Dauer im Wandel – St. Georgen als protestantisches Kloster Karl Volk)

Württembergische Klosterordnung – Einführung zur neuen Klosterordnung in St. Georgen

Das Benediktinerkloster St. Georgen im Schwarzwald ist nicht nach der Auswanderung von Abt und Mönchen im Gefolge der Reformation untergegangen. Vielmehr wichen die Mönche, die der römischen Kirche die Treue hielten, ins vorderösterreichische Villingen aus, wo sie schließlich Fuß fassten und für rund 250 Jahre unter dem alten Namen ihres Klosters unter bedeutenden Äbten die Geschichte der Stadt mit gestalteten. Erinnert sei an die beiden Äbte Michael Gaisser (1595 – 1606) und Georg Gaisser (1627 – 1655), die in der politischen Geschichte der Stadt eine Rolle spielten, und an den Beitrag des Benediktinerklosters seit 1536/37 zum Stadtbild. Gotik und Renaissance prägten das Klostergebäude. Erhalten ist die ehemalige Prunktüre des Konventsaals (heute im Rathaus) und der Wappenstein des Abts Michael Gaisser (im Franziskanermuseum).

Das Kloster am alten Ort wurde, wie manche seinesgleichen, protestantisch, das Werk des Landesherrn, des Herzogs von Württemberg, selber unterdessen Protestant. Als Gründungsurkunde oder Grundgesetz des protestantisch gewordenen Klosters St. Georgen kann die „Württembergische Klosterordnung“ des Herzogs Christoph von Württemberg vom 9. Januar 1556 gelten. Eine Ausfertigung dieser fand sich, bemerkenswert genug, in den Akten des katholischen Klosters St. Georgen, heute im Generallandesarchiv Karlsruhe. Dass der Adressat auch dieses Schreibens Abt Johannes V. Kern des Klosters St. Georgen war, zeigt nichts anderes, als dass sich der Herzog auch des Klosters in Villingen bemächtigen wollte. Das Dokument, eine Papierhandschrift im Umfang von sieben Blatt, zweifellos zeitgenössisch und im keineswegs auf Anhieb verständlichen Deutsch jener Epoche abgefasst, geben wir nachfolgend im Wortlaut wieder. Vorausgeschickt werden einige Anmerkungen, Einleitung und Kommentar zugleich.

Zunächst eine grundsätzliche Feststellung: Die Klöster wurden von ihrem Ursprung her als Schulen verstanden, was sie nicht waren. Ein schöpferisches Missverständnis, denn jetzt wurden sie Schulen. Der Hinweis im ersten Teil des herzoglichen Schreibens beabsichtigt nichts anderes als die Kontinuität wieder herzustellen – Re-Formation – nach der sich sogar Einzelheiten wie die tägliche Einhaltung genauer Gebets- und Studienzeiten zu richten hatten. Dem Landesherrn lag die Verantwortung für das kirchliche Leben, letztlich das Seelenheil seiner Untertanen am Herzen. Die Berechtigung, mit seiner ganzen Autorität in das Klosterwesen einzugreifen, litt für ihn keinen Zweifel. Der Weg bis zur Trennung von Kirche und Staat war noch weit. Der Herzog ließ keinen Zweifel aufkommen, dass er als von Gott bestimmter Fürst (den Ausdruck von Gottes Gnaden vermeidet er) sich verpflichtet fühle, durch eine „einhellige christliche Lehre“ für Frieden, Ruhe und Ordnung zu sorgen. Dabei berief er sich auf das Reichsgesetz, das „Augsburger Interim“ von 1555, verband aber damit den Vorwurf der Verzögerung und Verweigerung an das Konzil von Trient, „unsere Theologen“ nicht angehört zu haben, was nur teilweise richtig ist, denn eine offizielle Delegation der deutschen Protestanten erschien trotz sehnlichster Erwartung der Konzilsväter in Trient nicht. Als christlicher Fürst habe er dem Treiben in den Klöstern nicht mehr länger zusehen können. Ob alle seine Feststellungen auch St. Georgen betrafen, ist nicht gesagt, wenn ja, so war eine Reform auch in diesem Kloster überfällig, mindestens was die Disziplin der Alumnen und Novizen anging. Die Vorwürfe gipfeln in der Behauptung der „lästerlichen Verachtung, Verhöhnung und Verspottung Gottes Worts durch die Mönche und seines heiligen Evangeliums“. Die Missstände wurden so deutlich, wenn nicht gar übertrieben herausgestellt, damit die Reaktion des Fürsten umso berechtigter erschien. Für die Dauer des „Interims“ („bis die streitige Religion zu endlicher Christenlicher Vergleichung bracht mög werden“) soll die Anordnung gelten. Dafür sicherte er den Klöstern, ihren Prälaten (jetzt nicht mehr Äbte genannt) und ihren Nachkommen seinen Schutz und Beistand zu. Als Vorbilder stellte er den Basilianer- und den Augustinerorden vor. Ganz im Sinne des Reformators rückte er Lektüre und Studium beider Testamente der Bibel in den Vordergrund, alles andere, Dialectica (=Philosophie) und Rhetorica (=Predigt) ist diesem zu- um nicht zu sagen untergeordnet. Cicero und Vergil erhalten dienende Funktionen. Die Naturwissenschaften, die zu den sieben „Artes liberales“ gehörten, wurden überhaupt nicht in den Blick genommen.

