Rund und Groß = Kunst? Horst Antes und die Gaskugel als Kunstwerk im öffentlichen Raum (Wendelin Renn)

Es war in der 75. Sitzung des Aufsichtsrates der Stadtwerke Villingen-Schwenningen GmbH (SVS), am 6. Februar 1984, als nach intensiver Diskussion der Beschluß fest stand: Der Geschäftsführer Dr. Hans Schlenker 1 wird beauftragt Vorschläge zur farblichen Gestaltung des zu bauenden Gasspeichers unter „Beiziehung eines Fachberaters sowie der Stadtverwaltung zu erarbeiten und dem Aufsichtsrat wieder vorzulegen“ 2. Ein großer Speicher für Erdgas war dringend erforderlich, um die Verbrauchsschwankungen in der Gasversorgung 3 im tagesrhythmischen Verlauf, verursacht sowohl durch private Haushalte, als auch durch industrielle Bedarfe, auszugleichen. Mit der Fundamentierung für den Speicher war im Frühjahr 1983 begonnen worden und nach neun Monaten war die Metallkugel fertiggestellt. 4

Für den Metallkörper war aus Korrosionsgründen ein Schutzanstrich notwendig, doch den Beispielen vieler anderer Kommunen, die ihre Gasspeicher in dieser Zeit mit narrativen Motiven schmückten – Darstellungen der fünf Kontinente oder figurative oder abstrakte Bildformeln – wollte man im Oberzentrum nicht folgen 5. Ein solch markantes Bauwerk an exponierter Stelle sollte auch in seiner äußeren Gestaltung herausragen. Da traf es sich gut, dass dem kunstaffinen Geschäftsführer Dr. Hans Schlenker mit Theo Kühn 6 ein Baubürgermeister der Stadt Villingen-Schwenningen gegenüberstand, der ebenso ein Freund der Künste war. Seit seinen Karlsruher Tagen war Kühn mit dem Künstler Horst Antes 7 bekannt. Dieser war Mitbegründer der neuen figurativen Malerei in Deutschland und entwickelte ab 1962 seine Kunst-figur ‚Kopffüßler‘ 8.

Der Baubürgermeister nahm am Tag nach der Aufsichtsratssitzung bereits Kontakt mit Horst Antes auf, schilderte am Telefon, welche Aufgabe zu lösen wäre, erhielt die ‚grundsätzliche Zusage‘ zur Mitarbeit und übersandte dem Künstler 14 Tage später Lagepläne und Schnitte des Speichers, einen Stadtplan und Fotos der Metallkugel 9. Ende Februar 1984 besichtigte der Künstler das ‚Objekt‘ dann zum ersten Mal „bei hoher Schneelage“ 10 auf dem Gewann Stallberg. Bei diesem Termin vor Ort informierte sich Antes über die geomorphologischen und historischen Gegebenheiten, sah den gegenüberliegenden ‚Rundling‘ 11 als Ergebnis architektonischer Bauvision der Wirtschaftswunderzeit jener Tage, erfuhr von der hydrologischen Grenzlinie, die als Europäische Wasserscheide die Stadtbezirke Schwenningen und Villingen trennt und erhielt weitere technische Angaben zum Objekt. Ebenso übergab man ihm vier Farbfotos, welche im Winter, Frühling, Sommer und Herbst den Standort 12 zeigten und die jahreszeitlichen Besonderheiten des Ortes vermittelten.

Nachdem der Künstler die Annahme des Auftrags zur Farbgestaltung nun definitiv zusagte schlug der Baubürgermeister dem Geschäftsführer der SVS als ‚Fachberater‘ Horst Antes vor. Hans Schlenker beauftragte den Künstler dann offiziell am 11. März 1984, das Gestaltungskonzept für den Gasspeicher zu erarbeiten, und bestätigte zugleich das Beraterhonorar von 20.000 DM 13.

Abb. 1: Gaskugel und Rundling am 14. Januar 1986.
Abb. 2: Gaskugel und Villingen am 14. Januar 1986.

