Das Villinger Hallenbad (Berthold Ummenhofer)

Am 18. Dezember 2015 konnte das 50-jährige Jubiläum des Bestehens des Hallenbades in Villingen gefeiert werden. In der Geschichte der Stadt Villingen sind Ereignisse, welche sich vor etwa 50 Jahren zugetragen haben und somit auch im Jahrbuch des GHV sind 50 Jahre nicht unbedingt erwähnenswert. Wenn aber berücksichtigt wird, dass es schon Anfang der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts Überlegungen und fertige Planungen gab, in unserer Stadt ein Hallenbad zu bauen, rechtfertigt dies sicherlich eine Rückschau auf diese Überlegungen, Planungen und letztendlich die Vollendung des Hallenbades im Jahr 1965. Insofern teilt sich dieser Bericht in zwei Abschnitte: Diskussion, Planung usw. in den 20er Jahren sowie Diskussion, Planung und Vollendung nach dem II. Weltkrieg.

Obwohl die Stadt Villingen Anfang der 20er Jahre nur 14.000 Einwohner hatte, dachte man an den Bau eines Hallenbades. Zunächst gedacht war ein Standort auf dem Warenburgplatz, man wollte dort die Abwärme des Gaswerkes (befand sich auf dem Gelände des heutigen Arbeitsamtes) für die Beheizung des Hallenbades nutzen, so erwähnt in der Festschrift anlässlich der Eröffnung des Hallenbades von Herrn Stadtoberbaurat Julius Nägele. Bereits damals dachte man also schon an energiesparende Maßnahmen. Allerdings lässt sich dieser Standort nicht in den Protokollen bzw. Bauplänen nachvollziehen, es war in den alten Bauplänen nur vom Standort beim Gaswerk, also im Bereich Landwattenstraße die Rede. Überhaupt fand sich in den Ratsprotokollen nur ein kurzer Hinweis zur Sitzung am 1. Februar 1923. Dort heißt es unter Punkt 1:

Schwimmbaderstellung. Das vom Bauamt aufgestellte Schwimmbadprojekt wird erörtert. Es ist auf Antrag des Gemeinderates Junghans zunächst in eine Erörterung darüber einzutreten und festzulegen, in welcher Reihenfolge die verschiedenen z.Z. schwebenden Projekte zur Durchführung kommen sollen.

Daraus lässt sich schließen, dass mehrere Projekte anstanden und Gemeinderat Junghans eine Art Investitionsplan forderte. Allerdings ist im Archiv eine umfangreiche Bauakte mit umfangreichen Zeichnungen über das Aussehen des Bades und maschinenschriftlichen Texten vorhanden (Akte Best. 1.16 Nr. 7211). So beantragte die Sozialdemokratische Partei Villingen durch Herrn Wilhelm Schifferdecker mit Schreiben vom 24. 8. 1922:

Ein wirksames Mittel zur Erhaltung und Förderung der Gesundheit der heranwachsenden Jugend und der Erwachsenen ist die Schaffung einer ausreichenden Badegelegenheit für die gesamte Jahreszeit mit Schwimmgelegenheit. Aus den angeführten Gründen beantragen wir, dass den angeregten Fragen die ernsteste Aufmerksamkeit gewidmet und ihre Durchführung alsbald in die Hand genommen wird.

Mit Stellungnahme vom 8.1.1923 an den Gemeinderat legte das Stadtbauamt einen umfangreichen Entwurf über die Erstellung eines Schwimmbades, bestehend aus drei Blatt Zeichnungen und diversen Erläuterungen, vor. Unter Punkt 1 dieser Stellungnahme ging das Bauamt zunächst auf den Bauplatz ein und erwähnte unter anderem, dass die Wahl des Bauplatzes in erster Linie von der zum Betrieb des Bades erforderlichen Wärmequelle abhänge.

Der Betrieb eines Schwimmbades durch eigenen selbsterzeugten Dampf sei bei den heutigen Brennma-terialpreisen einfach undurchführbar. Es seien durch den Betrieb des Bades wie es der Entwurf vorsieht täglich mindestens 22 Zentner Koks erforderlich, wodurch ein Aufwand von 66.000,– Mk entsteht. Bei einem angenommenen durchschnittlichen Besuch des Bades von 100 Personen täglich entstünde schon ein Aufwand für Brennmaterial von 660 Mk pro Person.

Abb. 1: Entwurf von 1923.