Gerade dieser Rückgriff Herzog Christophs und seiner Berater auf das klassische Altertum ist von höchster Bedeutung und muss im großen geistesgeschichtlichen Zusammenhang gesehen werden. Denn hier wirkt offenbar der Humanismus bis in die Klosterschulen hinein. Unentbehrlich wurden für die Exegese der Bibel die alten Sprachen. Für Erasmus wurde die Religion als „docta et eloquens pietas“ (gelehrte und beredte Frömmigkeit) vollendet. Noch weiter ging Melanchthon, Luthers Berater: „Welche Glückseligkeit, mit dem Sohne Gottes, den Evangelisten und Aposteln, … ohne Dolmetsch sich unterreden zu können“. (Horst Rüdiger, Wesen und Wandlung der Humanismus, Hamburg 1937, S. 100). Diese Klosterordnung bringt zum Ausdruck, welche Schrittmacherdienste der Humanismus der Reformation geleistet hat. Die Missachtung der alten Sprachen wäre nicht nur als ein schlimmer Rückfall in die Barbarei empfunden worden (ebd. S. 101). Sie hätte auch den Zugang zum Evangelium versperrt. Damit einher ging eine tiefe Verachtung der Scholastik und ihres Lateins, das mittlerweile seine Rehabilitierung durch die philologische Wissenschaft erfahren hat.

Um nun ins Einzelne zu gehen:

Die Unterweisung nach der Schrift war in jedem Kloster einem oder zwei „Praezeptoren“ übertragen, „ehrlichen, gelehrten, gottesfürchtigen Männern“, die selbst geschult und geprüft, Gott und dem Landesherrn verantwortlich waren.

Der Tagesablauf wurde minutiös vorgeschrieben, auch dies eine Reaktion auf den angeblichen Schlendrian im Kloster der Papstkirche. Der Tag begann im Sommer um vier, im Winter um fünf Uhr. Auf die Stunde genau waren Gottesdienste, Schriftlesung, Psalmengesang, Studium des Alten Testaments, Verpflichtung der Konventualen und Studierenden zum Vortrag der Bibeltexte, Auswahl der Perikopen, die Stelle für Antiphon und Oration festgesetzt. Selbst die hebräische Sprache sollte gelehrt werden.

Am Mittag sollten zwei oder drei Psalmen gesungen werden. Am früheren Nachmittag war Zeit für Cicero und Vergil, am späteren Nachmittag für Psalmen und Antiphone. Dann folgt, man höre und staune, protestantisches, frühprotestantisches Marienlob, nämlich die Rezitation des „Magnificat“ aus dem Lukas-Evangelium. Den Abschluss bildete Bibelexegese nach Ermessen des Präceptors. An Vigil, also an Vorabenden so hoher Feste wie Weihnachten, Ostern, Christi Himmelfahrt und Pfingsten waren, um wenigstens das hervorzuheben, entsprechende Texte aus dem Neuen Testament zu lesen. Genaue Vorschriften machte Christoph für den Sonntagsgottesdienst, „Christenliche Mess“ genannt. Dieser Ausdruck lässt aufhorchen. Denn schon er allein bezeugt, dass Reformation nicht nur Abbruch sondern auch Fortsetzung war, bei aller spürbaren Akzentuierung des Unterschieds zwischen „christlich“ und, wie der Herzog wohl gedacht hat, „papistisch“. Die Vorschriften im Einzelnen liest man am besten selber nach. Auffällig ist jedenfalls für den Leser von heute die strenge Disziplinierung: Die Studiosi standen den ganzen Tag unter Aufsicht. Um unnützes Geschwätz, wie es heißt, beim Mittagessen zu verhindern, wurde die Tischlektüre eingeführt, die ein Junger für je eine Woche zu übernehmen hatte.

Bemerkenswert schließlich die Formalitäten bei der Aufnahme von Zöglingen in diese Anstalt, die mehr Schule als Kloster war: Ausdrücklich ist von Jungen aus nichtwürttembergischen Gebieten die Rede, das heißt, St. Georgen stand nicht allein Landeskindern offen. Diese Aspiranten von auswärts hatten bestimmte Voraussetzungen zu erfüllen, wozu ehrbare, christliche Herkunft, ein gewisses Alter, Begabung, gute Zeugnisse, einwandfreier Lebenswandel, einige schulische Kenntnisse, das Einverständnis ihrer Eltern gehörten. War das alles gegeben, so hatten die Aufzunehmenden einen Eid zu schwören, sich widerstandslos in das klösterlich-schulische Leben zu fügen. Dann stand ihnen erst noch eine Probezeit von drei Jahren bevor. Endlich hatten die Kirchenräte in Stuttgart auf Vorschlag des Prälaten zu entscheiden, ob sie zum Studium natürlich in Tübingen zugelassen wurden oder ein Handwerk erlernen sollten. In der Schlussformel betont Herzog Christoph den vorläufigen Charakter dieser Kloster- oder Schulordnung. Dauern sollte sie bis zur endgültigen Glaubenseinigung. Man sieht einmal mehr: die Glaubensspaltung wurde von Herzog Christoph und seinen Zeitgenossen noch keineswegs als endgültig empfunden. Erst wir Spätgeborenen wissen es anders.

Würtembergische Klosterordnung wie sie abbten Johann v. St: G: zugesendet worden ddo: 9. Jan: 1556.

Von Gottes Gnaden Christof Herzog zu Würtemberg unnd zu Tegckh, Grave zu Mumppelgart. p.

