Das Villinger Friedrich-Krankenhaus (Andreas Flöß, Hans-Georg Enzenroß)

Baugeschichte

Am Anfang der Planung eines neuen Krankenhauses in Villingen stand eine Inspektion der alten Einrichtungen durch den Obermedizinalrat Hauser vom Innenministerium des Großherzogtums Baden. Villingen besaß um die Jahrhundertwende zwei Krankenhauseinrichtungen, einmal das Heilig-Geist-Spital in der Rietstraße und das Gutleutehaus etwas außerhalb der Stadt, im Bereich der Bahnlinie, dort, wo sich heute die Caritas mit ihrem Verwaltungsgebäude und ihrer Tagesstätte für psychisch Kranke befindet.

Das Gutachten fiel eindeutig aus: Beide Häuser entsprachen nicht mehr den Anforderungen der Medizin, die hygienischen Verhältnisse waren katastrophal. Abhilfe sei nur durch einen Neubau zu schaffen, wobei bis zu dessen Verwirklichung wenigstens die gröbsten Missstände in den beiden Einrichtungen beseitigt werden sollten.

Besonders schwierig erwies sich die Finanzierung des Projektes. Der Plan, ein Kreiskrankenhaus zu errichten, scheiterte daran, dass die umliegenden Kreisgemeinden nicht bereit waren, sich an der Finanzierung zu beteiligen. Man entschloss sich daher, ein Haus zu errichten, das in seiner Größe und der Bettenzahl den Bedürfnissen allein der Stadt Villingen entsprach.

Der Platz, an dem das Krankenhaus schließlich errichtet wurde, war vom Gemeinderat favorisiert worden. Dem Innenministerium wäre es lieber gewesen, der Bau wäre jenseits der Bahn am Bicke-berg errichtet worden. Der Haushalt der Stadt war in jener Zeit durch große Unternehmungen in Anspruch genommen, so zum Beispiel durch den Neubau eines Schlachthauses, den Ankauf des Gaswerkes und die Errichtung eines Elektrizitätswerkes.

Von der Lage am Bickeberg hätte man eine schöne Übersicht über die Stadt gehabt. Der Bauselbst wäre allerdings auch sehr exponiert gelegen gewesen und man hätte einen erheblich größeren architektonischen Aufwand treiben müssen, um das Äußere des Gebäudes repräsentativ zu gestalten. Dies wäre mit erheblichen Mehrkosten verbunden gewesen. In der Zähringer- bzw. Herdstraße war eine einfachere Fassade möglich, ohne die innere Einteilung zu beeinträchtigen. Der Grund hierfür lag darin, dass der Bau in einen bereits bebauten Stadtteil (Südstadt) integriert werden konnte. Ebenfalls war die Infrastruktur hinsichtlich Straßen- und Kanalnetz vorhanden. Die Mehrkosten am Bickenberg wurden auf 130.000 Mark geschätzt.

Abb. 1: Neubau Friedrichskrankenhaus um 1915.

Um den auch von der staatlichen Aufsichtsbehörde als dringend erachteten Neubau nicht weiter hinauszuzögern, beschloss der Gemeinderat, den Bau aus Mitteln des Hl. Geist Spitals (Spitalfonds) zu bestreiten.

Nachdem die Baupläne ausgearbeitet waren, wurden diese dem Innenministerium zur Begutachtung und Genehmigung vorgelegt. Das Gutachten des Medizinischen Referenten Dr. Hauser führte aus, dass zwei Betsäle, einer für Katholiken und einer für Evangelische, überflüssig seien; einer würde genügen. Man solle den freiwerdenden Saal für die Unterbringung von Schwestern nutzen.

Überhaupt sollten die nach Süden gerichteten Zimmer den Patienten vorbehalten bleiben und nicht als Funktionsräume genutzt werden. Eine „Irrenzelle“ [sic] im Keller sei zu wenig, hier seien zwei nötig.

Bei den Krätze-Kranken (Befall der Haut mit Milben), kämen sowieso nur Männer in Frage, da reiche ein Zimmer, in dem man auch einmal zwei oder drei, unterbringen könnte.

