Die Bötin nach Frieda Heinzmann

Anekdotisches aus der alten Stadt

Johann Burkhardt, laut Adressbuch von 1902: Kaufmann, Oberstr. 179, (heute Obere Straße . . .) besaß als einer der Ersten in der Stadt das vornehme Statussymbol eines Autos. Gewiss, ein damals noch PS-schwaches, gemächlich dahinfahrendes aber dafür laut tuckerndes technisches Gefährt: nicht weniger beargwöhnt und mit ängstlichem Misstrauen vom einfachen Volk beäugt. Es mag also um die Zeit bald nach 1900 gewesen sein als der Kaufmann, von Bad Dürrheim kommend, am Villinger Berg, auf der staubigen Landstraße gen Villingen, einer Bötin aus Villingen begegnete.

Eine Bötin war einst eine mit vielfältigen Aufgaben betraute Geschäftsbesorgerin. Sie war ebenfalls auf dem Rückweg zur Stadt. Das schnaubende Vehikel stand still und Kaufmann Burkhardt fragte die ihm bekannte Frau ob sie aufsitzen wolle. Es war wohl eher deren Furcht vor dem ratternden Ungetüm mit der sie sich in die folgende Antwort flüchtete: „O nei, viele Dank Herr Burkhardt, i lauf lieber, wisset sie, mir pressiert’s.“

(Erzählt von unserem ältesten GHV-Mitglied, Frau Frieda Heinzmann, 96)

 

Ja, so war man früher, wohl so Ende der 20er Jahre, unterwegs. Mit dem Postauto, vollgummibereift, mit Kettenantrieb und Rechtssteuerung. Am Steuer sitzt hier Willi Harter …

 

 

… oder so: Mit Fotograf Schollmeyer, der nicht nur in seiner“Lichtbild-Werkstätte“ Portraits von den Villingern machte, sondern auch immer wieder für spektakuläre Aktionen sorgte.

 

 

Und dann gab’s ja auch noch in den Dreißigern die sagenhaften Ausflüge mit dem Cabrio-Omnibus von Auto Maier. Hier ist es der Münsterchor, der mit Fritz Maier am Steuer, zur Fahrt ins Blaue startet. Herbert Schroff hat uns freundlicher Weise diese Fotos aus seinem reichhaltigen Archiv zur Verfügung gestellt. Die älteren GHV-Mitglieder können sicher noch einige der Ausflügler identifizieren. Übrigens: 42 Sitzplätze hatte der Magirus-Maybach und 100 PS unter der langen Kühlerhaube. Mit 52 Sachen „raste“ er über die Landstraße.