 

Horst Antes entwickelte aus all den ihm vorliegenden Informationen seinen Gestaltungsvorschlag, der in seiner Einfachheit ebenso radikal, wie in seiner Anmutung von nachhaltiger Präsenz ist: Indem er die Kugelform des Gasspeichers mit unterschiedlichen Farben in zwei Hälften scheidet – ein blau-grünlicher Farbton (Taubenblau) im Osten, ein erd-(rost-)farbiger Farbklang im Westen 14 – greift er die unterschiedliche Licht-Reflexion auf die Kugel im Tagesverlauf und damit die je verschiedenen Wahrnehmungsphänomene des Lichts am Morgen und am Abend auf. Des Weiteren setzt er assoziativ den physikalischen Gegensatz von Gas und Metallkörper, also ‚Leichtigkeit‘ und ‚Schwere‘, in farblichen Kontrast. Zugleich verweist die Trennlinie auf der Oberfläche der Kugel auf die hydrologische Situation und kommentiert in süffisant-ironischer Weise die stadtpolitische Gegebenheit des vor einer Dekade entstandenen Oberzentrums. All diese Überlegungen zur Gestaltung erläuterte Horst Antes in Begleitung seiner Frau Dorothée Antes am 12. Juli 1984 am Gasspeicher den Mitgliedern des Aufsichtsrates der SVS, zeigte mit verschiedenen Farbtafeln die Wirkung der hellen und dunklen Farbtöne und beantwortete zahlreiche Fragen der Aufsichtsräte. Nach dreißig Minuten kam es zur Entscheidung: mit nur einer Gegenstimme 15 sprach sich der Aufsichtsrat für den Vorschlag des berühmten Künstlers aus.

War im Aufsichtsrat die Haltung zum Gestaltungsvorschlag eindeutig, entwickelte sich im Gemeinderat in verschiedenen Sitzungen eine engagiert und leidenschaftlich geführte Diskussion über die künstlerische Idee, die in nichts den auch heute in diesem Gremium zum Thema Bildende Kunst artikulierten Haltungen nachsteht. ‚Angeregt‘ waren die zum Teil schriftlich eingereichten Fragen 16 auch von ‚Gerüchten‘, die in gewöhnlich ‚gut unterrichteten Kreisen‘ kursierten, einer Falschmeldung zum Honorar des Künstlers 17, wohl auch befördert vom anstehenden Wahlkampf der Parteien zur Gemeinderatswahl im Herbst und aufgrund zahlreicher Leserbriefe in den lokalen Medien 18.

Die Wortschlachten der Stadträte fanden ihren Höhepunkt im Vorwurf von Christian Schlenker (CDU), der seinem Ratskollegen Ernst Reiser (FWV) die „Krone der Kunstbanausität“ 19 aufsetzte und so den streitbaren Landwirt aus Nordstetten desavouierte.

Trotz aller politischer Händel und nachdem die administrativen Entscheidungen getroffen waren, konnte im September 1984 mit der Umsetzung des Farbanstrichs 20 begonnen werden. Ausgewählt hatte Horst Antes für die nach Bad Dürrheim weisende Seite der Kugel die Farben ‚Taubenblau‘, die aus ‚RAL 5014‘ gemischt mit Weiß zu fertigen war. Für den erd-(rost-)farbigen Farbklang der nach Villingen zeigenden Hälfte sollte die Farbe ‚DB 310‘ verwendet werden. Der Künstler stellte bei seinem Besuch Ende September 1984 aber fest, dass das verwendete ‚Taubenblau‘ nicht dem Farbklang entsprach, den er vorgeschlagen hatte. Vielmehr hatte Maler Albert Schmidberger statt ‚RAL 5014‘ die Farbe ‚DB 610‘ verwendet. Dieser Farbton sei in Abstimmung mit „einer Vielzahl von Amts- und SVS-Vertretern anhand von Farbkarten festgelegt worden, da es ‚RAL 5014‘ „mit Glimmerausführung mit Aluminium-Bestandteilen vom Hersteller gar nicht gegeben“ habe 21 rechtfertigte sich Schmidberger. Die SVS bemängelte zudem, dass die Farbe nicht gleichmäßig deckend aufgetragen wurde und ‚Schattierungen‘ entstanden seien. Bei diesen zu dünn aufgetragenen Stellen drohe daher ein frühzeitiger Korrosionsschaden; im Rahmen der Gewährleistung sei dies auf Kosten der Malerfirma zu beheben.