In dieser Stellungnahme wird dann empfohlen, den Bauplatz in die Nähe des Gaswerkes zu legen, dass ohne großen Verlust eine Ausnützung des daselbst gewonnen Dampfes möglich wäre. Diese Argumentation wird dann noch mit umfangreichem Zahlenmaterial unterlegt. Zur äußeren Gestaltung wird vorgeschlagen, eine einfache und doch dem Zweck des Gebäudes entsprechend würdigen Weise gedacht. Jede überflüssige Höhenentwicklung der Schwimmhalle sei aus wärmetechnischen Gründen zu vermeiden. Als Kostenaufwand wird, man befand sich in einer Inflationszeit, die heute unvorstellbare Summe von 130 Millionen Mk genannt. Als erstes wird darauf hingewiesen, dass zunächst auch die Möglichkeit bestünde, nur das Vordergebäude mit den darüber liegenden Wohnungen zum Preis von 35 Millionen Mk zu erstellen. Bei der Rentabilitätsrechnung ging man davon aus, dass ein jährlicher Aufwand von 10 Millionen Unterhaltskosten und 6 Millionen Betriebsaufwand, also jährlich 16 Millionen anfallen würden.

Abb. 2: Entwurf 1930 von Friedrich Nieddelmann + Sohn

Bei der Rentabilitätsrechnung wird auf das Schwimmbad in der Waldstraße und das Volksbad in der Schulgasse eingegangen. Das Bad in der Waldstraße sei im Jahr 1921 von 12.000 Personen (ohne Reichswehr) besucht worden, bei einem Ganzjahres-betrieb wurde bei der Rentabilitätsberechnung davon ausgegangen, dass etwa 25.000 Personen jährlich als Besucher gerechnet werden könnten. Somit würde sich der Zuschuss pro Besucher auf 400 Mk belaufen. Es wird vorgeschlagen, das Volksbad in der Schulgasse aufzuheben und die dort vorhandenen Wannen und Brausen könnten selbstredend beim Neubau des Bades Verwendung finden. Die Stadt könne es sich nicht leisten, zwei Bäder zu betreiben (Volksbad und Hallenbad). Bei Aufhebung des Volksbades würden allein schon Kosten für das jährliche Brennmaterial (Koks) in Höhe von 2,5 Millionen eingespart.

Im Protokoll vom 13.2.1923 (nicht ersichtlich, ob ein Gemeinderatsprotokoll oder Protokoll eines Gespräches der Fraktionsführer) geht die Stadtverwaltung unter Zugrundelegung des o. g. Entwurfes auf das Schreiben bzw. den Antrag der Sozialdemokratischen Partei vom 24.8.1922 ein. Dort heißt es unter anderem:

Der Vorschlag sieht einen Aufwand von 130 Millionen Mark vor, dürfte aber bei den jetzigen Preisen sich um das Doppelte erhöhen (also nur etwa 35 Tage nachdem das Stadtbauamt seine Sellungnahme veröffentlicht hat).

Des Weiteren wird darauf hingewiesen, dass der Gemeinderat bei der allgemeinen wirtschaftlichen Lage zunächst einmal festzulegen habe, welche der verschiedenen z. Zt. in der Schwebe sich befindlichen Projekte am dringlichsten sind. Von den Fraktionsführern wird übereinstimmend erklärt, dass vorab Mittel für den Wohnungsbau bereitzustellen seien, in erster Linie aber die Mittelstandsoder Stadtküche und sodann die Leichenhalle in Verbindung mit der Friedhofserweiterung in Betracht kämen. Diese Unternehmungen würden die Finanzkraft der Stadt wohl schon derartig beeinflussen, dass die Erstellung des Schwimmbades vorerst zurückstehen müsse.

Damit war das Projekt zunächst vom Tisch, allerdings wohl nie die Diskussion in den politischen Gremien bzw. der Bevölkerung. Mit Schreiben vom 2. 9. 1926 wandte sich die sozialdemokratische Fraktion, hier wieder Herr Schifferdecker, an den Stadtrat Villingen. Im Schreiben wird erneut die Errichtung eines größeren (Hallen)Schwimmbades, durchaus auch in Etappen, beantragt. Unter anderem wird darauf hingewiesen, dass die bestehenden Badeanstalten unzulänglich seien und eine immer größer werdende Anzahl von Badegästen von den Anstalten Gebrauch mache. Im Sinne der Volksgesundheit und Hygiene sei dies erforderlich. Auch wird im Schreiben argumentiert, dass Villingen aufgrund seiner verkehrspolitischen Lage als die Schwarzwaldhauptstadt bezeichnet werde. Die Fraktion der Sozialdemokraten habe den sehnlichsten Wunsch, dass unsere Stadt auch auf dem Gebiet der kommunalpolitischen Leistungen diese Stelle einnähme.

