Epitaphen im Friedhof Herzogenweiler (Eberhard Menzel)

etwas Geschichte, etwas Erklärung, etwas Chronologie, etwas Technik, etwas Umfeld

Etwas Geschichte: Die Ursprünge des Dorfes Herzogenweiler gehen zurück bis in das 11. Jahrhundert als die heutigen Orte Herzogenweiler und Pfaffenweiler eine einzige Siedlung bildeten. Im Zuge einer Erbteilung wurde das Dorf aufgeteilt unter die Herzöge von Zähringen (Herzogenweiler) und das Kloster Salem (Pfaffenweiler). 1208 wurde die Kirche von Herzogenweiler erstmals urkundlich erwähnt. 1244 gelangten die herzoglichen Besitztümer im Schwarzwald an die Grafen von Freiburg, die sich später von Fürstenberg nannten. Diese gründeten die Stadt Vöhrenbach. In dem Maße, wie diese wuchs, in dem Maße schwand jedoch die Bedeutung des Dorfes Herzogenweiler bis zu seiner völligen Auflösung im 14./15. Jahrhundert. Lediglich ein Meierhof überdauerte die Zeiten und wurde später die Ausgangsbasis für die Neugründung des Ortes im Zeichen der Glasmacher.

Das Jahr 1721 wurde zum Gründungsjahr der Neuansiedlung Herzogenweiler. Es fällt auf, dass die ehemalige Glashütte, „Fabrik“ genannt, der zentrale Bezugspunkt ist. Ihr verdankt der Ort das große Ansehen im weiten Umkreis vor allem in früheren Zeiten.

„Machet Platz, d’Glaser kummet“, war ein geflügeltes Wort in den umliegenden Wirtshäusern, wenn die „Glaser“, wie sie sich selbst nannten, oftmals genug vierspännig vorfuhren, begleitet von der eigenen Musikkapelle, um ihre Feste zu feiern. Die große Zeit dieser Glasmacher ist bis zum heutigen Tag die Achse, um die sich die Dorfgeschichte, sowohl im Bewusstsein der Bevölkerung als auch in den öffentlichen Publikationen dreht. Sie ist Synonym für Wohlhabenheit und den wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung des Dorfes und somit das Selbstbewusstsein seiner Bewohner. Doch was kam danach? Das Ende der „Fabrik“:

1856 musste die Anlage nach jahrelangem Siechtum zwangsweise verkauft werden und die ehemals zehn Anteilseigner „verganteten“.

Etwas Erklärung:

Epitaphe: nach Brockhaus, griechisch = Grabmal.

Epitaphen sind aufrecht stehende Grabmale, die an Innen- oder Außenwänden von Kirchen oder an Säulen angebracht werden. Roland in Bremen!

Die Art der Verewigung für die Nachwelt stammt aus dem 14. Jahrhundert. Epitaphen sind immer mit figürlichen Darstellungen verbunden.

Diese Art von Grabplatten war wohl immer etwas für reichere oder höher gestellte Personen. In Herzogenweiler war die Möglichkeit der Anbringung in oder an einer Kirchenwand nicht gegeben, deshalb sind die Grabmale innerhalb der Friedhofsmauern in der Mauer angebracht worden.

Die Skulpturen stammen aus dem späten 18. und dem frühen bis mittleren 19. Jahrhundert, die Aufraggeber waren immer Glasermeister oder deren Ehefrauen, die sich hier ein Denkmal gesetzt haben.

Etwas Chronologie:

Als Mitinitiator zum Erhalt und zur Restaurierung kümmerte sich der Verfasser nach einer eher zufälligen Besichtigung um die notwendigen Maßnahmen. Da der Friedhof im Eigentum der Gemeinde liegt, gibt das Landesdenkmalamt Zuschüsse erst ab, damals, 30.000,00 DM Aufwand. Die Kosten wurden vorab auf 22.000,00 DM geschätzt, es musste also eine private Vereinigung gegründet werden. Nach vielem hin und her: Am 16. Oktober wurde ein Förderverein mit dem schönen Namen „Förderverein zur Restaurierung der Grabplatten im Friedhof Herzogenweiler“ gegründet. Der Verein nahm mit seiner Vorstandschaft Fritz Rauer, Eberhard Menzel, Willi Haussmann und Gerhard Blessing sofort die Arbeit auf.