Abb. 3: Klaus Gaßmann mit Farbmuster

 

Abb. 4: Farb-Entscheidung mit Unterschrift.
Abb. 5: Die Gaskugel erstrahlt in frischen Farben
Abb. 6: Die Musiker steigen in Schutzkleidung durch die Bodenluke ins Innere.

 

Aus all dem entwickelte sich ein heftiger ‚Farbenstreit‘ zwischen Auftraggeber, Künstler und Malerfirma. Die lokalen Medien griffen das Streit-Thema dankbar auf, der Südwestfunk berichtete im Fernsehen überregional und zur Fasned 1985 wurde die Auseinandersetzung um die richtige Farbe in der ‚Bütt‘ und auf verschiedenen Podien humoristisch persifliert 22. Monate später erst wurde durch ein Fachgutachten Einigung erzielt: Umgesetzt werden sollte jetzt die Farbe ‚RAL 5014‘ + Weiß im Rahmen des Icosit EG 5-Sys-tems 23. Diese Polyurethan-Farbe ergab eine glatte, glänzende und vor allem monochrome Oberfläche. Der Malerbetrieb begann am 22. Juli 1985 um 8:00 Uhr die Ausbesserungsarbeiten und schloß diese nach 14 Tagen ab.

15 Jahre später war eine Überprüfung der Schweißnähte und auch ein Neuanstrich des Gasspeichers notwendig, da Sonne, Wind und Regen der Oberfläche arg zugesetzt hatten. Aus den Erfahrungen beim Erstanstrich bat die SVS mich als Leiter der Städtischen Galerie mit dem Künstler Kontakt aufzunehmen, um die notwendige Restaurierung seines Kunstwerkes zu besprechen. Der Anfrage bei Horst Antes am 9. September 2000 folgte nach wenigen mündlichen Erläuterungen und der Zusicherung, dass die aufzutragende Farbe genau mit vorhandenen Farbproben vom verbesserten Erstanstrich abgeglichen wird, am 29. September 2000 die schriftliche Freigabe der Arbeiten durch die Gattin des Künstlers. In ihrem Brief bedankte sie sich im Namen ihres Manns zudem herzlich für das professionelle Procedere zur Erhaltung des größten jemals vom Künstler geschaffenen Werkes.

Abb. 7: Jochen Bruche ‚in concert‘ in der Gaskugel.

 

Abb. 8: Andy Scholz fotografierte die Gaskugel beim Projekt ‚Privatkontakte‘

Nach umfangreichen Vorbereitungen stellte Ulrich Köngeter am 28. Mai 2003 bei einem Pressegespräch am Gasspeicher – dieser war für die notwendigen Arbeiten 24 gasfrei gestellt worden und damit zugänglich – die anstehende Umsetzung der Sicherungs- und Restaurierungsarbeiten 25 der Öffentlichkeit vor. Und er lud die Medienvertreter und alle weiteren Gäste dazu ein, die riesige Gaskugel zu besteigen, um auch Einblick in das Innere des Bauwerks zu erhalten. Ausgestattet mit weißer Schutzkleidung begannen einige den Auf- und den dann folgenden Einstieg am Zenit der fast 30 Meter hohen Kugel. Belohnt wurden die ‚Mutigen‘ neben den visuellen und olfaktorischen Eindrücken 26 mit einer außergewöhnlichen (!) Akustik im Inneren. Fünf, sechs, ja sieben Mal reflektierte der Schall im kugelrunden Inneren und es entstand der Eindruck eines zeitlos verharrenden Raum-Tones. Jochen Bruche, damals im Hauptberuf für das SWR-Studio in Villingen tätig, erkannte als Musiker sofort diesen einzigartigen Ort als Spielstätte für zeitgenössische Musik. Und mit Erlaubnis der SVS 27 organisierte der Hörfunk-Journalist in kürzester Zeit ein Konzert mit seinen Musikerfreunden im Innenraum des Gasspeichers.