Wir stellenn jn keinen zweivel, dann das Ir, alls unnsers Fürstenthumbs zugethane, jncorporierte, unnd einnverleibte Prelaten unnd glider: auch unn-derteniglichen woll zu berichten, unnd zu erinnern werdenn wissen, das nachdem wir, durch schickung unnd gnedigen willen des allmechtigen, jn die regie-rung unnsers vätterlichen anererbten Fürstenthumbs gedretten unnd wie billich, höhers nichts bevolhenn, noch angelegen sein lassen sollen, dann das neben der zeitlichen regierung unsere Underthanen, unnd schirms Verwanndten, samentlich, nit allein jnn zeitlichem friden, rue, unnd ainigkeit, sonnder auch, jnn rechtem waarem Gottes diennst, erbauwen, unnd erhalten, unnd die Eer Gottes jnn unnserm ganzen Fürstenthumb, mit ainhelliger Christenlicher Leer gepflanzt, unnd angericht werde. Daher wir dann usser Christenlichem eüfer, unnd unserm vonn Gott befolhnen Ambt nach, bewegt, unnd verursacht wor-denn, unnser Bekenntnus unnd Confession der waren Prophetischenn, Evangelischen, unnd Apostolischen Leer, auch allso der Christenlichen Augspurgischen Confession gleichformig zusamen zu ziehen, dieselbige vermeg Kayl: Mt: unnsers allergnedigsten Hern Bevelch, Will, unnd meinung, auch des Reich abschids dem Trientischen Concilio jnn Anno (15)52 offennt-lich zu überraichen, auch darbey anbieten, bitten, unnd begern zu lassen, da die Versamlung gemeines Concilü darin befinden, oder abnemmen möchten, das der waren, reinen, unverfelschten, unnd offenbaren Leer, des Evangelü zuwider, unns solches zu berichten, da auch inn gemelter überraichter Confes-sion, was weiter mit auffürrung der Hailigen schrift, darzuthun, zu ercklerenn, oder auszulegenn von nöten geacht wölte werdenn, da werenn wir urbit-tig, unsere Theologos abermals, jnnhalt des Reichs abschids dahin abzufertigen, mit Befelch, bei allen unnd Jedenn articuln gebürlichenn bericht zu geben, unnd hinwider zu nemmen, wie wir dann Sollichs mit dem werck, unnd schickung unserer Theologen, auch volnzogen, unnd umb gemelte Handlung, bey dem Concilio, bests Vleiß annsuchen, unnd bitten lassen, Jnnmaßen solche unnd alle erganngne Hannlung in Truck ofentlich ausganngen, unnd Reichskündig seyen.

Nachdem aber ungeachtet das inn gemeiner Ver-samlung des Concilü, merermelte Confession, mit unnsern aigen Handen underschriben, auch Jnnsigell bewart, offenntlich von unsern politischen Räthen, überanntwurt, die Patres solche auch angenommen, unnd die mit Hailiger Götlicher schrift zu verthei-dingen, vonn uns angebotten worden, unnd gemelte Versamlung solche Confession etlich monat, bey Jren Hannden gehabt, auch die Verordnung mit nach-schickung, der Theologorum, desgleichen von Jnen gepflognem annsuchen ermelter maßen geschehen, aber dannocht zu einicher Tractation, Disputation oder Hanndlung niemals gegriffen wellen werden, unnd allso die sachen von dem Concilio aufgehalten wordenn, bis letstlich auch ungehörter unserer Theo-logorum, das Concilium sein endtschaft genommen.

Da haben wir alls ain Christlicher Fürst, lenger der sachen nit umbgeen, oder mit gutem gewissen ufhaltenn kunden, sonnder dieweil wir us Gottes wort, unnd der Prophetischen Evangelischen unnd Apostolischenn Leer, unnd geschrift, vergwiß, unnd sicher, dises die ainig, rain, wahr, unnd unwidersprechennlich warheit gottes, und seines worts sein, verursacht worden, dieselbig Zugleich, wie bey denn anndern unsern Unnderthanen, auch bey unnsers Fürstenthumbs Zugethanen, unnd einverleibten Pre-laten unnd Clöstern gottseeliglich annZurichten, Zu pflannZen, unnd ausZubreitten, unnd allso gemelte Confession anno .p. 52 denn ailften July, allenn unn-sers Fürstenthumbs Verwanndte unnd Zugethane Pre-latenn, mit disem gnedigem begern unnd ersuchenn Zukommen lassen, dieweil wir glaublich bericht, das gemelte unsere Prelaten die Jungen, so sie alberait inn die Clöster eingenommen, mit glübdten, unnd Cere-monien wider unser Confession beschwerten, das sie Prelaten solches alles künftiglich abstellen, unnd die Personen frey steen lassen wölten,

Dieweil wir aber außer Gottes wort, und seinem Hailigenn Evangelio sovil bericht werdenn, das wir unnserm vonn Gott bevolhnem Ambt, unnd ernstlichen uferlegten Bevelch unnd gebott nach, allen unn-sern Underthanen unnd Zugethanen, sovil müglich, unnd mit Verleihung des allmechtigenn geschehenn kann, nit allein mit schuZ, schirm, erhaltung rech-tenns, unnd gerechtigkeit, frid, unnd ainigkeit, in Zeitlicher regierung vorsteen, sonnder auch unnserm Höchsten Vermögen nach, die ehr Gottes, unnd ware erkanntnus seines göttlichenn namens, Zu befürdern unnd Zu pflannZen, auch einhellige Christennliche ordnung anZurichten, unnd Zu erhalten, schuldig erkennen, unnd wir allso gestalter Leer unser dem Concilio Zu Trient übergebne Confession Zuwider, mit Gott, unnd guttem gewissen, bey unnsern, unnd von seiner allmechtigkeit bevolhnen Unnderthanen, nit lenger ZuZestehen, noch Zu gedulden wissen, unnd dann auf jüngst Zu Augspurg gehaltnem Reichstag vonn der Röm: Kay: unnd Kön: Mt: p. baidenn unsern allergnedigstenn Herrn, auch allenn Stenden des Reichs, verabschidet, unnd denn Stenden frey heimgestelt, unnd Zugelassen wordenn, das sie inn Jren gebieten, Lannden unnd Fürstenthumben, die Kirchen der Augspurgischen Confession gemeß, baide mit der Leer unnd Ceremonien anrichten unnd bestellen mögen, unnd wir von onnöten haltenn, nach notturft unnd der Lenng, alhie ausZufüern, aus was Christenlichen löblichen Ursachenn, anfenglich die Clöster angericht, gestift, unnd vonn Tag Zu Tag inn Aufgang bracht wordenn, hinwider auch inn was mißbreüch unnd onordnung sie gerathen, das alles werdenn Ir Zuversichtlich, oußer der Hailigen Vetter hinderlassnen schriften, auch Jrem herZlichenn Beclagenn, unnd dann auch denn ersten Fundationen selbst besser euch Zu berichten unnd Zu erinnern wissen, dann von nöten mit langer Auffürrung dar-Zethun, wie unordennlich, auch hin unnd wider der Jungen Conventualen, so Jr albereit eingenommen habenn, leben, Studia, thun unnd lassen, in den Clöstern anngesteldt, unnd wie gannZ treg unnüZ-lich, unnd one Frucht, sie nit allein die Zeit, sonnder auch allen uf sie gewendten Costen, verZeren, unnd annlegen, auch etwan Jren Hern unnd Prelaten mit Verachtung, spot unnd ongehorsam, sich widerseZenn, unnd Jres gefallens inn unnd außer denn Clöstern hin und wider Ziehenn, etwann auch Jre Prelaten deshal-ben gar nit begrießen, das haben wir bis hieher inn gutte unnd gewisse erfarung gebracht,