Bemängelt wurde, dass ein Narkoseeinleitungs-raum in der Nähe des Operationsraumes nicht vorgesehen sei. Für die unter dem Dach untergebrachten ansteckungsfähigen Patienten sollte ein besonderer Treppenaufgang eingerichtet werden. Die Beleuchtung des zu kleinen Sezierraumes wurde von Dr. Hauser ebenfalls als ungenügend angesehen.

Nach Prüfung des Verwaltungshofes, ob sich die Finanzierung mit dem Stiftungszweck vereinbaren ließe, erfolgte der erste Spatenstich im Januar 1910.

An Kosten kamen schließlich 325.000 Mark zusammen, ein Teil des Geldes musste als Darlehen aufgenommen werden. Die veranschlagten Kosten wurden nur wenig überschritten. Nach kurzer Bauzeit wurde das Krankenhaus 1912 in Betrieb genommen.

Das Krankenhaus wurde als klarer Einspänner gebaut. Dies bedeutet einen Erschließungsflur, welcher jeweils nur zu einer Seite, die Zimmer andient. Hierbei ist zwangsläufig gewährleistet, dass der Flur eine schöne natürliche Belichtung und Belüftung erfährt.

Abb. 2: Krankenmehrbettzimmer.

 

Neben vielen kleineren Arzt- und Eingriffszimmern, befanden sich, übrigens bis heute, in den beiden äußeren Wiederkehrgebäuden, jeweils zwei große Mehrbettzimmer mit einer Bettenkapazität für 12 Patienten.

Abb. 3: Chefarzt und Assistenzarzt mit Krankenschwestern, vor dem noch heute existierenden Eingangsportal.

 

Wie bei jedem Krankenhausneubau, auch bei den heutigen, sind die Krankenhäuser sehr bald zu klein und es muss um- und angebaut werden. Dieser Aspekt war damals offenbar schon bekannt, denn der Bauplatz wurde nicht zuletzt deshalb in der Südstadt gewählt, da Anbauten bei der Größe des Grundstückes ohne Schwierigkeiten möglich waren. Zudem befand sich das Grundstück bereits im Besitz des Spitalfonds, was einen weiteren Grundstückskauf unnötig machte.

Als erste erweiternde Baumaßnahme wurde allerdings kein medizinischer Bau errichtet, sondern 1915 an der Grenze zur jetzigen Saarlandstraße ein Hühner- und Schweinestall zur Ergänzung der kleinen, dem Krankenhaus angegliederten Landwirtschaft mit ihrem dort ebenfalls liegenden Gemüsegarten.

Anfang der Dreißigerjahre wurde der Westflügel errichtet. In ihm etablierte sich, was heute als Gynäkologie und Geburtshilfe (Frauenklinik) bezeichnet wird. An den Mittelteil des Krankenhauses wurde 1931 eine große katholische Kapelle sowie einige Funktionsräume, wie ein Operationssaal, angebaut. Im Jahre 1935 wurde das Dachgeschoß umgebaut, hier wurden Personalwohnräume eingerichtet.

Abb. 4: rote Linie, Ursprungsbau von 1911, grüne Linie, Westerweiterung ab 1930, orangene Linie, Erweiterung von 1931 mit Operationssaal und katholischer Kapelle.

 

Im April 1931 erhielt der in Meersburg lebende Villinger Maler Waldemar Flaig von der Stadt Villingen den Auftrag, die neugebaute katholische Kapelle mit 4 Nischenfresken und einem Altarfresko auszustatten. Die Einweihung der neuen Kapelle erfolgte Ende Juni des gleichen Jahres.

Abb. 5: Fresken von Waldemar Fleig in der katholischen Kapelle.

 

Nach Beendigung der Arbeiten wurde dem Maler von Freunden ein Kuraufenthalt an der Riviera ermöglicht. Nach seiner Rückkehr von dort schuf er noch, neben zwei weiteren religiösen Bildern, ein Fresko im evangelischen Andachtsraum des Krankenhauses. Waldemar Flaig verstarb im Krankenhaus Villingen im Frühjahr des folgenden Jahres.