Über dieses einzigartige Klangexperiment – neben Jochen Bruche (Gitarre, Mandoline) wirkten Wolfgang Lindenfelser (Saxophone, Bassklarinette), Ferdinando Dias Costa (Gesang, Percussion) und Christoph Marquardt (Bass, Recording) mit – drehte Klaus Peter Karger den Dokumentarfilm ‚Das Gaskugel Projekt. Ein Experiment mit 8000 Kubikmetern Sound‘ 28. Das größte Kunstwerk im öffentlichen Raum wurde so selbst zur Bühne für die künstlerischen Gattungen Musik und Film.

In den vergangenen 33 Jahren wurde über den Gasspeicher als Kunstwerk 29 immer wieder – auch kontrovers – diskutiert. Die unterschiedlichsten Positionen der Diskutanten, das Verständnis über verschiedene Vorstellungen, was Kunst ist und/ oder sein kann, auch die subjektiven Befindlichkeiten und die persönlichen Erfahrungen im Umgang mit zeitgenössischer Kunst halten diese Diskussionen bis heute lebendig. Der Kunsthistoriker Klaus Gallwitz 30 kommentierte das Werk von Horst Antes in einem Brief vom 26. Mai 1987 an Dr. Hans Schlenker in klaren Worten: „Am 25.4.1987 hatte ich Gelegenheit, den Kugelgasbehälter, von dem schon so viel die Rede war, zu sehen. … Für den unbefangenen Betrachter wirkt sie nicht protzig und auffallend. Es handelt sich um eine besonders gelungene Art des schwierigen und oft so mißglückten Unternehmens von ‚Kunst am Bau‘. An dieser Kugel ist nichts kleinlich oder anmaßend: Die vollkommene, farbig zweigeteilte Form ist ein Werk ohne handschriftliche Signatur. Kein ‚Blender‘ hat sich hier ‚verewigt‘. … Das Ergebnis ist frei von Willkür und beweist in besonderem Maße, wie auch zeitgenössische Kunst sich einer vorgegebenen technischen Aufgabe dienend stellt und eine Lösung findet, die überraschend und herausfordernd in ihrer bewußten Einfachheit ist.

Der Kugelgasbehälter in Villingen-Schwenningen gehört zu den wenigen gelungenen Beispiele einer Koexistenz von Technik, Landschaft und Kunst.“

Technische Daten 31:

Geometrischer Inhalt    8.180 m3

Behälterdurchmesser    25 m

Behälteroberfläche    1.975 m2

Maximaler Betriebsdruck    10,5 bar

Probedruck    11,55 bar

Berechnungstemperatur    40 °C

Leergewicht    5.000 KN = 500 Mp

Gefüllt mit Gas    5.700 KN = 570 Mp

Gefüllt mit Luft    5.900 KN = 590 Mp

Werkstoffeinsatz

Kugelmantel aus Feinkorn-Baustahl nach Stahl-Eisen-Werkstoffblatt 089-70 Wanddicke von oberer Kalotte mit 29 mm Dicke bis untere Kalotte mit 38 mm Dicke

Gesamtschweißnahtlänge    805 m

Schweißlagenlänge    12.000 m

Zusammengesetzt aus 58 Einzelsegmentblechen

Anmerkungen:

1 Am 15. April 1934 geboren. Von 1972-1999 Geschäftsführer der SVS. Am 3. Dezember 2014 gestorben.

2 Manuskript von Ulrich Köngeter, derzeitiger Geschäftsführer der SVS, Historie zur Gestaltung der Gaskugel im Stadtbezirk Villingen, 24. September 2015.