Was ergernus, anstoß, Beschwernus, unnd Verachtung göttlichs worts, auch darus bis hieher bey denn Unnderthanen in vill weeg ervolgt, unnd sich teglichs weiter Zu tragenn, auch je lennger je beschwerlicher eraigen mögen, da etwann von wegenn Ungleicheit der Religion von jrrigen, Zenckischen, unnd unrüewi-gen Leüten allerhannd Zennck, Unainigkeit, Bewegung, unnd dann letstlich lesterliche Verachtunng, Verhönung, unnd Verspottung gottes worts, unnd seines Heiligen Evangelü erweckt, unnd anngericht werden mag, des alles hat bisher die teglich erfarung vilfeltig mitbracht unnd bewisen.

Dem allem nach, so habenn auser erZelten, unnd sondern mehr unns darZu Christenlichen billichen bewegennden Ursachenn, wie alls ewer von gott fürgestelter Landtsfürst, schutZ unnd schirm Herr, notwendige bedencken gehabt, wie dieses alles mit gnadenn unnd Hilf des allmechtigen abgewendt unnd sein Heyliger Nam unnd ehr ausgebreitet, unnd ange-richt möchte werdenn.

Unnd derhalben ein begrif einer Christenlichen ordnung, wie es inn Clöstern unnsers Fürstenthumbs künftig, bis Zu enndtlicher Christenlicher Verglei-chung der Religion gehalten, unnd gottseeliglich mit Leesen, Predigen, studieren, Zucht unnd erbarkeit alles götlich apostolischer schrift gemeß, gehalten solle werdenn, begreifen lassen, unnd ist daruf unnser gnedigs Begern, das Jr demselben gehorsamlich geleben, unnd nachkommen wöllen, unnd was solcher ordnung zuwider bisher fürgenommen, sollichs alles abschaffen, dann wie gehört, wir mit guttem gewis-senn, zuwider unser ausgeganngnen Confession, unnd Kirchenordnung inn unnserm Fürstenthumb spal-tung der Religion, nicht lennger kunden gedulden, unnd deshalb jre unnsre Prelaten euch angeregter ordnung, mit gesanngen, Leesen, Predigen, auch Administration der Sacramenten, unnd allem ann-derm, gehorsamlich, so lang gemeß erzaigen, beweisen unnd halten, bis die strittige Religion zu enndtlicher Christenlich Vergleichung pracht mög werden.

Welches alles Jr doch nit dahin vonn unns vermer-cken, oder annemen sollen, das wir dardurch disen Landtsstannd unsers Fürstenthumbs abthun, oder euch, unnd euwere Nachkommen, inn annder weeg, an Jren Prelaturn derselbigen fölligen Administration Verwaltung unnd gefell verhindern, sonnder wir, unnd unnsere erben, inn allweeg, disen Landtsstannd pleiben lassen, unnd euch, auch euwere Nachkommen dabey gnediglich schüzen, schirmen, unnd hanndtha-ben, unnd unns dessen hiemit gegen euch gnediglich unnd enndtlich erclert haben, unnd allso euwer gnediger Lanndtsfürst, schuz, unnd schirmher sein, unnd pleibenn wellenn.

Ordnung der Gottsdienst und Lectionen in den Clöstern der Prelatenn.

So man denn annfang unnd Ursprung des Closters Lebens recht nachgedencken will, befundt sich, das etliche daselb erholen, von der Apostel-Handlung, da nach dem Pfingsttag die gläubige sich beiainannder sampt denn Aposteln versamelten, verkauften Jr Hab unnd güetter, unnd gaben das gellt des verkauften gutts, in gemein, das hievon ainem jeglichen nach seiner notturft ausgetheilt wurd, Etliche erholen es noch ferner von dem Propheten Samuel, Elia, unnd Elizeo, welche bey jnen sonnderliche Versamlung, so man Filios Prophetarum genannt. Unnd mit jnen feine nüzliche Jebung inn der Hailigen schrift unnd göttlichem Wort, gehalten haben.

Wie wol es unlaugbar ist, das inn das Closter Lebenn, wie es etlich Hundert Jar vor diser zeit gehal-ten, allerley beschwerliche mißbreuch, und schedliche ergernus einganngen, unnd hab gleich ain annfanng woher es will, so ist es doch aus vilen gutten argumenten und Kundtschaften ofennbar: das die Versamlung der Closter leut, fürnemlich dahin gemeint, das darin das Studium der Heiligen götlichen schrift geüebt, der recht gottsdienst gelert, unnd gelernet würde, damit die Closter Personen nicht allein zu jrem aigen besonndern Hail, sonder auch zu dem dienst, unnd ämptern, der gemeinen Christenlichen Kirchen aufer-zogen werden möchten.