Das Fresko des evangelischen Andachtsraumes ist beschrieben in einem Nachruf auf Waldemar Flaig in der Konstanzer Zeitung vom 23.04.1932. Verfasser ist der Villinger Stadtbaurat Ganter. Es heißt dort: „Zwischen Krankenlager und Lehnstuhl entstehen zwei herrliche Christusköpfe. Ihnen folgt ein Fresko für den evangelischen Andachtsraum des Villiger Krankenhauses, eine Monumentalgestalt des segnenden Christus. Mit zarten, leichten Tönen beherrscht dieses Bild den intim gehaltenen Raum, ohne ihn durch seine Größe zu erdrücken.“

Das Krankenhaus in der Herdstraße war bis 1961 in Betrieb. Man darf annehmen, dass es bis dahin einen evangelischen Andachtsraum gegeben hat. Befragungen ehemaliger Mitarbeiter des Alten Krankenhauses sowie der Nachfolgeinstitution Hotelfachschule führten nicht zum Auffinden dieses Raumes. Erst auf alten Bauplänen des Gebäudes konnte ein Raum mit 24 qm im 2ten Obergeschoss gegenüber dem Fahrstuhl als Evangelischer Andachtsraum identifiziert werden.

Wiederum etwa zwanzig Jahre später stellte sich erneut die Frage eines Krankenhausneubaus, weil die räumlichen Gegebenheiten mit dem Fortschritt der Medizin nicht mehr Schritt hielten. Zunächst war geplant, auf dem Gelände des Friedrich Krankenhauses durch Umbauten der alten Bausubstanz und Neubauten den notwendigen Raum für eine moderne Medizin zu schaffen. Die Verwirklichung war zwar vom Stadtrat beschlossen, die Pläne waren allerdings nie sonderlich populär, auch lagen einige Einsprüche von Anliegern vor, die eine Wertminderung ihrer Häuser und Grundstücke fürchteten. So setzte eine neuerliche Diskussion ein, vielleicht angeregt von Presseartikeln, z.B. im Schwarzwälder Boten vom 13.10.1955 „Warum bauen sie eigentlich kein neues Krankenhaus“, die dazu führte, dass im Friedengrund ein solches errichtet wurde, das 1961 in Betrieb genommen wurde.

Mit der Städtefusion und der Entwicklung zum Oberzentrum war auch eine Entwicklung der jetzt Kliniken genannten Krankenhäuser zu Institutionen der Schwerpunktversorgung verbunden. Auch hier wieder, diesmal nach etwa zwanzig Jahren, wurde die Diskussion Um- und Anbauten der Häuser in Villingen und Schwenningen oder Neubau eines gemeinsamen Klinikums geführt. Damals noch scheiterte der Plan eines gemeinsamen Klinikums, sodass die beiden Häuser über Jahre hinweg Baustellen blieben, mit zum Teil nahezu unerträglichen Belastungen für Patienten und Mitarbeiter, ohne dass jemals ein befriedigender räumlicher Zustand erreicht worden wäre. Mit dem jetzigen Klinikneubau im so genannten Zentralbereich zwischen Villingen und Schwenningen, endet vorläufig die hiesige Klinikbaugeschichte.

1999 wurde das Alte Krankenhaus, nicht zuletzt wegen der Fresken Waldemar Flaigs, als schützenswert eingestuft. Das Landesdenkmalamt schreibt hierzu folgende Begründung:

„Ehemaliges Friedrich-Krankenhaus, jetzt Landesberufsschule zweigeschossiger, umfangreicher Bau auf annähernd T-förmigem Grundriss mit Mansarddach ähnlichem Ausbau, 1906/07 als Friedrich-Krankenhaus erbaut.

Sechsteilige Hauptfront mit stark vortretenden, zweiachsigen Seitenrisaliten und nur leicht vorspringendem Mittelrisalit, der betont wird durch einen von dorischen Stützen getragenen Eingangsvorbau sowie ein von Säulen flankiertes dreiteiliges Fenster; stark rustizierter Quadersockel; Gliederungssystem aus flachen Lisenen und plastischen Horizontalbändern.

Im Inneren Kapelle mit Wandbilder-Ausstattung des Villinger Malers Waldemar Flaig von 1931.