3 1874 brennen die ersten Gaslampen in Villingen; s. ‚https:// www.svs-energie.de/unternehmen/geschichte.html‘; Zugriff am 31. Juli 2016.

4 Gebaut von Klöckner-Wilhelmsburger GmbH Behälter- und Apparatebau, Werk Georgsmarienhütte; Die Bau- und Prüfüberwachung verantwortete der TÜV Mannheim, Dienststelle Freiburg.

5 Auch Wolfgang Martin, Kreisbeauftragter für Naturschutz, sprach sich gegen eine figürliche Darstellung auf der Kugel aus: Bauwerke dürfen nach dem Naturschutzgesetz ’nicht störend‘ in Erscheinung treten.

6 Am 31. August 1936 in Karlsruhe geboren. Er hatte nach einer Zimmerlehre die Ingenieurschule besucht und als staatlich geprüfter Bauingenieur abgeschloßen. Anschließend studierte er Architektur bei Professor Egon Fritz Wilhelm Eiermann an der Technischen Hochschule Karlsruhe. Nach der Staatsprüfung für den höheren bautechnischen Verwaltungsdienst mit Schwerpunkt Hochbau war er ab 1970 für zwei Jahre Gruppenleiter im Universitätsbauamt Karlsruhe und dann als Oberregierungs-baurat und Leiter der Abteilung Planung und Durchführung verantwortlich. 1980 wurde er Zweiter Beigeordneter der Stadt Villingen-Schwenningen, 1983 Erster Beigeordneter. Am 11. Dezember 2014 gestorben.

7 Am 28. Oktober 1936 in Heppenheim geboren. Studierte von 1957 bis 1959 bei HAP Grieshaber an der Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe. 1962 Villa Romana-Preis, Florenz. 1963 Villa Massimo-Preis, Rom. Teilnahme an der documenta III 1964, IV 1968 und VI 1977 in Kassel. Wohnt in Karlsruhe und Castellina, Italien.

8 Angeregt durch die Kachina-Puppen der Pueblo-Indianer besitzen die ‚Kopffüßler‘ keinen Hals, wenig Brust und Bauch. Kopf und Füße scheinen ineinander überzugehen. Erstmals in Rom 1963 ausgestellt. In der Städtischen Galerie Villingen-Schwenningen im Franziskanermuseum wurden diese ‚Kopffüßler‘ in der Ausstellung ‚Horst Antes – 53 Bilder; 33 Sammler aus Süddeutschland‘ vom 26. April – 8. Juni 1987 gezeigt.

9 Aktenvermerk Theo Kühn vom 13. Februar 1984 und Schreiben an Horst Antes vom 21. Februar 1984; Stadtarchiv, aus 1.13; Nr. 1546. Herzlicher Dank an dieser Stelle an Ute Schulze vom Stadtarchiv.

10 „Seit diesem ersten Ortstermin wurde von Prof. Antes der Farbwechsel der Landschaft ständig verfolgt und in seinem Lösungsvorschlag auch verarbeitet.“ aus: Stellungnahme Theo Kühn an Oberbürgermeister Dr. Gerhard Gebauer vom 26. Juli 1984 zur Anfrage des Stadtrats Ernst Reiser (FWV). Stadtarchiv, aus 1.13; Nr. 1546.

11 Geplant 1966 von Prof. Adolf Bayer (1909 – 1999) aus Karlsruhe; realisiert auf dem Gewann Kopsbühl von 1972 – 1976 von der Villinger Baufirma Gebrüder Seemann (SEWO) als zwei kreisförmige, einander vorgelagerte Baukörper in fünf- und achtgeschossiger Bauweise in der Höhe gestaffelt mit 520 Wohneinheiten für bis zu 2000 Menschen; vergl.: SÜDKURIER vom 3. November 1972.