Es erhaist auch die Billichait, nachdem der Clöster güetter unnd einkommen, am allermaisten vonn der Pfarrkirchenn güetter, so bis anher die Clöster jncor-poriert, versamlet wordenn sein, das vonn denselben feine, erbere, unnd gelerte Lewt, so der Kirchen nit allein mit betten /: das allen Christen gemein ist:/ sonnder auch mit Leeren, und Predigen dienen könn-ten, uferzogen würden,

So seind die Clöster bis annher Gottes Häuser genannt worden, nicht diser Ursach halb /: so man recht unnd gründtlich davon reden will:/ alls solten die Pfarrkirchen, darin ein Christennliche gemein zur Predig gottes worts, zu empfahung der Hailigen Sacramenten, unnd zum gebett versamlet, oder sonst andere Heüser, darinn ain Christennlich Hausge-sind wonet, nicht auch gottes Häuser sein, sonnder von wegen diser Ursach, das die Leer der Hailigen göttlichenn schrift, darus wir des rechtenn waaren gottesdiensts bericht empfahen, Jnn denn Clöstern mit allem Vleiß fürnemlich erkenndt, geüebt, unnd getrieben werden soll, wie die Monasteria Basilij unnd Augustini, darin vill treffliche gelerte Bischöf: unnd Kirchendiener erzogen, bezeugen.

Es ist auch aus denn allten Canonibus zu verne-men, das die Horae Canonicae, nachdem sie allso ausgetheilt, dass inn ainem Jar die ganz Heilig schrift, baide allts unnd neuws Testaments inn der Kirchenn ausgelesenn werden sollen, allermeist dahin bedacht, verordnet, unnd gebraucht wordenn seind, das in dem Studio der Hailigenn schrift ein ordnung gehalten werd

Dann das jez bemelt Studium ist under allen ann-dern Studiis, das fürnembst, unnd nöttigst mittel, dardurch alle rechtgeschaffne unnd gottgefellige gotts-dienst, alls nemlich, Gott erkhennen, Gott glauben unnd vertrauwen, auf Gott hofen, Gott inn allem anrüefen, Gottes namen ehrn unnd preusen, mit gedult unnd gehorsam allenn unfaal aufnemmen, unnd Gottes Hilf erwarten, dem nechsten alle gepürliche dienst, aus rechter Christenlicher Lieb beweisen p. aus gnadenn des Heiligen geists gemeinlich unnd sonderlich angericht, gefürdert, unnd erhaltenn werden, darumb erfordert die notth, so man rechte gottsdienst stiften unnd ordnen will, das der Heiligen schrift Studium gestift, unnd geordnet werd.

Hierauf nachdem das Closter leben ursprinnglich Zu der Leer unnd Jebunng, auch Zur auspreitung des rechtenn gottesdiensts, bedacht, unnd gemeint, unnd aber hierZu das Studium der Hailigenn schrift, wie jeZt vermeldet, nottürftig, so sollenn die Kirchen Jebungen inn denn

Clöstern, nit dahin, alls were gott mit dem werck der Jebung, an Jm selbst beZallt, sonnder fürnemlich uf das Studium der Hailigen schrift, gerichtet sein.

Von dem Abbt.

Das Exemplum Samuelis, unnd EliZei, die Scripta Basilü, Augustini, unnd Bernhardi Zeugen an, das die Äbbt /: Hoc est:/ Patres Seniores Praelati vel Prae-positi habenn Jre Conventus oder Versamlung selbst geleret, unnd Jnen die Hailig schrift erclert, unnd ausgelegt.

Dieweil aber Zu diser Zeit die Äbbt unnd andere Prelatenn, villmehr Zur weltlichen Administration der Clöster güetter, unnd Zur Haushaltung, dann Zur Profession der Hailigen schrift, erwölt unnd verordnet werden, wellen wir unns gnediglich versehen, sie werdenn sich baid inn gaistlichen unnd weltlichen sachenn, gegen unns, auch gegen der rechten waren Christenlichen Kirchen, unnd unser gemeinen Lanndtschaft, so gehorsamlich guttwillig unnd gepür-lich halten, das sie vor dem Richterstull Christi, auch vor unns alls Jrem Lanndtsfürsten sollichs verant-wurten mögen, unnd bey meniglich unclagbar unnd unergerlich erfunden werdenn.

Damit nun das nöttig stückh, vonn welches wegen die Kloster Lewt bey ainannder Zu wonen, fürnem-lich verordnet, nicht underpleib, oder versaumbt werd, so sollen inn ainem jeglichen Closter ain Preceptor, oder nach gelegennheit des orts unnd Personen, Zwen Preceptores aus denn Conventualen, so dieselben hierZu taugennlich, oder anndere ehrliche, gelerte, unnd gottsferchtige Menner, so auch vorhin von unnsern hierZu verordneten, in den fürnembsten Locis et Capitibus piae et Christianae Doctrinae examiniert, unnd verhört, mit gebürlicher gnugsamer Unnderhaltung verordnet werdenn, welcher ainer unnd der fürnembst, denn Closter lewten die Büecher der Bibell, Zu seiner Zeit, unnd wie nachvolgende ordnung ausweist, Christenlich jnterpretiere unnd erclere, der ander aber darneben, die Jungen in der Dialectica unnd Rhetorica unnderweise, damit sie die Hailige schrift ordennlich unnd nüZlich Zu lernnen, unnd Zum leeren auch hiemit Zu denn pfarr, unnd Predig Ämptern, Zuberait, werden möge. Wo aber nur ain Preceptor erhalten, sollen demselbigen baide Lectiones in Sacris Literis, et bonis artibus auferlegt werdenn,

Von dem Gottsdienst unnd Lectionen.

Der Gottsdienst inn denn Clöstern, soll nicht dahin, wie oben vermeldet, vermeint unnd gericht sein, alls were gott, unnd der Kirchen genug geschehenn, so inn denn Clöstern die gesanng unnd gebett, ordennlich verricht würdenn, sonnder das alle Hanndlung Zur Leer der Hailigen göttlichenn schrift, unnd daraus, Zu rechter gottsforcht, Christenlichen Tugenden, unnd Zucht verordnet, unnd geZogen werden sollen, hieruf soll volgennde ordnung in den Kirchen diens-ten unnd Lectionen gehalten werden.