Mit seiner dem Barock verpflichteten Architekturauffassung ist das Gebäude ein charakteristisches Dokument für die Baukunst vor dem ersten Weltkrieg. Als für die damalige Zeit vergleichsweise großes Krankenhaus ist das Gebäude zudem ein Zeugnis für den wirtschaftlichen Aufschwung Villingens Anfang des 20. Jahrhunderts, mit dem eine merklich anwachsende Bevölkerungszahl einherging und die verantwortungsbewusste Gemeinde dieser Gegebenheit auf dem Gebiet des Gesundheitswesens mit dem Bau eines großen Krankenhauses Rechnung trug.

Das Gebäude ist aus künstlerischen und wissenschaftlichen, vor allem architektur- und stadtbau-geschichtlichen Gründen ein Kulturdenkmal; seine Erhaltung liegt insbesondere wegen seines dokumentarischen Wertes im Interesse der Öffentlichkeit.“

Im Jahr 2012 gab es nochmals eine Listenüberarbeitung, Herr Dr. Folkhard Cremer vom Regierungspräsidium Freiburg, schreibt hier als Ergänzung nochmals zusätzlich:

„Ehemaliges Friedrich-Krankenhaus, jetzt Landes-berufsschule für das Hotel- und Gaststättengewerbe. Breitgelagerter neuklassizistischer Putzbau mit Quadersteinsockel, 1909 – 1911 errichtet. Die Hauptfront durch Mittelrisalit mit Dreiecksgiebel und stark vortretende Seitenrisalite mit Mansarddach Giebeln mit Halb Walm sechsteilig gegliedert. Durch die über einem kurzen Fuß Walm horizontal durchgängige Dachgaube erhält der eigentlich zweigeschossige Mansarddach Bau seine dreigeschossige Wirkung.

Eingangsvorbau auf dorischen Stützen. Im Inneren Kapelle mit Wandbildern von Waldemar Flaig, 1931.“

Umbaumaßnahme 2014

Zu Beginn der Umbaumaßnahme 2014, erinnerte nichts mehr an einen evangelischen Andachtsraum. Bei der Sanierung, wurde ein normales Bürozimmer des Internats mit Waschbecken und tapezierten Wänden angetroffen. Was aus dem Fresko geworden ist, konnte nicht mehr geklärt werden, selbst nachdem sehr vorsichtig die jüngsten eingebrachten Putzschichten, in diesem Raum entfernt wurden.

Neue Räumlichkeiten für das Gesundheitsamt, die BEKJ, die IFF, den FFV sowie den Bereich Frühe Hilfe des Schwarzwald Baar Kreises

Das dem Schwarzwald-Baar-Kreis gehörende Gebäude der Landesberufsschule für das Hotel-und Gaststättengewerbe, intern Haus 1 genannt, wurde bis 2011 in den Obergeschossen und im Dachgeschoss als Internatsgebäude genutzt. Da die Internatsräume nicht mehr den Standards und heutigen Anforderungen entsprachen und auch durch rückläufige Schülerzahlen, wurde seitens der Verwaltung damals entschieden, das Haus 1 nicht mehr zu belegen, da für die Internatsschüler/ Innen in den Häusern 2 – 4 ausreichend Zimmer zur Verfügung stehen.

Im Erdgeschoss sind die Internatsverwaltung, Gästezimmer, ein Pub und die Mensa untergebracht. Die Mensaküche liegt im Untergeschoss, ebenso Technik-, Lager- und sonstige Versorgungsräume.

Die Räume im Haus 1 in den Obergeschossen und in einem Teilbereich des Erdgeschosses wurden somit nicht mehr für die Internatsnutzung benötigt und standen größtenteils leer. Die Kreisverwaltung entschied sich, das Gebäude einer Büronutzung zuzuführen und umzubauen bzw. zu sanieren.

Abb. 6: Fassade von der Zugangsseite im Süden mit den neuen Fenster.