12 Dieser lag, in einer vertieften Mulde, in unmittelbarer Nähe zur Gasübergabestation der Gasversorgung Süddeutschland an der B 33. Aus planungsrechtlichen Gründen konnte der zuerst vorgesehene Standort im Gewerbegebiet Vockenhausen nicht realisiert werden. Schreiben von Theo Kühn an Oberbürgermeister Dr. Gerhard Gebauer vom 26. Juli 1984. Stadtarchiv, aus 1.13; Nr. 1546.

13 Schreiben von Hans Schlenker an Oberbürgermeister Dr. Gerhard Gebauer vom 18. September 1984. Stadtarchiv, aus 1.13; Nr. 1546.

14 Der Sockel sollte in dunklen Erdfarben gehalten sein; die Farbwahl für die Arbeitsleiter sollte erst nach dem Anstrich der Kugel entschieden werden. Mit Schreiben vom 21. Mai 1985 teilt Dorothée Antes mit, dass die Leiter im hellen Farbton gestrichen werden soll.

15 Josef Weyers, Betriebsrats-Vorsitzender der SVS, lehnte den Vorschlag ab, da er „durch die dunkle Farbe einen zu starken Aufheizeffekt des Behälters, der sich negativ auf das Gasvolumen auswirke“ befürchtete. Vergl. SÜDKURIER vom 13. Juli 1984.

16 So Ernst Reiser (FWV) mit Schreiben ohne Datum; In der Gemeinderatssitzung am 25. Juli 1984 vorgetragen; in der Sitzung am 26. September 1984 von Oberbürgermeister Dr. Gerhard Gebauer beantwortet; Stadtarchiv, aus 1.13; Nr. 1546

17 Die Südwest Presse – Die Neckarquelle titelte am 10. Juli 1984: „Karlsruhe Kunstprofessor soll für 80.000 Mark Gasbehälter am Stallberg verschönern“. Geschäftsführer Dr. Hans Schlenker, Baubürgermeister Theo Kühn und Oberbürgermeister Dr. Gerhard Gebauer mußten mehrfach erklären, dass in diesem Betrag auch die Kosten für die Malerarbeiten für 2.000 qm Fläche, 1.200 kg Farbe und das Künstlerhonorar enthalten sind. Die Gesamtkosten des Gasspeichers betrugen 3,6 Millionen DM.

18 Klaus Schmitzdorf vermutet aufgrund der Bekanntschaft Kühn/ Antes „Vetterleswirtschaft“ und fragt nach dem „Stundenlohn“ des Künstlers (Südwest-Presse, 28. Juli 1984); Robert Peter und Hans Lennartz fordern „drei Baumreihen Fichten zu pflanzen… die den Gaskessel innerhalb von 10 Jahren unsichtbar machen.“ (Schwarzwälder Bote, 1. August 1984); Adolf Klagges bemängelt, dass die Stadt kein Geld zum Bau des Bürgerheims und für die dringenden Arbeiten am Kindergarten an der Friedhofstraße habe. „Ja selbst die Geschenkkörbe für die alten Leute wurden aus Geldmangel gestrichen“. (Südwest Presse, 2. August 1984); Eduard Hauser fordert „einheimische Künstler“ zu beauftragen (Schwarzwälder Bote, 4. August 1984); Karl Bauer ruft die Kunstbefürworter auf: „Bezahlt doch euer Kunstverständnis aus eigener Tasche.“ (Schwarzwälder Bote, 6. August 1984); Altstadtrat Dr. Paul Hertenstein weiß, dass das, was „uns als Kunst in unserer modernen Gesellschaft seit Jahrzehnte zugemutet wird, ist doch zum größten Teil billigste Pseudo-Kunst und Subkultur, die von irgendwelchen dubiosen Kunstpäpsten… zu führenden Kunstwerken der Gegenwart hochstilisiert werden.“ (Schwarzwälder Bote, 6. August 1984).

19 SÜDKURIER vom 1. August 1984.

20 Den Auftrag erhielt nach Ausschreibung die Fima Albert Schmidberger aus Schömberg; vgl. Anm. 2 und Stadtanzeiger vom 14. November 1984.

