Jahresrückblick 2015 (Helga Echle)

Das Vereinsjahr des Geschichts- und Heimatvereins begann mit einer Führung in der Aluminiumgießerei Villingen.

Die früher umgangssprachlich einfach als Aluwerke bezeichnete Firma in der Villinger Goldenbühlstraße firmiert heute unter dem Namen Aluminium Werke GmbH Villingen.

Die große Schar interessierter Mitglieder bekam von den Geschäftsführern Hans Mack und Uwe Klier eine spannende Einführung in die wechselvolle Geschichte der Aluwerke.

Abb. 1: Die Teilnehmer bei der AGVS.

 

Während einer Führung an den einzelnen Produktionsschritten konnte die Herstellung von Alugussteilen von der Sandform bis zum fertigen Produkt eindrucksvoll besichtigt werden.

Im Februar hielt Michael Buhlmann den überaus interessanten Vortrag: „Das Konstanzer Konzil und Villingen“, die politischen Auseinandersetzungen zwischen Herzog Friedrich IV. von Österreich und König Sigismund“, der sich hervorragend an den Besuch des Konstanzer Konzils vom Vorjahr anschloss.

Bei der Jahreshauptversammlung im Hotel Diegner musste ein neuer Erster Vorsitzender gewählt werden, da Herr Günter Rath dieses Amt nach über 25 Jahren krankheitshalber aufgeben musste. Als Dank wurde er zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Durch Umstrukturierung in der Vorstandschaft, Herr Dr. Kury verzichtete auf sein Amt als 2. Vorsitzender, wurde Herr Werner Echle zum Vorsitzenden und Herr Andreas Flöß zum Vorsitzenden gewählt. Herr Rath und Herr Dr. Kury wurden zu Beiratsmitgliedern berufen, Herr Froese wurde in seinem Amt als Schatzmeister bestätigt.

Abb. 2: Der „neue“ Vorstand des GHV. v. l.: Werner Echle, Helga Echle, Hasko Froese, Andreas Flöß.

 

Die Öffentliche Tagung des Stadtarchivs, in Zusammenarbeit mit dem GHV, vom 12. bis 14. März „817 – Die urkundliche Ersterwähnung von Villingen und Schwenningen. Alemannien und das Reich in der Zeit Kaiser Ludwigs des Frommen“ war mit vielen hochkarätigen Vorträgen äußerst interessant und wurde gut angenommen.

Die erste Tagesfahrt führte unter der Leitung von Werner Echle in die Europastadt Breisach am Rhein und an den Kaiserstuhl.

In Breisach genossen die Teilnehmer eine eindrucksvolle Führung auf dem Münsterberg mit Gästeführerin Inge Gumpert. Sie informierte über die Geschichte der Stadt, die durch Ihre Lage am Rhein eine der bedeutendsten Städte am Oberrhein war. Erklärungen im Münster und im Radbrunnen rundeten diese Führung ab.

Im zweiten Teil besuchte die Gruppe das Weingut Köbelin in Eichstetten. Diesen Teil des Programms hat das Vereinsmitglied Uwe Lauinger vermittelt. Die junge Winzerfamilie Köbelin leitet diesen Familienbetrieb in der sonnenreichsten Gegend Deutschlands. Herr Köbelin hat nicht nur seine hervorragende Philosophie und den modernen Betrieb vorgestellt, sondern auch in imposanter Atmosphäre, sowohl im Betrieb als auch im Weinberg, seine Weine zur Verkostung ausgeschenkt. Seine Erklärungen über Geschichte, Tradition, Kulturlandschaft, Bodenqualität und die ökologischen Prinzipien seines Anbaus haben die Besucher sehr beeindruckt.

Abb. 3: Winzer Arndt Köbelin erklärt den Weinanbau.

 

In Zusammenarbeit von Stadtarchiv und GHV gab Herr Dr. Maulhardt einen eindrucksvollen Reisebericht in Bildern „Wie gedenkt die polnische Heimat des vor Villingen 1942 ermordeten Zwangsarbeiters Marian Lewicki“.

Auf den Spuren der Straßburger Kulturgeschichte wandelte eine große Teilnehmergruppe bei einer Tagesfahrt nach Straßburg. In einem zweistündigen Rundgang unter der Führung von Beiratsmitglied Michael Tocha erkundeten die Teilnehmer die französische und deutsche Architektur der Stadt. Die Besichtigung des denkmalgeschützten Jugendstil-Stadtbads von 1904 ließ erkennen, wie architektonischer Prunk, der in der Adelsgesellschaft nur wenigen vorbehalten war, im 20. Jahrhundert auch für Alltagsbedürfnisse zugänglich wurde.

Abb. 4: Herr Tocha erläutert die französische Architektur.