Überhaupt scheint das Thema Bäder oder Hallenbäder in den 20er Jahren ein übergreifendes politisches Thema gewesen zu sein. So schreibt die Karlsruher Zeitung in ihrer Ausgabe vom 28. 2. 1927 unter anderem:

Mit dem Bau von Bädern liegt in den Städten und Gemeinden ein Bedürfnis vor, das in früheren Jahren fast gar nicht befriedigt worden ist und das auch in den langen Kriegs- und Nachkriegsjahren nicht befriedigt werden konnte, obwohl es heute weit dringender als früher sich geltend macht. Weiter heißt es: Es ist noch nicht lange her, dass die Gesellschaft für Volksbäder die Parole ausgab „Jedem Deutschen wöchentlich ein Bad“. Die Bereitschaft, Bäder einzurichten sei in vielen Städten nicht groß. Erst wenn hierin ein Wandel geschaffen ist, wird sich eine Forderung durchsetzen können, die seit langem von allen Ärzten und Jugendbildnern gestellt wird, nämlich die der obligatorischen Einführung des Schwimmunterrichtes an allen deutschen Schulen.

Im Villinger Volksblatt vom 1. 9. 1928 wird unter „Sprechsaal“ auf Folgendes aufmerksam gemacht:

Die heißen Wochen haben dem städtischen Freibad eine riesige Besucherziffer jeden Alters und Geschlechts gebracht. Dabei hat sich aber herausgestellt, dass das Bad für die hiesige Stadt viel zu klein ist. Es ist kein Vergnügen, unter einer so großen Menschenmasse zu baden. Ganz und gar ungeschicklich aber ist es, wenn Schulkinder und Erwachsene zusammen baden, wir denken da vor allem an die weibliche Seite.

Ganz aufschlussreich auch ein Artikel aus dem „Volkswille“ vom 25. Juli 1928: Wenn die Badezeit da ist, begegnet man in der bürgerlichen Lokalpresse Ausführungen über die Mangelhaftigkeit und Unzulänglichkeit des hiesigen Badewesens. So auch dieses Jahr wieder. Es ist dies ein Zeichen über die Unzufriedenheit der Zustände auf diesem Gebiet. Dieses Jahr wirkt sich dies noch schlimmer aus, da die Nachbargemeinden neue Schwimmbäder, Dürrheim sogar ein schönes Strandbad errichtet hat, das sogar von Villingern stark besucht wird. Die Überzeugung ist hier allgemein, dass die Stadt Schwenningen ebenfalls ein Schwimmbad, sogar ein Hallenschwimmbad mit Strandbad hätte, wenn es nicht so wasserarm, sondern im Besitz des Villinger Wasserreichtums wäre.

Aufschlussreich auch ein Artikel im Villinger Volksblatt vom 21. 12. 1928:

Gegenwärtig wird hier in der Öffentlichkeit viel die Frage diskutiert, ob Villingen ein Strandbad oder ein Hallenbad einrichten soll. Wie wir hören, trägt man sich bei der Stadtverwaltung mit dem Gedanken, dieselbe in absehbarer Zeit dem Bürgerausschuss vorzulegen. Für ein Strandbad käme zunächst der Platz bei der Feldnermühle in Frage. Das kleinste derartige Projekt, ohne Gebäude, käme auf etwa 70.000 Mk zu stehen. Selbstverständlich wäre bei Durchführung des Projektes das Hallenschwimmbad für längere Zeit erledigt.

Allerdings wird auf die wetterbedingte nur kurze Nutzungsmöglichkeit hingewiesen, und so kommt das Villinger Volksblatt im genannten Bericht zur Auffassung, dass letztendlich nur ein Hallenbad die richtige Lösung sei. Weiter wird (zum Hallenbad) angemerkt:

Da die Heizung durch das Gaswerk erfolgen soll, käme für die Erstellung des Hallenbades der Platz bei dem Gutleutehaus in Frage, der zudem den Vorzug hat, in der Nähe des Bahnhofes gelegen zu sein.