 

Es bot sich eine Nutzung der Räumlichkeiten durch das Gesundheitsamt an, welches bis dato in der Schwenninger Straße 2 zur Miete untergebracht war, ebenso für die Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche (BEKJ), die Interdisziplinäre Frühförderstelle (IFF), den Frühförderverbund (FFV) sowie den Bereich Frühe Hilfe, die bisher im Kreisverwaltungsgebäude Am Hoptbühl 5/7 untergebracht waren.

Der von den Ämtern benötigte zusätzliche Raumbedarf konnte im Haus 1 abgedeckt werden. Mit der Planung der Umbau- und Sanierungsmaßnahme wurde ab 2012 begonnen. Die Baumaßnahme dauerte von Juli 2014 bis Februar 2016.

Im rechten Gebäudeteil des Erdgeschosses liegen nun Büroräume für das Gesundheitsamt und ein großer Besprechungsraum, der von allen im Haus 1 ansässigen Ämtern genutzt wird. Das komplette 1. Obergeschoss wird vom Gesundheitsamt belegt. Es sind hier Büroräume, Untersuchungszimmer, das Zahnlabor und ein kleiner Besprechungsraum untergebracht. Im 2. Obergeschoss haben die Ämter BEKJ, IFF, FFV und Frühe Hilfe ihr Räume. Besonderheiten in den Raumanforderungen bestehen hier darin, dass es sich nicht um klassische Verwaltungseinheiten handelt, sondern um Bereiche, in denen auch therapeutische Angebote vorgehalten werden. Dies hatte Auswirkungen auf die einzuplanenden Sonderflächen, da hier entsprechende Therapieräume und Räume für spezielle Therapieformen, wie z.B. Spieltherapie, erforderlich wurden. In den beiden äußeren Wiederkehrgebäuden des ehemaligen Krankenhauses, die als große Krankenzimmer genutzt wurden, konnten großzügige Therapieräume geschaffen werden. Das Dachgeschoß dient nun als Lagerfläche mit Abstellräumen.

Eine Erschließung des Gebäudes und der Ämter erfolgt über die Herdstraße. Dieser Hauptzugang des ehemaligen Krankenhauses konnte aus Denk-malschutzgründen nicht behindertengerecht umgebaut werden. Ein barrierefreier Zugang zum Gebäude ist aber über die Rampe und den Eingang auf der Südseite gewährleistet.

Für die innere vertikale barrierefreie Erschließung wurde ein Personenaufzug im Bereich des historischen Haupttreppenhauses eingebaut.

Durch die neue Nutzung des Gebäudes konnte die Raumnot der Ämter deutlich verbessert werden. Der Schwarzwald Baar Kreis hat seine im Eigentum befindliche Immobilie damit auch wieder zu neuem Leben erweckt.

Abb. 7: Luftbild von heutigem Gesundheitsamt, im Ensemble mit den Zubauten der Hotelfachschule.

Zusammenfassung der ausgeführten Baumaßnahmen Bereichen ausgetauscht. Die bestehenden Aluminium-Fenster stammten aus den 60er Jahren. Die im Dachgeschoss angrenzenden und bisher kalten Speicherräume wurden gedämmt. Somit konnte für die zukünftig darunterliegenden Verwaltungsräume der Wärmeverlust nach oben eingedämmt werden.

Die Tritt- und Luftschalldämmung im Gebäude war nicht ausreichend. Der Aufbau im Bereich der Holzbalkendecken bestand aus einer Holzschalung mit darüber liegender Gipsausgleichsmasse und einem Linoleum Belag. Zwischen den Holzbalkendecken ist ein Zwischenboden mit einer Schlacke-Füllung vorhanden. Im Bereich der massiven Betonrippendecken war auf die Betonoberkante eine ca. 20 – 30 mm starke Kork-Bitumen-Ausgleichsmasse und ein Linoleum Belag aufgebracht. Um den Tritt- und Luftschallschutz zu verbessern, wurde ein neuer schwimmender Fußbodenaufbau auf die vorhandenen Holzdecken verlegt. Somit wurde die Trittschalldämmung verbessert, und zugleich dämmt der eingebrachte und massenreiche Estrich den Luftschall.

Die veraltete Elektroinstallation musste komplett demontiert werden. Die Büronutzung und die Erfordernis einer jederzeit problemlosen Nachrüstung der Technik wurde mittels demontierbarer Decken, über denen sich die Kabeltrassen und Kabelkanäle befinden, ermöglicht.