Nachdem das Psalterium Davids ain kurZe Summa unnd innhalt der gannZen Hailigen schrift ist, so soll daselb Psalterium, neben den anndern Büechern der Hailigen schrift, von den Kloster Leüten, nicht schlecht, unnd allein etlich Tag im Jar, sonnder teglich mit allem Vleiß geüebt, unnd nach der altenn breüchlichen lateinischen Translation gelesen oder gesungen werden, namlich.

Ann ainem jeglichen werckhtag alle morgen Zu Summer Zeit umb vier, Zu winter Zeit umb fünf Uren, oder wie sich eins jedenn Closters gelegennheit nach, der Prelat, sampt unnsern Zugeordneten, vergleichen werden, soll man inn dem Chor drew Psal-mos mit denn gewonlichen Christenlichen Antifenen de Tempore, vonn anfang des Psalters, nach seiner ordnung hingen, unnd daruf ain ganZ Kapitel, aus dem alten Testament auch von annfang der Bibell, nach seiner ordnung verlesen, unnd daselb, mit dem Cantico Zacharie, auch gewonnlichen christenlichen Antifenen de Tempore beschließen.

Es soll aber im Leesen des Capittels aus der Bibell die ordnung gehalten werden, das ein jeglicher Con-ventual, oder Studiosus einer nach dem anndern, ain gannz Capittel laut, lanngsam, unnd verstendtlich lese, das der Lector hiemit vor der gemein, ordenlich ze reden gewenet, unnd die anndern us dem Zuhören ain nuz empfahen mögen.

Umb fünf Uhr im Summer, unnd umb sechse im winter soll der Preceptor Theologie, auf drew Viertel Stund, ain Buch aus der Bibell, allts oder neuws Testaments, wie es jederzeit, mit Rath der Prelatenn, unnd der Verordneten, zu nuz der Conventualen, unnd Studiosorum bedacht werden mag, jnterpre-tieren, aber die leste Viertel Stund erklere er ain Stück des Evangeliumbs, so auf denn nechsten Feirtag oder Sonntag gefellig, unnd allso teglich ain Stück nach dem anndernn, bis daselb Evangelium vollendet werde, damit die Jugenndt, so zu denn Kirchenn Ämptern gezogen werdenn soll, darann sich jebenn lerne.

Um sibenn Uhrn im Summer, unnd umb acht Uhrn im winter, sollen inn dem Chor drew Psalmen, oder so ain Psalm lanng were, nur ainer oder zwen, so gleich auf die vorgemelte volgenn, mit jren gewonlichen antifener gesungen, unnd daruf ain ganz Capittel aus dem alten Testament, so auch gleich auf das vorig volgt, gelesen, unnd mit dem Symbolo Atha-nasij Quicunque vult salvus esse, auch gewonlichen Antifenen, unnd Orationen, beschlossen werden.

Nach Mittag

Um zwölf Uhr nach mittag, sollenn in dem Chor abermals zwen oder drew Psalmen, nachdem sie lanng oder kurz sein, die nechsten uf die vorige Psalmen, gesungen, unnd ain gannz Capittull aus dem neüwen Testament, an dem Evangelisten Matheo anzufahen, gelesen, unnd mit einer Antifenen unnd Oration beschlossen werden.

Umb ain uhr nach mittag soll der Preceptor bona-rum artium dialecticam, auf ain halbe Stund, unnd gleich daruf, die volgennde halbe stund, offitia Cice-ronis, oder ain annder Buch, das nebenn der lateinischen sprach, auch ad instituendos bonos mores diennstlich, lesen, unnd auslegenn.

Umb drew Uhr, soll der Preceptor bonarum artium, die praecepta Rhetorices, auf ain halbe Stund, unnd darbey die anndere halb Stund Vergilium, oder ain anndern lateinischen Poeten, vonn wegen der lateinischen sprach so nit obscena schreibe, jnterpretieren, und darin usum Dialectices et Rhetorices anzeigen,

Um vier Uhr, soll man inn dem Chor ain, oder zwen, die nechste volgende Psalmen, mit ainer anti-fenen, unnd daruf das mit dem Cantico Mariae Magnificat, unnd gewonlichen antifenen, unnd ora-tion beschließen, unnd nachdem sich dises gesang ungevarlich auf ain halb stund laufen würdt, soll der Preceptor Theologie, die annder halb stund ain Buch, aus der Bibell wie es durch denn Prelaten, unnd unsere Verordneten, bestimbt, jnterpretieren.

Nach dem Nachtessenn, soll alspald ain Psalm oder zwen, sampt dem Cantico Simeonis Nunc dimittis, unnd einer Precation de Tempore gesungen werden.

Am Feürabendt, unnd am Sambstag, soll die Lectio Rhetorices umb drew Uhr eingestellt, unnd darfür Loci Communes Theologici gelesenn werden,

Am abenndt Natalis Christi, Pasche asensionis Christi, unnd Penthecostes, soll umb vier Uhr für das ordennlich Capitell die Historia des künftigen Fests gelesenn werden.

Uf die Sonntag: soll allwegen ein Christenlich Mess, das ist ain Kommunion des Nachtmals unnsers lieben Hernn Christi diser gestalt gehaltenn werden, das die Personen der Closter Leüt, baid Studiosi unnd Conventualen, inn zwey oder drew Theil ausgetheylt werden, unnd je ain Theil, auf ain Sonntag, mit dem ministranten kommuniciren, unnd so neben jnen an Layen Personen vorhanden, unnd die Communion begerten, sollenn sie auch zugelassen werden.

Es sollenn aber die Suntag volgennder weis gehal-tenn werden: Morgenns früe sollen die Psalmen unnd Antifenen, Lectiones, Capitula, unnd Benedictus, allerdings, wie am wercktag jren fürganng haben, daruf soll ain Junger, under den Novitien unnd Studiosis, die Predig des Evangeliums de Tempore teütsch, wie dasselb vom Preceptor inn der wochenn erclert, an ainem sonndern ort des Closters, nicht in Beisein der Layen, sonnder allein der anndern Novi-tien unnd Conventualen gehört werden.