Wie immer: Geld war keins da, Idealismus dafür umso mehr. Es wurde um Geld mit Bittbriefen an über 150 Personen und Firmen gebettelt, und: die Spendenfreudigkeit war groß! Die restauratorischen Maßnahmen wurden mit Dr. Jacobs vom LDA Freiburg eingehend besprochen und von ihm auch in der Ausführungsphase begleitet. Ihm sei Dank!

Am 4. September 1999 kam der Zuwendungsbescheid vom Landesdenkmalamt, die Arbeiten wurden allerdings schon vorher begonnen, die Finanzierung war gesichert. Manchem fiel ein Epitaph vom Herzen!

Die Gesamtmaßnahme wurde dann Ende 1999, Anfang 2000 beendet. Die Gesamtkosten beliefen sich mit den noch nachfolgend beschriebenen Maßnahmen auf 44.000,00 DM.

Etwas Technik:

Die insgesamt 10 Grabplatten waren in einem erbärmlichen Zustand. Sie wurden von Vögeln als Brutstätten benutzt, waren verdreckt, versprödet. Moose, Flechten und Algen fanden einen Nährboden.

Das damals verwendete Material ist überwiegend roter Sandstein, auch grüner Molassensandstein wurde verwendet.

Hauptursache der Beschädigung war das Einmauern der Grabplatten in die Friedhofsmauer, die, obwohl rund 1,30 m dick, doch porös und wasserdurchlässig – Bruchsteinmauerwerk – ist. Durch fließendes Wasser, also Regen mit den ganzen Schadstoffen, und drückende Feuchtigkeit aus der Mauer kam es zu Bindemittelverlusten im Sandstein, die Skulpturen zeigten Blasen und

Abb. 1: Zustand vor der Restaurierung

 

Abb. 2: Heutiger Zustand.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Schalenbildung, bei allen Epitaphen sind große Fehlstellen und Abplatzungen entstanden. Die nach Archivunterlagen 1974 noch einigermaßen lesbare Schrift war nicht mehr zu erkennen, die Oberfläche abgesandet.

Nach Rücksprache mit Dr. Jacobs und dem Restaurator Hellstern in Freiburg, wurde folgendes Konzept entwickelt und durchgeführt: Notsicherung der gefährdeten Partien vor Ort, Ausbau der Grabplatten, Transport nach Freiburg. Reinigung der Steine mit Tränkung und mechanischen Mitteln. Verkleben von Schalen und Blasen, Anböschungen mit Restaurier Mörtel, Festigungen mit Kieselsäureester. Rücktransport nach Herzogenweiler.

Lieber Leser, ein bisschen komplizierter war das Ganze schon, es würde aber langweilig werden, alles aufzuzählen. Vor dem Rücktransport wurden die freien Nischen gefestigt, mit Stürzen wo notwendig versehen und mit Kalk putz rau verputzt. Das Ergebnis im Vergleich zu Bild 1 kann sich sehen lassen, oder? Übrigens, der Text auf dem Sockel zu Bild 2, heute nicht mehr lesbar, lautete:

Du wandelst nun in Himmelshöhen

Freundlich sieh auf uns herab

Wenn der Thränen lindes Wehen

Rieselt auf dein stilles Grab

Name: unleserlich, wahrscheinlich Thoma

Auch bei den beiden nachfolgenden Bildern ist vorher – nachher gut zu erkennen.

 

Abb. 3: Zustand vor der Restaurierung.

 

Abb. 4: Der Restaurator bei der Arbeit.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Etwas Umfeld:

Die Epitaphen wurden gegen Umfallen hinten mit Edelstahl-Winkeln an der Mauer gesichert. Im Zuge der Restaurierung der zehn Grabmale wurde mit Billigung des Landesdenkmalamtes auch die Friedhofsmauer teilweise wieder instand gesetzt, die Ziegeldeckung repariert.

Als abschließende Maßnahme erhielt jede Grabplatte eine Überdachung aus Sicherheitsglas in Edelstahlkonsolen, sandgestrahlt und grau einbrennlackiert.

Zum Schluss:

Auch wenn man sich Mühe gibt, eine Maßnahme

denkmalpflegerischer Art genau und doch nicht langweilig zu beschreiben, ersetzt dies niemals die Besichtigung.

Ich lade Sie ein, den Friedhof Herzogenweiler zu besuchen, nicht nur um die Epitaphen zu besichtigen, sondern auch um die spirituelle Ruhesituation auf sich wirken zu lassen, die nach Öffnen des schmiedeeisernen Tores einen eigenartigerweise überkommt. Ein anschließendes Vesper kann dann in Herzogenweiler zur Stärkung des Körpers eingenommen werden.