„Die Neustädter Straß’ ”: Wo einst die Fuhrleute nach Freiburg zogen Wolfgang Bräun

Ein letzter Grenzstein vor dem Sachsenwäldle

Schleichweg mehr, wenn es darum geht, beruflich, studentisch oder als Einkaufsbummler auf kürzestem Weg nach Freiburg zu gelangen: Tannheim, rechts weg in Richtung Zindelstein, an der Breg entlang nach Hammereisenbach und dann über Urach, St. Märgen und St. Peter; macht 66 Kilometer bis Ebnet. Auch mit dem Rad wäre so was in einem Tag zu schaffen, doch nicht auch um das Jahr 1783, als die „geschworenen Geometer Broz & Vozeler“ erstmals eine „Neustädter Straß“ in ihrem Plan über die „K.K. Vorderöst. Stadt Villingen samt Unterkirnach“ benannten. Ihre Beschreibung begann in der Roten Gasse, dem Beginn „Neustädter Straß“, die deshalb so heißt, weil an ihr roter Sandstein gebrochen wurde, obwohl in der ganzen Umgebung die Oberfläche aus Muschelkalk besteht. Weil aber der gesamte Weg „mit Steinen aus dem Bruch eingeworfen wurde“, so Hans Maier 1964 in seinen „Flurnamen“, ist die Rote Gasse schließlich zu einer Ortsstraße geworden.

Abb. 1: Die handkolorierte Karte aus den 60ern zeigt den westlichen Teil der Stadt.

Erbaut wurde die Straße in Richtung Freiburg im 14. Jahrhundert, weil man das Bündnis zwischen Freiburg, Villingen und Rottweil aus 1340 zu „gegenseitigem Schutz und Trutz“ bekräftigen und stützen wollte. Gegen den Bau anderer Verbindungsstraßen zwischen Breisgau und Schwaben schützten sich die Städte Freiburg und Villingen durch „erkaufte Privilegien“, wobei man in der Folge „eifersüchtig darüber wachte, dass ihrer Straße von keiner Seite Abtrag getan wurde“. Doch war selbst durch Prozesse und Beschwerden nicht zu verhindern, dass die Wege durchs Höllental und das Simonswäldertal ausgebaut wurden und die an Bedeutung verlor.

Abb. 2: ein Grenzstein an der ehemaligen „Neustädter Straß“.

Waren es doch ab und an auch katastrophale Unwetterereignisse, die dazu führten, dass die Straße stark beschädigt wurde und man sich darüber stritt, wer den Unterhalt zu leisten hatte, weshalb dies meist nur in dürftigem Zustand geschah. So wurde sie nach und nach unbefahrbar und im 30-jährigen Krieg lauerte auch noch die räuberische Gefahr überall.

Doch darf man sich von alten Straßen keine allzu großen Vorstellungen machen, schreibt der ehemalige städtische Obervermessungsrat Maier, glichen diese doch eher heutigen Feldwegen, wie die 1.000 Meter vom Walkebuck zur Runstal-Ruine (ein
toller Spaziergang, weiter bis zum Glaserbrückle und
zurück übers Sandwegle) und mit Steigungen, die einst mit Karren und Zugtieren nur nur mit Mühe zu nehmen waren…

Bildunterschriften:

Abb. 1 Durch die Rote Gasse führte einst der Weg nach Herzogenweiler und weiter nach Freiburg und von dort hierher. Die handkolorierte Karte aus den 60ern zeigt den westlichen Teil der Stadt.

Abb. 2 Versteckt, vergessen und doch markant: ein Grenzstein an der ehemaligen „Neustädter Straß“ der alten Stadt Villingen aus vergangener Zeit, gleich neben dem Turm der St. Konradskirche am Walkebuck.

Bild/Repro: wob.