Erinnerung an Metzgerei Konstanzer

Geschichtsträchtiges Altstadthaus in neuem Glanz

Das Bild der Villinger Altstadt verändert sich immer wieder. An der Ecke Rietstraße / Färberstraße zeigt sich ein Haus seit einigen Monaten in neuem Glanz. Das Bettengeschäft Gebers. Das Haus kann ein Stück Villinger Stadt- und Familiengeschichte erzählen. Im Südkurier hat in den Siebziger Jahren der kürzlich verstorbene Ott-Wirt Ernst Storz, unter dem Kürzel „esto“, solche Geschichten veröffentlicht. Wir blättern ein Vierteljahrhundert zurück und finden einen Beitrag über die Metzgerei Konstanzer. Hier „estos“ lokalgeschichtlicher Beitrag, der von der GHV-Redaktion des Jahresheftes ein wenig aktualisiert wurde:

Unser untenstehendes Bild, anfangs der 20er Jahre aufgenommen, zeigt die ehemalige bekannte Metzgerei Konstanzer, so wie sie die älteren Villinger sicher noch in bester Erinnerung haben. Das Haus an der Ecke Färber-/Rietstraße hatte seinen Ladeneingang in der Färberstraße, die damals noch bis zum Gasthaus „Schwert“ Eisengasse hieß. Das Haus wurde im Jahre 1848 durch Metzger Valentin Bär erbaut (Inschrift noch heute über dem Hauseingang). Im Jahre 1865 kaufte Valentin Konstanzer, der seine Metzgerei vorher im heutigen Haus „Seifen-Merz“, Ecke Obere Straße – Hafnergasse, betrieben hatte, das Bär’sche Anwesen. Der Sohn Albert Konstanzer übernimmt im Jahre 1888 die Metzgerei und übergibt sie im Jahre 1921 an seinen Schwiegersohn Karl Ermler, der sie zu einem anerkannten Musterbetrieb ausbaute. Auf dem Bild erkennt man Albert Konstanzer mit seiner Frau Bernhardine und ihren Töchtern. Durch Kauf des in der Rietstraße rechts davon gelegenen Hauses Winzler-Föhl, konnte man einen gut gelungenen Umbau der Metzgerei vornehmen und für diese Zeit den Verkauf in dieses Gebäude verlegen. Der Ladeneingang wurde in die Rietstraße verlegt, der Laden vergrößert und die Schlacht- und Kühl- räume auf den modernsten Stand gebracht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Am 15. Januar 1960 endete die Ära Metzgerei Ermler. Das Haus wurde zur Tengelmann-Filiale umgebaut und am 28. Juli eröffnet. Im Jahre 1966 erfolgte ein nochmaliger Umbau bis zur Webergasse und Vergrößerung der Einkaufsstätte zur heutigen Form. Das Geschäft Tengelmann, das die Bewohner der Innenstadt wegen seiner Nähe zum Zentrum und seines reichhaltigen Warenangebotes sehr zu schätzen wussten, wurde 1966 zur Webergasse hin nochmals umgebaut und vergrößert. Es schloss, sehr zum Leidwesen der Bewohner der Innenstadt, Ende 1991 seine Pforten. Damit war wieder eine Einkaufsmöglichkeit für Lebensmittel aus den Mauern der Altstadt verschwunden. Mit der Firma Gebers, die ihre Zentrale in Celle hat, zog hier ein Bettenhaus in das wiederum umgestaltete Gebäude ein, das sich inzwischen aus mehreren Häusern an Riet- und Färberstraße zusammensetzt. Im Herbst 2002, als nebenan in der Rietstraße die schwedi­ sche Textilkette Hennesund Mauritz „H & M“eine Filiale eröffuete, ließ die Firma Gebers, die das Anwesen 1992 gekauft hat, die Fassade erneuern.