Nach sibenn Uhrn soll mann die Mess oder Com-munion zu halten fürnemen, unnd am erstenn das Jntroit, unnd andere gewonliche gesang, de Tempore singen, bis uf das Patrem jnclusive, darnach soll ein Conventual, das Evangelium de Tempore ofentlich vor denn ehalten (Gesinde, Bediensteten) unnd was dem Closter zugehörig, predigen unnd auslegenn, daruf volget die Communion, die soll nach der gemei-nen unser publicierten Kirchen ordnung verrichtet werden, unnd wie woll das annder alles lateinisch gehalten, jedoch soll nach dem Patrem, unnd nach der Predig die Communio, laut unnser gemeinen Kirchen ordnung, mit Verkündigung unnd Verlesung der einsezung des Nachtmals, vonn unnserm Herrnn Jhesu Christo, auch mit dem gesanng inn teutscher sprach verricht werdenn.

Aber ann einem anndern Feirtag, sollen die lateinischen gesanng mit dem Jntroit bis auf das Patrem gleichergestalt, wie am Sonntag, unnd daruf die teutsch Predig volgenn, unnd nach der Predig, ein teutscher Psalm, mit der gemainen Kirchen gesungen werden.

Umb zwölf Uhr nach mittag am Sonntag unnd anndern Feürtagen soll es inn der Kirchen verrichtet werdenn, wie oben am wercktag verzeichnet ist.

Umb ain Uhr, soll der Preceptor Theologie ain gannzen oder halbenn Psalmen, nachdem er lanng oder kurz, jnterpretieren.

Umb vier uhr unnd nach dem nachtessen, soll es gehalten werdenn, wie am wercktag.

Uf denn Palmtag, soll die Hystoria Christi: Passions dem gemeinen Closter Volck fürgelesenn, unnd hernach, uf den grienen Donnerstag unnd Charfreitag, laut unser gemeinen Kirchen ordnung, gepredigt unnd ausgelegt werdenn.

So auch die Preceptores inn der hebreischen unnd griechischen sprach bericht, wie dann solliche Personen fürnemlich vor andern bedacht, unnd aufgenommen, soll der Preceptor Theologie die Elementa Heb-raice Lingue, unnd der Preceptor bonarum artium die Elementa graece lingue jedlicher inn der wochenn ain mahl oder zweinahl für die lection dialectices den Studiosis unnd Novitien lesen unnd erclern.

Von der Tischzucht.

Es soll allwegenn zum morgen unnd nachtessen nach dem gewonnlichen unnd Christenlichen Bene-dicite, ain Junger, je ainer nach dem anndern ain wochen, ain Capitel oder zwey aus dem Eusebio in Ecclesiastica, unnd hernach aus der Tripartita Hystoria, zu Tisch langsam unnd verstenndtlich lesen, das hiemit die Historien der Kirchen woll eingebüldet, unnd onnüzig geschwez, auch anndere onzucht, über dem Tisch, unnd sonst verhütet werde.

Von den Novitien.

Nachdem das Closterlebenn allermaist wie oben vermeldet, dahin gerichtet sein soll, das darinn gotts-ferchtig unnd gelert Leüth, so der gemeinen Christen-lichen Kirchen dienstlich unnd nüzlich sein mögen, auferzogen werden, unnd aber disem fürnemen in mancherley weeg hinderlich sein würde, so inn die Clöster solche jungen Künder, die noch nit inn den ersten elementis Literarum, unnd in der Grammatica bericht, aufgenommen werden sollenn.

Hieruf so ist verordnet, das fürohin kein Junger, er sey dann seins althers über die vierzehenn oder fünf-zehenn Jar, ongevarlich, unnd eins gutten Jngenü, zichtigen stillenn wanndels, unnd von erbarn Chris-tenlichen eltern, habe auch dessen alles, von unnsern Amptman, gericht, Pfarrer, unnd schulmeister, da er erborn, erzogen, unnd inn die schull ganngen, seine gutte Testimonien, darzu die Grammaticam /: darinn dann er zuvor von unnsern darzu sonndern Verordneten zu Stutgarten, gnugsam examiniert soll werden:/ diser gestallt gestudiert, dass er hierzu keines sonnderlichenn Preceptoris mehr bedürftig, damit nit etlicher Jugenndt, unnd onwissenheit denn anndern erwachsnen, auch dem gannzen Handell des Closter-lebens hinderlich seye.

Dieweil auch die Clöster inn unnserm Fürstent-humb, unns alls regierendem Landsfürstenn, ein jncorporiert membrum, unnd Landtstannd, auch zuversprechen, zu zu schüzen, unnd zu schirmen, zusteen, unnd unnsere Landtschaft Jre mitstend unnd membra seyen, deren unnd annderer mehr obermelter Ursachen halber, so ist unnser gnedigs begernn, das nun fürohin unsere Prelaten kein Jungen ußerhalb unnsers Fürstenthumbs, und schirms Verwanndten, geborn, noch one unnser Vorwissen unnd Verwil-ligung, sonder allein unnser Lannds unnd schirms verwandten Kinder, die auch zuvor erfunden, unnd approbiert seyenn, alls ob inn unnserer Prelaturn Clöster aufnemen wellen, wo aber unnsere Prelatenn ainer oder mehr solliche gelegenheit der Jungen für sich selber nit habenn, noch findenn, so mögen sie allsdann bey unnsern verordneten Visitation Räthenn Zu Stuttgarten umb solche gelegne, unnd taugennliche Jungen anhalten, welchenn wir Bevelch gethann, ain sondern Cathalogum mit Jrer vleißigen Superjn-tendenZ Zu haltenn, darinn jederZeit, vonn allen unnsern schulen, unnser oberkeit unnd Schirmb-verwanndtnus die Jungen so inn die Clöster, als ob taugennlich, unnd sich mit willenn Jrer eltern, frey-williglich, dahin begebenn möchten, Zu verZeichnen, damit sie auf eines jedenn Prelaten annhalten, Jnen derselbigen Jungen, umb mehrer richtigkeit wegenn anZeigen könden.