 

Für den Nachmittag hatte Beiratsmitglied Karl-Heinz Weisser den Besuch der Kirche Saint-Pierrele-Jeune organisiert. Gemeinsam mit einer elsässischen Gruppe wurde den Besuchern aus Villingen das mittelalterliche Bauwerk mit einem der ältesten Kreuzgänge nördlich der Alpen vom Gemeindepfarrer in französischer und deutscher Sprache erschlossen. Zum Abschluss erzählte Marc Schaefer, Professor am Straßburger Konservatorium und Mitinitiator der Orgelrekonstruktion in der Villinger Benediktinerkirche, die Geschichte der Silbermann-Orgel von Saint-Pierre-le-Jeune und brachte mit Werken von Bach, Couperin, Battmann und Böhm ihren Klangreichtum eindrücklich zu Gehör. Die Teilnehmer waren sich einig, dass sie auf dieser Reise neue und bisher unbekannte Seiten Straßburgs entdecken konnten.

Vom 12. – 19. Mai waren 35 Mitglieder des Geschichts-und Heimatvereins Villingen in Zypern. Unter der bewährten Führung von Klaus Weiss besichtigten sie zunächst die Republik Zypern und anschließend die Türkische Republik Nordzypern.

Die wechselvolle Geschichte Zyperns wird vor allem durch die Lage der Insel im östlichen Mittelmeer bestimmt. Bereits 8000 v. Chr. gab es Anzeichen menschlicher Existenz. Zypern wurde nacheinander von den Ägyptern, Persern, Griechen, Ptolemäern, Byzantinern, Kreuzrittern, Franken, Venezianern, Türken und Briten beherrscht. Jede dieser Kulturen hat ihre Spuren in Architektur, Lebensstil, Sprachen, Mentalität und kriegerischen Auseinandersetzungen hinterlassen.

Es wurden wunderschöne Kirchen und Klöster, Moscheen, römische Ausgrabungen mit Mosaiken, massive Stadtbefestigungen und schöne Bürgerhäuser besichtigt.

Abb. 5: Die Teilnehmergruppe im türkischen Nordteil der Insel Zypern.

 

„Moden. Schwarzwälder und andere Hüte“ war der Titel der Ausstellung im Franziskaner-Museum, die im Rahmen des Jahresprogramms des Franziskanermuseums besucht wurde. Frau Dr. Anita Auer führte die Mitglieder kompetent

Abb. 6: Frau Dr. Auer erläutert die Ausstellung.

 

und kurzweilig durch die Ausstellung. Sie erklärte leicht verständlich die 3 Kopfbedeckungen, die den Schwarzwald symbolisieren: Den Bollenhut, den Zylinder, den Schnotz. Von der Vielfalt der ausgestellten Hutarten und den Erklärungen über die Entstehung und Entwicklung des Strohgeflechts waren die Besucher sehr beeindruckt.

Im Juni machte sich eine Gruppe von 60 Teilnehmern auf zu einer Halbtagsfahrt zur Staatsbrauerei Rothaus in Grafenhausen. Das Unternehmen wurde als Klosterbrauerei des Benediktinerklosters St. Blasien im Jahr 1791 gegründet und fiel im Jahr 1806 im Rahmen der Säkularisierung an das Großherzogtum Baden. Den Besuchern imponierte besonders die großartige Brautechnik und die großen Abfüllanlagen.

Abb. 7: Die große Teilnehmergruppe vor der Staatsbrauerei Rothaus.

 

Die wechselvolle Geschichte des Saarlandes lernte eine tapfere Gruppe kennen, denn trotz tropischer

Abb. 8: Die Saarlandreisenden vor dem Weltkulturerbe Völklinger Hütte.

 

Hitze bewältigten alle das abwechslungsreiche Programm. Sie lernten die Schönheiten des kleinen, weithin unbekannten Bundeslandes kennen.

Eine Stadtführung in der Landeshauptstadt Saarbrücken mit der wunderschönen barocken Ludwigskirche, das Weltkulturerbe Völklinger Hütte, die Saarschleife, die Weltfirma Villeroy und Boch sowie die Besichtigung eines Steinkohle-Schaubergwerks beeindruckten sehr. Natürlich musste auch die spezielle Saarländische Küche probiert werden. Als begeisterte „Saarlandkenner“ kehrte die Gruppe nach Hause zurück.

Abb. 9: „Glück Auf“ – vor dem Schaubergwerk Grube Velsen.

 

Bei der Tagesexkursion mit Dekan Josef Fischer ins Markgräfler Land war der Andrang so groß, dass viele Interessierte zu Hause bleiben mussten. Die von ihm ausgesuchte Tour führte zunächst in „ein Pracht stück für Kunstliebhaber“, die katholische Barockund Wallfahrtskirche St. Ulrich bei Bollschweil.

Abb. 10: Dekan Josef Fischer erklärt die Barockkirche St. Ulrich bei Bollschweil.

Nächstes Ziel war die dem römischen Märtyrer St. Cyriak geweihte frühromanische evangelische Pfarrkirche St. Cyriak Sulzburg, die zu den ältesten Kirchen Deutschlands zählt. Am Nachmittag wurde die Gruppe durch Badenweilers wertvollstes Erbe, die Römische Therme, geführt.