Die barrierefreie Erschließung wurde innerhalb des Gebäudes mit einem neuen Personenaufzug gewährleistet. Der Aufzug führt vom Erdgeschoß bis in das Dachgeschoß.

Die vorhandenen Aluminiumfenster wurden im 1. und 2. Obergeschoss komplett ersetzt. Im Erdgeschoss wurden an der kompletten Südfassade und im Bereich des umgebauten Gebäudeflügels an der Ostseite, die Fenster ersetzt. Die neuen Fenster wurden als Kunststofffenster mit 3-fach-Verglasung in der Farbe Weiß ausgeführt. Die Teilung der Fenster orientierte sich an der historischen Fensterteilung. Das Bestreben war, schmale Rahmenbreiten und Kämpfer zu erhalten. Die historischen Türelemente im Bestandsbau von 1908, bestehen aus einer gezapften Holz-Rahmentür mit eingeblatteten Füllungen, wobei die oberen kleinen Füllungen verglast sind, das Glas jedoch überstrichen wurde.

Die Zargen sind innen und außen auf der Tür-leibung sitzend und haben gerundete Stahlprofile. Der Zwischenbereich der Leibung wurde mit einer Gipsspachtelung geglättet. Die Türen und Zargen-Konstruktionen sollten soweit wie möglich erhalten bleiben. Allerdings war der erforderliche Schallschutz mit den vorhandenen Türen nicht herzustellen. Aus diesem Grund wurden die Türen im Erdgeschoss im Bereich der Büros und des Besprechungsraums erneuert. Im 1. und 2. Obergeschoss konnte man die historischen Türen aus Schallschutzgründen und wegen des neu aufzubringenden Estrichs ebenfalls nicht belassen. Diese wurden ausgetauscht. Die Türblätter wurden im Dachgeschoss eingelagert. Die neuen Türelemente sind mit Blockrahmen, hinter der historischen Leibung, auf der Rauminnenseite montiert worden.

Abb. 8: Historisches Türelement vor dem Umbau.

 

In den Flurbereichen, wurden die alten vorhandenen Strohmattendecken, mit ihren Rundungen im Übergangsbereich zur Wand, überall sichtbar gelassen. Die neue Akustikdecke wurde als freihängendes Segel zwischen die Wände platziert. Auch bei den Türbögen, teilweise noch mit historischer Verglasung, wurde darauf geachtet, dass die Deckensegel ausreichend Abstand zu den angrenzenden Wänden haben, damit der Bogen deutlich wahrnehmbar bleibt. In der abgehängten Decke wurden die Leuchten und die Sicherheitstechnik integriert. Weiterhin hat sich hierdurch die Raumakustik der Flure deutlich verbessert.

Abb. 8: Historisches Türelement vor dem Umbau.

Abb. 9: Historisches Türelement im 2. OG vor dem Umbau.

Abb. 10: Flurbereich vor dem Umbau.

 

Abb. 11: Bestandsfenster im Flur im 1.OG.

 

Abb. 12: Abgehängte Deckensegel im Flurbereich mit sichtbar gelassener historischer Decke mit Rundungen im Bereich des Wandübergangs zur Decke.

 

Abb. 13: Sanierter Flur.

Im Windfang am Haupteingangsbereich, sind die historischen Fliesen noch vorhanden. Da die Andienung der Baustelle durch diesen Bereich erfolgte, mussten die Fliesen während der Bauzeit besonders geschützt werden und waren während dieser Zeit hinter Holzabdeckungen verborgen. Die Fliesenkeramik hat während der letzten 100 Jahre nicht an Glanz verloren.

In den Treppenhäusern wurden die Böden und Geländer erhalten. Auch über diese Treppenhäuser war die Baustelle zugänglich. Sie wurden während der Bauzeit ebenfalls komplett mit einer Holzverkleidung abgedeckt und geschützt. Das Treppenhaus, kennzeichnet sich durch fein gearbeitete Granitstufenblöcke und ein geschmiedetes Treppengeländer, mit aufgesetztem Holzhandlauf in Eiche.