Interessant in diesem Bericht auch, dass die Kosten sich im Bereich von 450.000,– bis 500.000,-Mark belaufen dürften. Es wird auch auf andere wichtige Dinge hingewiesen, welche die Stadt möglicherweise vor einem Hallenbad errichten sollte. Es sind dies die Erstellung des Mütterheimes, die Erweiterung des Krankenhauses, ebenso die weitere Lösung der Spitalfrage, namentlich die eventuelle Erstellung eines Städtischen Gutshofes. Weiter wird an die bessere Ausgestaltung der Altertumssammlung, die anderweitige Unterbringung der Polizei und an die Kinderschulfrage erinnert.

Mit Stellungnahme vom 7. 12. 1928 legt das Stadtbauamt eine Kostenaufstellung zur Errichtung eines Strandbades (ohne den Standort zu nennen) vor. Diese belaufen sich für das Strandbad auf 49.200 Mark, ein Empfangsgebäude in einfacher Ausführung ohne Café auf 64.000 Mark, Brücken- und Weganlagen verursachen einen Aufwand von 30.000 Mark, Gesamtaufwand somit 143.200 Mark. Falls das Projekt noch mit einer Sportwett- und Schwimmbahn mit Sprungbrett-schanze ausgeführt werden würde, wäre ein weiterer Aufwand von 6.000 Mark erforderlich, der Einbau eines Cafés im oberen Stock des Empfangsgebäudes sollte dann noch einmal einen Mehraufwand von 30.000 Mark erfordern.

Mit Schreiben vom 17. 8. 1929 wandte sich der Villinger Verkehrsverein an den „Verehrlichten Stadtrat“, beschwert sich unter anderem über die Sauberkeit des Wassers im städtischen Schwimmbad an der Waldstraße und dringt auch, solange ein Hallenbad aus finanziellen Gründen nicht erstellt werden könnte, auf die Schaffung eines Strandbades. Vom Verkehrsverein wird aber nicht die Feldnermühle, sondern, ohne nähere Bezeichnung, ein Strandbad in der Nähe des Kirnacher Bahnhofes vorgeschlagen. Begründet wird dies mit dem Vorteil, dass Villingen ein Wald-Strandbad hätte, welches auch leicht mit der Bahn erreicht werden könnte. Auch die Nähe zum Waldhotel wird erwähnt, da die Nähe zum Waldhotel diesem auch größeren Nutzen bringen würde.

Die Diskussionen über den Bau eines Bades scheinen dann deutschlandweit bekannt geworden zu sein. Dies zeigt sich unter anderem darin, dass ein Architekt Hans Heinrich Grotjahn aus Leipzig mit Schreiben vom 19. 8. 1929 seine Dienste anbietet und auf seine Erfahrungen verweist. In einem Schreiben der Stadt an eine Firma H. Schaffstaedt GmbH Gießen bezieht man sich auf ein Gespräch mit einem Vertreter dieser Firma und den Herren Oberbürgermeister Lehmann und Stadtbaurat Ganter. Der genannten Firma wurden Lagepläne von zwei Plätzen zugesandt mit der Bitte, Skizzen und Kostenpläne zu erstellen. Leider wird in diesem Schreiben nur darauf hingewiesen, dass der Zugang von der Schwedendammstraße aus erfolgen solle, der zweite Platz ist nicht erwähnt. Wenn der Zugang von der Schwedendammstraße zu erfolgen hat, kann davon ausgegangen werden, dass man sich wieder über einen Standort auf dem Warenburgplatz Gedanken machte, zumal in diesem Schreiben von Hallen- und Freibädern die Rede ist.

Im Protokoll vom 6. 11. 1930 ist zu lesen:

Dem Stadtrat wurde in seiner heutigen Sitzung das Projekt des Hallenschwimmbades, welches auf dem ehemaligen Mayerschen Anwesen am Romäusring (heute Theater am Ring) zu stehen kommen soll, vorgelegt. Stadtbaurat Ganter machte nähere Angaben zum Objekt. Der Oberbürgermeister erklärte, dass an Ausführung des Projektes bei den gegenwärtigen Verhältnissen vorerst nicht gedacht werden könne, dass aber nunmehr die Tatsache bestehe, dass ein entsprechendes Projekt vorliege und dies jederzeit zur Ausführung kommen könne sobald die erforderlichen Mittel vorhanden sind. Erstmals wird also ein Standort ohne Anbindung an das Gaswerk erwähnt.

