Aus dem Stadtarchiv: Der Bestand Stadtchronik (Dieter Baumann)

Ein im Stadtarchiv Villingen-Schwenningen sehr häufig genutzter Bestand ist die „Stadtchronik“ (Abteilung 5 Sammlungen, Bestand 22 – kurz: Best. 5.22).

Abb. 1: Prospekte der Uhrenfirma Jauch & Schmid.

 

Die Stadtchronik geht zurück auf Dr. Rudolf Ströbel (Leiter des Schwenninger Heimatmuseums von 1949 bis 1972), der Anfang der 1950er Jahre für eine zu erstellende Ortschronik damit anfing, Informationen zur Schwenninger Ortsgeschichte zu sammeln.

Abb. 2: Informationen zu der Firma Kaiser Uhren, Villingen.

 

Diese Informationen ordnete er thematisch in einem Zehnersystem. Zur Abfassung der Schwenninger Ortsgeschichte durch Dr. Ströbel kam es nicht, erhalten geblieben sind uns aber die von ihm zusammengetragenen und geordneten Unterlagen.

Eine gute Beschreibung, was dieser Sammlungsbestand Stadtchronik darstellt und beinhaltet, stammt von Dr. Ströbels Nachfolger, Dr. Manfred Reinartz (Leiter des Heimatmuseums von 1973 bis 2000). – Zitat Dr. Reinartz:

„Die Stadtchronik von Villingen-Schwenningen ist eine über tausendbändige Sammlung, in der alle Informationen, die das öffentliche Leben der Stadt betreffen, laufend zusammengetragen werden. Sie ist ursprünglich als Chronik von Schwenningen am Neckar aufgebaut worden, wird jedoch seit dem 1. Januar 1972 als Chronik der Stadt Villingen-Schwenningen weitergeführt. Ein enormes Arbeitspensum musste bewältigt werden, um die Chronik zu dem zu machen, was sie heute ist: Eine leistungsfähige öffentliche Informationszentrale für jedermann.

Die Stadtchronik ist nach einem Zehnersystem übersichtlich geordnet, so dass alle Daten jederzeit und ohne Mühe greifbar sind. Das Ordnungssystem umfasst die folgenden Gebiete: 0 Überblicke z. B. Orts- und Raumlage, die Baar, Kreis, Region usw.; 1 Naturgeschichte: z. B. Bodenbeschaffenheit, Gewässer, Klima, Flora und Fauna usw.; 2 Vor- und Frühgeschichte: z. B. Steinzeiten, Hallstattzeit, Römerzeit usw.; 3 Ortsgeschichte: z. B. Urkunden, Heraldik, Namen usw.; 4 Volkskunde: z. B. Haus- und Wohnformen, Geräte, Trachten, Brauchtum, Mundart usw.; 5 Bevölkerung: z. B. Familienkunde, Auswanderer, Ehrenbürger usw.; 6 Siedlung: z. B. Straßen, Bauchronik, Denkmäler usw.; 7 Wirtschaft: z. B. Gewerbe, Handwerk, Versorgung, Industrie, Uhren, Handel und Geldwesen, Verkehrs- und Nachrichtenwesen, Arbeit, Gewerkschaften usw.; 8 Verwaltung: z. B. Kultur-, Sozial-, Bau-, Finanzverwaltung usw.; 9 Kultur und Gesundheit: z. B. Jugendund Sozialpflege, Gesundheitspflege, Sport, Kirchen, Friedhöfe, Schulen, Vereinswesen usw.

Abb. 3 bis 5: Blick in einen Teil der Regale, in denen die Chronikordner aufbewahrt werden.

 

Nachrichten über alle nur denkbaren Aspekte des öffentlichen Lebens sind hier beisammen und leicht zugänglich, zumal eine Fachkraft als Berater zur Verfügung steht, und auch für einen ruhigen Arbeitsplatz gesorgt ist. Die Stadtchronik ist eine Fundgrube, die eine Menge Material und Hilfen für die Museumsarbeit selbst, für Denkmalpflege und heimatkundliche Forschungen, für Schulen, Volkshochschule, Pädagogische Hochschulen, für andere Museen und für auswärtige Forscher, für Presse und Verwaltung, für jeden interessierten Bürger bietet. Neben den Berichten und Tabellen, dem Kartenund Fotomaterial der eigentlichen Chronik können tausende von Dias und Büchern benutzt und ausgewertet werden.