Abb. 11: Die evangelische Pfarrkirche St.. Cyriak in Sulzburg.

 

Im August starteten 26 Mitglieder des GHV unter der Leitung von Hasko Froese ins Baltikum, um die Länder Estland, Litauen und Lettland kennen zu lernen. Sie waren beeindruckt von der Altstadt Tallins, der Hauptstadt Estlands. Es folgte ein Besuch in Lettland, u.a. im Gauja Nationalpark, dann ging es weiter nach Riga, das die Besucher regelrecht begeisterte, besonders die vielen wunderschönen Jugendstilbauten.

Abb. 12: Der Rathausplatz in Riga.

 

Im Dom gab es Gelegenheit, ein Orgelkonzert mit der zweitgrößten Orgel der Welt zu genießen. Auch in Litauen gab es bewegende Eindrücke z.B. am Berg der Kreuze, einem Zeugnis für litauische Frömmigkeit und den Widerstand gegen Unterdrückung oder in Vilnius, der Stadt der vielen Kirchen. Während der Exkursion lernten die Teilnehmer nicht nur die 3 unterschiedlichen baltischen Länder mit ihrer Geschichte, Kultur und ihren Menschen kennen, sondern sie erfuhren auch Beeindruckendes über die gemeinsame politische Vergangenheit.

Abb. 13: Die Gruppe vor dem Rathaus in Kauna (Litauen).

 

Am 24. September konnten Mitglieder des GHV die von der befreundeten Historischen Narrozunft Villingen in langer und aufwendiger und mit viel Eigenarbeit umgebauten Zehntscheuer besichtigen. Der Zunftmeister Joachim Wöhrle und der Ehrenratsherr Hansjörg Fehrenbach -der Bauleiter für dieses Projekt war führten die beiden Gruppen durch das „neue“ Haus. Sie gaben den Teilnehmern viel Informationen über Planungs- und Baudetails, die Finanzierung und die Nutzung dieses in Villingen wohl einmaligen Projekts, das auch vom GHV unterstützt wurde.

Die Mitglieder des GHV waren sehr beeindruckt von dem sanierten Gebäude und der großen Leistung der Historischen Narrozunft.

Unter der bewährten Führung von Pfarrer Kurt Müller begab sich eine Gruppe auf eine Tagesfahrt

Abb. 14: Kirche St. Jakob in Pfullendorf.

 

zum Besuch dreier wunderschöner Kirchen. Bereits im Bus gab er Einführungen über Geschichte und Ausstattung der Kirchen in Meßkirch, Kloster Wald und Pfullendorf. Dabei konnte er auch zahlreiche Bezüge zu Villingen herstellen (Palmesel-Christus, Nepomuk-Figur). Die gut erhaltenen Dachziegel der renovierten Kirche in Meßkirch wurden bei der Renovierung des Abt-Gaisser-Hauses verwendet. Die Klosterkirche von Kloster Wald beeindruckte die Teilnehmer durch eine sehr schöne Innenausstattung. Die Kirche in Pfullendorf bot abschließend eine Fülle an barocken Farben, Stuckelementen, Formen und Bildern.

Abb. 15: Pfarrer Müller erläutert die Kirche im Kloster Wald.

 

Die letzte Tagesexkursion des Vereinsjahres ging unter der Leitung von Eberhard Härle nach Calw und Hirsau. Beim Besuch des Hesse-Museums erfuhren die Besucher viel über das Leben, die Werke und die weltweite Bedeutung des Literaturnobelpreisträgers Hermann Hesse. Wie wurde früher aus Fellen durch Rot-und Weißgerberei Leder hergestellt? Die Antwort erhielten die Besucher in dem durch private Initiative wieder hergestellten Gerberei-Museum. Ein Stadtrundgang durch Calw mit seinen 200 unter Denkmalschutz stehenden wunderschönen Fachwerkhäusern, durfte nicht fehlen.

Abb. 16: Marktplatz in Calw.

 

Von dem am Nachmittag besuchten Kloster Hirsau sind noch die spätgotische Marienkapelle, Reste des Kreuzgangs und der romanische Eulenturm erhalten.

Abb. 17: Kreuzgang und Marienkapelle Kloster Hirsau.

 

Im November war der GHV wieder im Franziskaner Museum zu Gast. Unter dem Thema „Bunt und prächtig. Glanzlichter in der stadtgeschichtlichen Abteilung des Museums“ führte uns Frau Dr. Anita Auer und Herr Dr. Michael Hütt kompetent und mit großem Fachwissen durch die Ausstellung.

Den Reigen der Veranstaltungen schloss – wie immer – der gut besuchte, in einem stimmungsvollen Rahmen stattfindende „Besinnliche Abend“ im Hotel Diegner, bei dem erfreulicherweise Günter Rath noch einmal die festliche Ansprache hielt.