Der „Volkswille“ schreibt dazu am 10. 11. 1930 unter anderem:

Ob die neue Idee der Verbindung des Hallenschwimmbades mit einer Fernheizungsanlage jemals durchführbar ist, soll dahingestellt bleiben. Solche Fernheizungsanlagen gibt es in anderen Städten; ob sie aber für die hiesigen klimatischen Verhältnisse zweckmäßig erscheint, ist zumindest fraglich. Der Platz auf dem früheren Mayerschen Anwesen wird aufgrund der Nähe zur Stadt als außerordentlich günstig angesehen, es wird von Kosten in Höhe von 350.000,– Reichsmark gesprochen.

Interessant zum Schluss des Berichtes über die nicht verwirklichte Geschichte eines Hallenbades zwischen den Kriegen ist vielleicht noch die Tatsache, dass sich ein Herr Franz Flockenhau aus Düsseldorf mit Schreiben vom 9. 5. 1931 um eine Stelle als Bademeister für das neue Hallenbad beworben hat. Die Stadt teilt im Schreiben vom 11. 5. mit, dass eine Vormerkung für die Stelle eines Bademeisters für das zukünftige Hallenbad zwecklos sei.

Der II. Weltkrieg und die Nachkriegszeit ließen die Verwirklichung des Hallenbades wiederum nicht möglich erscheinen. Aber kaum war die totale Niederlage überwunden und Industrie und Wirtschaft wieder intakt, tauchte im Rahmen des sich abzeichnenden Wirtschaftswunders die Forderung nach dem Bau eines Hallenbades wieder auf. Im Jahr 1955 brachte der Gemeinderat auf Vorschlag des OB Severin Kern das Hallenbad auf den Weg, als er das Bad in einen Zehnjahresplan aufnahm. Die Stadt war zwischenzeitlich auf 25.000 Einwohner gewachsen. Verfestigt wurde diese Absicht durch die Aufnahme des Hallenbades in den Sportstätten-Leitplan der Stadt Villin-gen im Jahr 1958. Erleichtert wurde die Entscheidung auch dadurch, dass der Anschluss an die Bodenseewasserversorgung bevorstand bzw. mit der Eröffnung sichergestellt war. Im damaligen Zehnjahresplan rechnete man mit Kosten von 1,5 Millionen DM. Tatsächlich betrugen die Gesamtkosten dann 6 Millionen DM, städtische Mittel waren 4 Millionen, Spenden und Totomittel 2 Millionen.

Ende 1959 wurde ein Hallenbadförderverein gegründet. Initiator und Vorsitzender war Herr Dipl.-Ing. A. Stockburger, welcher es sich nicht nehmen ließ, bei der Eröffnungsveranstaltung am 18. 12. 1965 mit Frack und Zylinder vom Sprungturm zu springen. Stadtoberbaurat, Architekt Julius Nägele, schreibt in der Festschrift, welche anlässlich der Eröffnung herausgegeben wurde über die Planung und den Bau, ebenso auch über architektonische und gestalterische Überlegungen. In der Festschrift heißt es dazu:

Nach Prüfung des Programmes durch die Deutsche Sportstättenberatungsgesellschaft Köln-Müngersdorf, den Bäderbaufachmann Baudirektor Stephan, Karlsruhe, und durch Herrn Dr. Fabian vom Deutschen Schwimmverband, beschloss der Gemeinderat die Ausschreibung eines öffentlichen Wettbewerbes unter gleichzeitiger Aufforderung von drei Architekten, die bereits Erfahrung im Bau von Hallenbädern besaßen. Insgesamt 25 Architekten reichten Entwürfe ein, es wurden durch das 15-köpfige Preisgericht zwei erste Preise verliehen, wobei Herr Architekt Dipl.-Ing. Goesmann, Hannover der Vorrang gegeben wurde. Bauleitender Architekt vor Ort war der ortsansässige Architekt R. Sturm.