Das Unternehmen Stadtchronik ist auf lange Sicht angelegt. Deshalb wird mit Sorgfalt geprüft, welche der einlaufenden Informationen festgehalten und für die Zukunft aufbewahrt werden.

Längst haben die Firmen und Verbände der Stadt, die Vereine und sonstigen Institutionen des öffentlichen Lebens bemerkt, wie wichtig es ist, in der Stadtchronik in angemessener Weise vertreten zu sein. Mit Übersichten und Fotos, mit Jahresberichten, Katalogen und Werkszeitschriften tragen sie laufend zur Ergänzung des Dokumentationsmaterials bei, rufen aber auch umgekehrt immer wieder Informationen ab, die sie bei festlichen und anderen Gelegenheiten verwerten können.

Abb. 4

 

Niemand kann alles im Kopf behalten. Wie oft kommt es vor, dass man sich fragt: „Wie war das doch eigentlich damals?“ Wer sich an die Stadtchronik wendet, wird nicht lange im Ungewissen bleiben.“ Dr. Manfred Reinartz Zitatende.

Ergänzend zwei Beispiele, wie der zeitgeschichtliche Sammlungsbestand Stadtchronik laufend Zuwachs erhält:

Jubiläen: Sobald wir Kenntnis beispielsweise von einem Vereins-, Firmenoder Schuljubiläum erhalten, zu dem eine Festschrift erstellt wurde, fragen wir nach, ob das Stadtarchiv ein oder zwei Exemplare der betreffenden Festschrift bekommen könnte. Diese Chroniken werden dann entweder im Bestand Stadtchronik eingeordnet oder für die Archivbibliothek entsprechend katalogisiert.

Abb. 5

Wahlen: Vor Wahlen schreiben wir die Parteien an mit der Bitte, uns Unterlagen wie z. B. Parteiprogramme, Flyer, Plakate etc. zukommen zu lassen, soweit diese Unterlagen einen Bezug zu Villingen-Schwenningen oder dem Schwarzwald-Baar-Kreis haben. Dieses Werbematerial der Parteien wird dann in die Stadtchronik eingeordnet mit einer Ausnahme: Plakate werden unserem Bestand 5.11 Plakate zugeordnet.

Viele Leser des GHV-Jahresheftes, die bereits im Stadtarchiv geforscht haben, werden sich an Unterlagen aus der Stadtchronik erinnern. Häufig ist „die Chronik“ (so bei uns im Stadtarchiv die Kurzbezeichnung für die Stadtchronik) der Einstieg in ein Thema, bevor evtl. Akten, Amtsbücher, Urkunden, Zeitungen, Bilder, Filme oder andere Unterlagen dazukommen.

Anmerkungen:

Folgende Quellen aus dem Stadtarchiv Villingen-Schwenningen habe ich für meinen Beitrag genutzt: Bestand 1.17 (1994) Personalamt: Personalakte Dr. Rudolf Ströbel. Bestand 5.22 Stadtchronik, S alt und VS: 00 – 02.

Abbildungen:

Abb. 1 Einmal ein Bild aus einem Chronikordner, in dem Informationen zu Schwenninger Uhrenfabriken enthalten sind: In diesem Beispiel habe ich mich für bunte Prospekte der Uhrenfirma Jauch & Schmid entschieden.

Abb. 2 Zum anderen ein Bild aus einem Chronikordner, in dem Informationen zu Villinger Uhrenfabriken enthalten sind: Hier am Beispiel der Firma Kaiser Uhren, Villingen.

Abb. 3 Blick in einen Teil der Regale, in denen die Chronikbis ordner aufbewahrt werden. Die hier sichtbaren Regale Abb. 5 sind nicht alle „Chronik-Regale“.