Vom Laien zum anerkannten Historiker (Wolfgang Bräun)

In dankbarer Erinnerung an Hermann Preiser

 

Hermann Preiser konnte im 93. Lebensjahr die letzte Ehrung für 75 Jahre Mitgliedschaft bei der Historischen Narrozunft am 5. Januar 2002 nicht mehr erfahren.

Wie erst Tage später durch die Todesanzeige bekannt wurde, verstarb einer der ältesten Villinger am 30. Dezember des ausgehenden Jahres 2001. Um Hermann Preiser, den ortsbekannten Hersteller und Spezialisten für Essenzen, Aromen und Schnäpse, trauerte man auch beim Geschichts- und Heimatverein, zu dem er seit der ersten Stunde 1969 gehörte und über viele Jahre zweiter Vorsitzender war.

Geboren wurde Hermann Preiser 1908 in der Kronengasse, wo sein Vater in einem kleinen Laboratorium Extrakte aus Mosten zog. Von 1912 an lebte die Familie Preiser in der Bahnhofstraße, an der man in die frühere Zigarrenfabrik Kaiser eingezogen war.

Hermann Preiser erlernte das Kaufmannswesen im elterlichen Betrieb an der Bahnhofstraße; einer Fabrik für Spirituosen und Essenzen und im Volksmund „de Schnaps-Preiser“ genannt.

Noch im Frühjahr 2001 erinnerte sich Hermann Preiser bestens an seine damalige Schulzeit, als er im Zusammenhang mit dem 100-jährigen Schuljubiläum der Kaufleute Villingens bei interessanten Informationen zur Festschrift mitwirkte.

So belegte auch das noch vorhandene Zeugnis des jungen Lehrlings Preiser von damals: Im „Betra- gen“ in allen Halbjahres-Zeugnissen die „Eins“ und im „Fleiß“ über drei Berufsschuljahre die „Zwei“. Das waren zu Beginn der 20-er Jahre die „Kopfnoten“ von Lehrling Hermann Preiser.

Bereits 1926 musste der junge Kaufmann Preiser mit 18 Jahren den elterlichen Betrieb übernehmen, nachdem der Vater sehr früh an den gesundheitlich schweren Belastungen verstarb, die ihn zu seiner Zeit als Soldat geschädigt hatten.

Preisers Teilhaber an der Herstellung von Aromen und Essenzen für Spirituosen wurde Otto Zimmermann, der ihn vertrat, als Hermann 1931 Berufserfahrung in Breslau und in Frankfurt sammelte. Nach seinem Wehrdienst, durch den er als Funker bis nach Norwegen im Einsatz war, geriet Hermann Preiser in französische Gefangenschaft. Durch die Gunst einer älteren Französin durfte er dank seiner Erfahrung und seines Könnens deren Brennerei führen.

Doch die Rückkehr nach Villingen war schwer belastet. Haus und Fabrik in der Bahnhofstraße waren durch Luftangriffe schwer zerstört worden. Mit seiner Frau und den fünf Kindern schaffte er den Wiederaufbau des Unternehmens zur erneut renommierten Fabrik für Spirituosen. Sohn Werner führt bis heute die Familientradition fort.

 

Preiser war nicht nur seit 1969 dem GHV eng verbunden, wegen seiner Leidenschaft für die Bergwelt wurde er auch Wanderwart beim Deutschen Alpenverein, der ihn 1994 für 60 Jahre Mitgliedschaft ehrte. Höchste Auszeichnung für Preiser war die Goldene Ehrennadel des Landes, die ihm von OB Gebauer verliehen wurde.

Im Nachruf würdigte auch der Geschichts- und Heimatverein Preisers langjähriges Wirken: „Preiser ist als Laie zum anerkannten und geschätzten Historiker geworden, der mit Herz und Verstand eine lebendige städtische Geschichtskultur verkörperte“, so der GHV-Vorstand im Januar 2002 in dankbarer Erinnerung an den kenntnisreichen Villinger, der auch Sitz im Museumsbeirat der Stadt hatte. Während 25 Jahren hat Hermann Preiser auch zahlreiche geschichtskundliche Arbeiten veröffentlicht, zu denen „Die Herren von Kürneck“ genau so gehörten wie „Der Villinger Glockenraub“, „Die Wasserbelagerung von 1643“ oder auch die Geschichte und Entwicklung der vorderösterreichischen Radhauben und der Villinger Tracht. Seine Beiträge über die Historie seiner Heimatstadt waren in zahlreichen Jahresheften des GHV zu lesen. Hermann Preiser wurde nach dem Jahreswechsel 2001/2002 im engsten Familienkreis beigesetzt.