Aus dem Protokoll des Preisgerichtes ist zu entnehmen:

„Dem Verfasser ist es gelungen, die geschickt gruppierten Bautrakte weitgehend dynamisch zu gestalten und sie mit Sicherheit in der gärtnerisch feinfühlig gegliederten Umgebung einzuordnen.“ Oder auch: „So spannend wie das Innere ist die äußere Gestaltung, die eine souveräne Beherrschung der Gestaltungsmittel verrät.“

Zur Konstruktion wird berichtet:

Bedingt durch die Hanglage und durch die Tiefe des auch von unten zu kontrollierenden Schwimmbeckens (Erbebengefahr im Südschwarzwald) musste das Bauwerk weit in die Erde eingreifen. 25 Meter weit gespannte geschweißte Stahlträger ruhen auf schlanken Stahlstützen der Südfassade und auf Stahlstützen im nördlichen Hallenteil. Die großen Giebelwände in der Halle sind aus Murgtaler Granit. Die Hallendecke ist aus Schwarzwaldkiefer in schmalen Brettern schallschluckend ausgebildet. Neben dem Hallenbad wurden auch eine Sauna und Dienstwohnungen errichtet. Seine eigenwillige Bauform ist dem Schwarzwaldbauernhaus als dem Zeichen unserer Landschaft entnommen (Grußwort von OB Severin Kern, Festschrift zur Eröffnung).

Baubeginn war am 18. Juni 1963, das Richtfest fand am 9. 10. 1964 statt, Probefüllen der Becken erfolgte im Frühjahr 1965 durch die Freiwillige Feuerwehr Villingen, Eröffnung war nach nur 30 Monaten Bauzeit am 18. 12.1965. Der Eintrittspreis für Erwachsene betrug 0,60 DM, für Kinder und Jugendliche 0,30 DM. Das Hallenbad Villingen war das erste Hallenbad, welches nach dem II. Weltkrieg in Südbaden eröffnet wurde.

Am Sonntag, dem 19. 12. 1965 wurde die Eröffnung mit einem ansprechenden Rahmenprogramm gefeiert. Dies unter Teilnahme des Schwimmclub Villingen, der örtlichen DLRG, des Schwimmund Skiclub Schwenningen, der deutschen Meistern im Turm- und Kunstspringen Michael Kastner, München und Joachim Scherf, Freiburg, sowie, als besondere Attraktion, der „Isarnixen“ aus München.

Es gab aber auch Kritik. So bemängelte der Elternbeirat des Gymnasiums, dass ihre Kinder, welche an Stelle des Pflichtsportunterrichtes Schwimmunterricht erhielten, für diese Schwimmstunde 0,30 DM bezahlen sollten. Weiter wurde bemängelt, dass Jugendliche ab dem 15. Lebensjahr beim Eintrittspreis den Erwachsenen gleichgestellt würden. Einige interessante Anmerkungen aus der durch den Gemeinderat verabschiedeten Hausordnung:

Es ist verboten, wild herumzulaufen, zu lärmen oder zu singen. Auch dürfen keine Radios oder Phonogeräte mitgebracht werden, das Rauchen ist lediglich in der Milchbar gestattet, Hunde haben im Bad natürlich auch nichts zu suchen. Ein Punkt, der die „Gleichberechtigung“ – wie sich OB Kern ausdrückte – dokumentiert besteht darin, dass sowohl männliche als auch weibliche Besucher Bademützen tragen müssen (Südkurier vom 17. 12. 1965).

Über einen weiteren interessanten Aspekt zur Geschichte des Bades kann auch Hansjörg Fehrenbach, Ehrenratsherr der Narrozunft, damals Bauzeichnerlehrling im Stadtbauamt Villingen, berichten. 1963 erschien ein Bildband mit dem Titel: „Die schönsten Schwimmbäder der Welt“. Darin wurde unter anderem über das neuerbaute Olympiabad in Rom berichtet, ebenso über weitere, international bedeutende Bäder. Da das Villinger Hallenbad zur Zeit des Erscheinens des Bildbandes (1963) noch im Bau war, wurden Fotos von dem detailgetreuen und hervorragend gearbeiteten Modell im Massstab 1:100 gezeigt. Des weiteren erschien 1970 ein umfangreicher Bildband „Bäderbauten“, auch darin ist das Villinger Hallenbad neben anderen bedeutenden Bädern zweisprachig umfangreich erwähnt. Auch dieser Bildband wurde international vertrieben. In einem Kommentar von Südkurier-Redakteur Heinz Wegmann heißt es am Tag der Eröffnung: Das endgültige Urteil über geistiges Profil und wirtschaftliche Zweckmäßigkeit architektonischer Schöpfungen bleibt späteren Generationen vorbehalten. Heute, zwei Generationen später, kann bestätigt werden, dass die damaligen Stadtväter, Architekten und Fördermitglieder die richtige Entscheidung getroffen haben.