21 Vergl. Stadtanzeiger vom 14. November 1984.

22 Dr. Hans Schlenker schickte am 3. April 1985 dem Künstler eine Video-Kassette mit Aufnahmen vom Zunftball der Historischen Narrozunft 1584 e.V. Villingen vom 1. Februar 1985. „Möge sie auch Ihnen – wie dem Villinger-Schwenninger Publikum – trotz gewisser, unverkennbarer Untertöne etwas Spaß bereiten.“; Stadtarchiv, aus 1.13; Nr. 1546.

23 Brief von Dorothée Antes an Martin Maier, SVS, vom 21. Mai 1985 und Aktennotiz von Martin Maier vom 19. Juni 1985.

24 Vor dem Neuanstrich mußten alle Schweißnähte auf ihre Dichtigkeit überprüft werden.

25 Die Festlegung der zu verwendenden Farbe wurde mit Klaus Gaßmann von der SVS am 8. August 2003 getroffen.

26 Dem geruchlosen Erdgas sind Geruchsstoffe zur Warnung beigemischt, deren Rückstände in der Kugel jämmerlich stanken!

27 Maximilian Mast von der SVS unterstützte das Vorhaben mit großem Engagement.

28 2004 im Kulturzentrum Scheuer in Villingen vom Kommunalen Kino guckloch Villingen-Schwenningen e.V. uraufgeführt. Die DVD ist über ‚http://www.kargerkultur.de/html/ das_gaskugel_projekt.html‘ erhältlich.

29 Der Auftrag an Horst Antes war zunächst als ‚Fachberater‘ tätig zu werden. Durch seine intensive Auseinandersetzung zur Gestaltung und der hohen Qualität ist es m.E. legitim, das Ergebnis seiner Arbeit als ‚Kunst am Bau‘ und somit als ‚Werk des Künstler‘ zu bezeichnen. Im Werkverzeichnis ‚Skulptur‘ des Künstlers ist es aber bis heute nicht aufgenommen. Vergl. E-Mail vom 4. September 2015 von Sabine Kessler, Büro Prof. Horst Antes.

30 Am 14. September 1930 in Pillnitz bei Dresden geboren; Er studierte Alte Sprachen und Kunstgeschichte in Berlin, Halle, Kiel und München; Promotion in Göttingen 1956; 1959 bis 1967 Badischer Kunstverein Karlsruhe; 1967 bis 1974 Staatliche Kunsthalle Baden-Baden; 1974 bis 1994 Städelsches Kunstinstitut Frankfurt; 1995 bis 2002 Künstlerhaus Schloss Balmoral Bad Ems; 2004 bis 2006 Gründungsdirektor des Museums Frieder Burda; 2006 bis 2008 Gründungsdirektor des Arp Museums Bahnhof Rolandseck.

31 Wie Anm. 2.

Bildunterschriften:

Abb. 1: Blick auf die Gaskugel und Rundling am 14. Januar 1986; Foto: Stadtwerke Villingen-Schwenningen GmbH

Abb. 2: und auf Villingen am 14. Januar 1986; Foto: Stadtwerke Villingen-Schwenningen GmbH

Abb. 3: Klaus Gaßmann mit Farbmuster zur Festlegung der Farbmischung für den Neuanstrich 2003; Foto: Städtische Galerie Villingen-Schwenningen

Abb. 4: Die Farb-Entscheidung wird mit Unterschrift dokumentiert; Foto: Städtische Galerie Villingen-Schwenningen Abb. 5: Die Gaskugel erstrahlt in frischen Farben; Foto: Karger

Film Kultur und Video

Abb. 6: Die Musiker steigen in Schutzkleidung durch die Bodenluke ins Innere; Foto: Karger Film Kultur und Video

Abb. 7: Jochen Bruche ‚in concert‘ in der Gaskugel; Foto: Karger Film Kultur und Video

Abb. 8: Andy Scholz fotografierte die Gaskugel beim Projekt ‚Privatkontakte‘ zur Ausstellung mit Studierenden der Dokumentarfotografie Prof. Jörg Sasse, Universität Duisburg-Essen 200590