Als im Villinger Westen noch gefischt wurde: Vom Damm und dem Neuen Weiher am Sachsenwäldle (Wolfgang Bräun)

Ober-Forstdirektor Rodenwaldt dachte 1976 noch an Wasser-Erholung am Stadtrand

Bei Berufen in der Vergangenheit kann man an vieles denken, an Stadt- und Tor-Knechte, an Zapfenwirte und Wein-Kontrolleure, an Ziegelherren oder auch an Schwarz-(Brot)-Bäcker. Dass es in Villingen jedoch mal Berufsfischer gab, wie den Mathias Riegger, das hätte selbst der gebürtige Villinger mit Historien-Ambitionen nicht gedacht. Fischer Riegger kam nun aber nicht seiner aufrichtigen berufsständischen Haltung wegen in die Annalen, vielmehr wurde er 1683 „eingetürmt“ und wenige Tage später noch mit einer sehr hohen Geldstrafe von 50 Gulden belegt.

Denn seine Straftat hatte mit dem Neuen Weiher ganz im Westen der Stadt zu tun. Dort, wo der Warenbach noch heute fließt und dieser einst mit einem vier Meter hohen Damm zu einem „Weiher mit ziemlich großer Ausdehnung“ aufgestaut wurde.

Säge-Kanal. Das muss zwei, drei Jahrzehnte vor 1630 gewesen sein, als die Chronik der Ratsprotokolle erstmals als Ortsangabe „bey dem neuwen weyer“ nennt. Weil sich das Warenbachtal etwa auf Höhe der einstigen Burg Runstal stark verengt, sollte der Damm das Wasser auch über einen Kanal mit leichtem Gefälle auf die linke Talseite führen, wo eine kleinere Sägerei auf die Wasserkraft wartete; dort, wo heute die Schleife- Kapelle gleich beim Sachsenwäldle steht.

Neuer Weiher. In Ratsprotokollen jener Zeit wird der Neue Weiher als „gezogen“ erwähnt, in dem dann auch gefischt werden durfte (1610). Und so lieferten die Fischer des 17. Jahrhunderts ihre Fänge wohl am liebsten bei ihren Stammkunden ab, weil sie dort zum jeweils aktuellen Tagespreis wohl auch noch ein Trinkgeld erhielten.

Die Fische, so sie denn im Neuen Weiher gefangen wurden, sollten jedoch eher auf dem Markt angeboten werden: „Karpfen das Pfund für sechs Kreuzer, die anderen nach Gestalt der Sache“.

Abb. 1: lfd. Jahresdaten aus: Rodenwaldt, Ulrich; Das Leben im alten Villingen.

Daran nun hatte sich dieser Mathias Riegger, wenn auch deutlich später nach 1610 nicht halten wollen. So wurde er „beklagt, dass er bei Fischung nicht all seine erforderliche Mühe und Arbeit verrichtete, sondern ganz untreu sich gezeigt habe, indem er eine große Anzahl Fische für sich und seinen eigenen Weiher behalten habe…“. Und dies obwohl der Weiher im Eigentum der Stadt stand. Glatte Fische. Zu den damals üblichen Preisen für den Wochenmarkt, die der Rat bestimmte, wird Jahre für 1721 vermerkt: „… der Preis für Fische gilt für glatte Fische auf 8 Kreuzer je Pfund, für raue Fische auf 4 Kreuzer je Pfund“. So wünschte der Rat der Stadt einen öffentlichen Verkauf zu festen Preisen, damit jedermann in den Genuss der Ware kommen konnte. Nicht nur zur Fastenzeit.

Abb. 2: Stadt und Feldmark Villingen um 1800.

Nachdem der benannte Damm 1740 durchstochen wurde, brach man auch die Säge im Jahre 1879 ab und verlegte sie vor das Riettor bei der ehemaligen Spitalmühle (später Sägewerk Storz). Was blieb, sind die Wiesen, die bis heute noch den Namen „Weiherwiesen“ oder auch „Schleifenwasen“ tragen. Gleich dort, wo das inzwischen stark verlotterte Sandwegle in Richtung Pfaffenweiler beginnt. Wassererholung. Nach Ulrich Rodenwaldt (1907 – 1992), dem ehemaligen Oberforstdirektor der Stadt, und seinem Werk, „Das Leben im alten Villingen“, habe man sowohl 1765 wie auch 1766 erwogen, den Damm wieder aufzufüllen. Rodenwaldt selbst stellte 1976 noch fest, dass man „ohne großen Aufwand“ eine Wasser-Erholung hätte schaffen können.

Abb. 3: Die Gemarkung im Mittelalter mit Burk Kirneck, Runstal und Warenburg und den damaligen Kapellen.

Das war lang nach der Zeit, als ganz fortschrittliche Bürger die Idee hatten, man könne das angrenzende Tannhörnle zum Golfplatz gestalten, man jedoch den hintere Warenberg, auch das vordere Laible genannt, nicht weiter bebauen solle, da man hier einen zweiten Friedhof gestalten könne. Nun darf man sich in der Bürgerschaft wenigstens daran erfreuen, dass im vergangenen September 2017 die Sanierung des maroden Sandwegles begonnen wurde.

Abb. 4: Blick zum einstigen Weiherdamm über den Wieselsbach.

Bildunterschriften:

Abb. 1: lfd. Jahresdaten aus: Rodenwaldt, Ulrich; Das Leben im alten Villingen.

Abb. 2: Stadt und Feldmark Villingen um 1800: so skizzierte 1964 Hans Maier, der frühere Obervermessungsrat, die Flur im Westen…

Abb. 3: … und die Besiedelung der Gemarkung im Mittelalter mit Burg Kirneck, Runstal und Warenburg und den damaligen Kapellen.

Abb. 4: Blick zum einstigen Weiherdamm über den Wieselsbach, der den Warenbach speist. Die Dammhöhe dürfte wohl bei acht bis zehn Metern liegen. Im Hintergrund ist das Dach des „Schleife-Hofes“ zu erkennen. Der Standort ist über den Walkebuck und den Waldkindergarten in Richtung Ruine Runstal als herrlicher Kurz-Wanderweg zu erreichen.

Bild: Bräun / Karten als Repros: Archiv wob.