So dann ain Junger obgemelter gestalt, in ain Closter angenommen, soll er alspalld dem Prelaten inn Beysein anderer Novitien unnd Conventualen, Pflicht unnd aid thun, jnmaßenn wie hernach volgt.

Forma Juramenti.

Quisquis recipitur in numerum Studiosorum ad monasterium N. bona fide promittat, et Juramento confirmet ea quae Sequentur

Primum ut honestam et piam vitam invocato nomine Dei et Patris Domini nostri Jhesu Christi in Spiritu Sancto ducat, videlicet.

ut non abutatur nomine Dei ad execrationes ad maledicta et ad temeraria atque illegitima Jura-menta.

Ut non Sectetur nec ebrietatem, et helluationem, nec impudicitiam, et Scortationem, nec illicitos et inhonestos ludos.

Ut nullas lites contentiones et rixas, vel cum Reve-rendo Domino Praelato, et Praeceptoribus, vel cum collegis, et reliquis Studiosis, vel cum famulis et aliis, aut domesticis, aut extraneis personis exsuscitet.

Deinde ut Summo Studio et diligentia Ecclesiastica Sacra visitet, ac Lectiones Praeceptorum Suorum audiat.

Praeterea ut absque concessione Reverendi Domini Abbatis N. Monasterium non egrediatur.

Postremo ut Reverendo Domino Abbati: N. aut ejus vicario pium et fidele obsequium in licitis et honestis omni Tempore, quo in monasterio vitam agit, diligenter praestet.

Übersetzung

Verpflichtungsformel

Wer in die Zahl der Studierenden zum Kloster N. aufgenommern wird, soll aufrichtig geloben und ehrlich versichern, was folgt:

Erstens dass er ein ehrenhaftes und frommes Leben im Namen Gottes und des Vaters unseres Herrn Jesus Christus im Heiligen Geist führe, also

Dass er den Namen Gottes nicht missbrauche zu Verwünschungen, Schmähungen, Leichtfertigkeiten und ungehörigen Schwüren,

Dass er weder der Trunkksucht noch der Schlemmerei, noch der Unzucht noch der Hurerei noch lüsternen und unanständigen Spielen nachjage,

Dass er keine Streitereien, Rechthabereien, Schlägereien sei es mit dem Hochwürdigen Herrn Prälaten und den Lehrern, sei es mit den Mitschülern und den übrigen Studenten, sei es mit den Bediensteten und anderen, sowohl mit den zum Haus Gehörenden als auch auswärtigen Personen anrichte,

Schließlich dass er ohne Erlaubnis des Hochwürdigen Herrn Abts N. das Kloster verlässt,

Letztlich dass er sich dem verehrungswürdigen Herrn Abt N. oder dessen Vertreter fromme und treue Willfährigkeit in Streit und ehrenhaften Dingen zu aller Zeit, in der er im Kloster lebt, gewissenhaft erweise.

Unnd dieweil die ordennliche Recht, denn Novitien drew Jar lanng Zur Prob auferlegen, so ist unnser gnedigs Bedenncken, das die angenumne Jungen, so sie sich erbercklich, Christlich, unnd gehorsamlich haltenn, ein jeglicher drew Jar lanng im Closter, mit Fürsehung gebürlicher narung und Kleidung erhalten werden.

Nachdem nun ain Junger drew Jar im Closter gewesen, soll unnser Prelat unnsern Kirchen Räthenn unnd hierZu verordneten jne schicken, mit Bericht, wess er sich inn denn dreyenn Jaren gehalten, das sie sein gelegennheit erkundigen, namlich, ob er ferner Zu dem Studio, auf unnser Stipendium gehn Tübingen Zu fürdern, oder lennger inn ain Closter Zu lasen, oder auch seiner Ungeschicklichait halber, Zu einem Hanndtwerck Zu gebrauchen, unnd nachdem die gelegenheit eingenommen, alsdann nach unnser Kirchen Räth unnd Prelaten gut ainsehen, mit jme weitere Verordnung fürgenomen werden.

Damit aber dies Christennlich Bedenncken sein ordennlichen Fürganng, durch Gottes gnad haben mög, so wellen wir unnsern Kirchen unnd Visitation Räthen bevolhen haben, das sie unnsern Prelaten beholfen unnd berathen, in anrichtung gottseeliger ordnung, unnd zucht, wie es mit demselben, inn jedem Closter, nach jedes gelegennheit, mit Unn-derhaltung der speis unnd annderm, gegen denn Novitien unnd Studiosos gehalten werdenn soll, sein welle, unnd was hierin mangel, sollichs Jederzeit, neben unnd mit denn Prelaten, nach gelegennheit helfen bessern, oder so es so wichtig, ann unns gelan-gen zu lassen, wellenn wir allwegen mit Verleihung göttlicher gnadenn, unnsern Prelaten dermaßen die Hanndt bieten, damit gottseeliges zucht unnd leben in Jren Clöstern gepflannzt und erhaltten werden.

Nachdem auch die Röm: Kay: unnd König. Mten unnsere allergnedigste Hernn unnd die Stennde des Reichs des Christenlichen Vorhabens sein, alle nüz-liche weeg unnd müttel, zu Vergleichung der zwi-spaltigen Religion, inn teutscher nation, durch gottes Hilf zu suchenn, so wellenn wir die erzelte ordnung allein, bis auf ein gemeine Christenliche Vergleichung fürgenommen haben, zu dem allmechtigen gott unnd Vatter unnsers liebenn Hernn Jhesu Christi verhof-fendt, er werde hierzu sein Hailigenn gaist verleihen, das durch dise Closter ordnung sein götlicher Nam gepreiset, unnd die Christenlich Kirch gebessert werd.

Actum Stutgarten denn Neundten January anno p. fünfzig sechse

Cristof Herzog zu Wüttemberg (sic) .p.

Anmerkungen:

Quelle: Generallandesarchiv Karlsruhe 65/11803