Abb. 14: Fliesendetail aus dem Ursprungsbaujahr
Abb. 15: Windfang nach der Sanierung

 

Abb. 16: Treppenhaus nach der Sanierung

 

Abb. 17: Büroraum im 1. Obergeschoss

 

Abb. 18: Therapieraum im 2. Obergeschoss.

In den neuen Büroräumen sind die Decken mit abgehängten und demontierbaren Elementen ausgestattet, damit eine Nachrüstung der Technik problemlos erfolgen kann. Gleichzeitig wurde hiermit gewährleistet, dass die Raumakustik deutlich verbessert werden konnte. Die Böden in den Räumen für das Gesundheitsamt im Erdgeschoss und 1. Obergeschoss sind in einem frischen grün gehalten. Im 2. Obergeschoss sind die Räume mit einem hellen, freundlichen Gelb gestaltet. Die Flure passen sich den Brandschutzelementen im Flur an und wurden in Anthrazit Tönen verlegt. Auf ein Verwenden zu vieler unterschiedlicher Materialen wurde bewusst verzichtet, um die vielfältigen Bau-und Stilelemente des Ursprungsgebäudes besser wirken zu lassen.

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Baumaßnahme mit einem Kostenbudget von 3,20 Mio. EUR. umgebaut werden konnte. Dies entspricht bei 2.200 qm umgebauter Nutzfläche einer Einsparung gegenüber einem vergleichbaren Neubau von 2,50 Mio. EUR.

Der Weitsicht von Kreisverwaltung und Kreistag ist es zu verdanken, dass einerseits ein schönes Stück Villinger- und Kreisgeschichte zu neuem Leben erweckt wurde, und gleichzeitig sinnvoll Haushaltsmittel investiert wurden.

Anmerkungen:

Abb. 1: Neubau Friedrichskrankenhaus um 1915.Quelle: Stadtarchiv VS.

Abb. 2: Krankenmehrbettzimmer. Quelle: Stadtarchiv VS

Abb. 3: Chefarzt und Assistenzarzt mit Krankenschwestern, vor dem noch heute existierenden Eingangsportal. Quelle: Stadtarchiv VS

Abb. 4: rote Linie, Ursprungsbau von 1911, grüne Linie, Westerweiterung ab 1930, orangene Linie, Erweiterung von 1931 mit Operationssaal und katholischer Kapelle. Quelle: Stadtarchiv VS

Abb. 5: Fresken von Waldemar Fleig in der katholischen Kapelle. Quelle: Büro Flöß

Abb. 6: Fassade von der Zugangsseite im Süden mit den neuen Fenster. Quelle: Jochen Hahne

Abb. 7: Luftbild von heutigem Gesundheitsamt, im Ensemble mit den Zubauten der Hotelfachschule. Quelle: Büro Flöß

Abb. 8: Historisches Türelement vor dem Umbau. Quelle: Büro Flöß

Abb. 9: Historisches Türelement im 2. OG vor dem Umbau. Quelle: Büro Flöß

Abb. 10: Flurbereich vor dem Umbau. Quelle: Büro Flöß

Abb. 11: Bestandsfenster im Flur im 1.OG. Quelle: Jochen Hahne

Abb. 12: Abgehängte Deckensegel im Flurbereich mit sichtbar gelassener historischer Decke mit Rundungen im Bereich des Wandübergangs zur Decke. Quelle: Jochen Hahne

Abb. 13: Sanierter Flur. Quelle: Jochen Hahne

Abb. 14: Fliesendetail aus dem Ursprungsbaujahr. Quelle: Jochen Hahne

Abb. 15: Windfang nach der Sanierung. Quelle: Jochen Hahne Abb. 16: Treppenhaus nach der Sanierung. Quelle: Jochen Hahne Abb. 17: Büroraum im 1. Obergeschoss. Quelle: Jochen Hahne Abb. 18: Therapieraum im 2. Obergeschoss. Quelle: Jochen Hahne

Abb. 17: Büroraum im 1. Obergeschoss. Quelle: Jochen Hahne

Abb. 18: Therapieraum im 2. Obergeschoss. Quelle: Jochen Hahne