergesslichen Eindruck zu vermitteln vermag“.

Und es möge auch an den Bürgern liegen, „dass die Bemühungen der Stadtgärtnerei, heute Grünflächenamt, geachtet werden und die Anlagen in ihrer Gepflegtheit erhalten bleiben“.

Der erste Bauabschnitt zwischen Riettor und Keferburg ist im Jahr 2014 bereits fertig geworden und ein weiterer Abschnitt vom Riettor gen Süden wurde bereits im September 2015 wieder frei gegeben.

Abbildungen:

Abb. 1:    Schwanenteich.

Abb. 2:    Beliebtes Herbst-, Foto und Maler-Motiv: die Fülle am Romäusturm, die dereinst Wassergraben war zwischen der ersten und der zweiten Stadtmauer.

(Öl auf Leinwand, L.Bräun Jhg. 1917)

Abb. 3:    Gemalte Partie am Riettor in Öl: Als der Sägebach noch in die Stadt floss…

(L. Bräun Jhg. 1917)

Abb. 4:    Bis zum Jahre 1868 stand der Bickentor-Erker als wohl noch 1737 saniertes Vortor der mittelalterlichen Stadtbefestigung. Die anderen Vortore wurden 1834, 1840 und 1848 auch der Niedere Tor-Erker abgerissen.

Abb. 5: Markanter Rest der Villinger Wehranlagen: das GlockeHiesle an der Stelle, wo einst ein Wehrmauer-Ausbau als sogenanntes „Bügeleisen“ stand.

Bilder und Repro: Wolfgang Bräun