Die Glocke von der Bickenkapelle (Kurt Müller)

    

Abb. 1: Bickenkapelle.

 

Im Jahr 1851 wurde dieses romantische Bild gemalt. Wer durch das Bickentor auf dem Weg zum Friedhof die Stadt verlassen hat, traf nach dem Gang über die Bickenbrücke auf die Bicken-kapelle. Dieses vertraute Bild fand 1945 sein Ende. An der Stelle der Bickenkapelle steht seit 1976 ein großes von Leonhard Eder aus Rheinfelden geschaffenes Steinkreuz. Der Gedenkstein davor trägt die Inschrift:

„Etwa seit dem Jahr 1400 stand hier eine Kapelle, Bickenkapelle genannt. Mehrmals zerstört wurde sie zuletzt im Jahr 1660 erbaut. Bomben legten die Kapelle am 20. Februar 1945 in Schutt und Asche. Das Nägelinkreuz – in der Kapelle hoch verehrt – ist im Münster geborgen. Gekreuzigter Herr Jesus Christus beschütze deine Stadt.“

Abb. 2: Glocke.

 

Beim Aufräumen des Schuttes hat Herr Metzger, ein leitender Mitarbeiter der Glockengießerei Grüninger, die Glocke beschädigt geborgen, wohl um sie später wieder verwenden zu können (einschmelzen). Aus seinem Nachlass kam die Glocke in den Besitz seines Sohnes, Professor Dr. Helmut Metzger. Er hat die Glocke der Münsterpfarrei übergeben mit der Bitte, sie nicht zu verstecken, sondern sichtbar zugänglich zu halten. Seit dem Frühjahr 2016 ist sie nun im hinteren Seitenschiff der Benediktinerkirche aufgestellt auf einem von Architekt Konrad Flöß entworfenen Sandstein-sockel. Eine kleine Bronzetafel enthält die Inschrift:

„Glocke vom Türmchen der Bickenkapelle 1791 von Benjamin Grüninger in Villingen gegossen. Nach dem Fliegerangriff am 20. Februar 1945 aus den Trümmern beschädigt geborgen hält sie – hier aufgestellt – die Erinnerung an die Kapelle lebendig.“

Der Geschichts – und Heimatverein hat die Finanzierung der Präsentation übernommen. Die Glocke ist nicht der einzige Rest aus der Kapelle:

Abb. 3: Bronzetafel.

 

Abb. 4: Glocke Detail.

 

Im finsteren, nördlichen Chörle des Münsters wird das Nägelinkreuz verehrt. Im Sitzungszimmer des Münsterpfarrhauses hängt eine große Holztafel mit den 14 Nothelfern. Das große Kruzifix von der Außenfassade der Kapelle hat Kunstmaler Richard Ackermann restauriert. Es schmückt nun das hohe Treppenhaus im Münsterzentrum. In der Benediktinerkirche stehen seit der Renovation und Wiedereinrichtung die Plastiken: Pieta, Zacharias und Elisabeth und der Hirtenheilige Wendelin. Zwei große Wandbilder zeigen den Marientod und den Tod des Heiligen Josef.

Somit ist die Erinnerung an die Bickenkapelle im Münster, im Pfarrhaus, im Münsterzentrum und in der Benediktinerkirche würdig dokumentiert und damit für die Zukunft gesichert.