Mit Audioguide durch das Franziskanermuseum (Michael Tocha)

Abb. 1: Flyer Audioguide.

Die Museen in Villingen-Schwenningen gehen mit der Zeit. Nachdem schon eine App zu Erkundung des Magdalenenbergs eingerichtet worden ist, können Besucher des Franziskanermuseum ihren Rundgang nun mithilfe eines Audioguides vertiefen. Kostenlos erhält man an der Kasse ein kleines Gerät, mit oder ohne Kopfhörern, auf dem die drei Bereiche des Museums ausgewählt werden können. Sie werden jeweils durch eine Einführung eröffnet, dann werden aus den Sammlungen für die Stadtgeschichte 30, für den Magdalenenberg 14 und für die Schwarzwaldsammlung 31 Objekte angeboten. Die Erläuterungen sind sehr gut verständlich und dauern 1 – 2 Minuten. Das erscheint als genau die richtige Länge, um wesentliche Informationen zu vermitteln, ohne den Besucher zu überfordern. Das Gerät ist leicht handhabbar und

Abb. 2: Kopf Ferdinand mit Audioguide. Städtische Museen

schaltet nach jeder Information selbsttätig auf die Übersicht zurück, so dass man den Rundgang an jedem beliebigen Punkt fortsetzen kann. Für Gäste aus dem Ausland steht das Programm auch in englischer Sprache zur Verfügung, mit dem sie sich von authentischen amerikanischen oder britischen Sprechern durch das Museum führen lassen können.

Abb. 3: Altertümersammlung. visual artwork

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Wenn aus einer Fülle von Exponaten ausgewählt werden muss, lässt sich über die Ergebnisse stets diskutieren, das ist unvermeidlich. Mancherlei Thema findet keine Berücksichtigung: die Benediktiner, die Theaterkulissen,

Abb. 4: Stadtgeschichte Theaterkulissen. visual artwork

die vor kurzem noch im Mittelpunkt des Interesses standen, die Strafjustiz, die bei Schülern erfahrungsgemäß auf großes Interesse stößt, die umfangreichen Sammlungen von Kienzle- und Saba-Apparaten im 2. Obergeschoss. Natürlich

Abb. 5: Waagbalkenuhr. visual artwork

hätten da die Schwerpunkte auch anders gesetzt werden können, aber dass ausgewählt und weggelassen werden muss, ist ohne Alternative. Für

Abb. 6: Stadtgeschichte ab 1800, Einweckgläser.

Städtische Museen

den Besucher besteht die Einschränkung letztlich nur darin, dass er nicht alles hören kann, was ihn interessiert, aber doch lesend mithilfe der Tafeln zu den gewünschten Informationen kommt. Das Bestreben der Programmgestalter, zentrale und exemplarische Objekte anzubieten, wird deutlich: die Grabkammer des Magdalenenbergs (selbstverständlich), bei den Belagerungsgemälden die Konzentration auf die Tallardsche Belagerung 1704. Bemerkenswert erscheint die Präsentation der Fastnacht: hier wird neben der Villinger Schlossburscheme der Schwenninger Hansel herausgehoben. Ebenso wird das Porträt des Handelsmanns Michael Schwert besprochen, der aus Schwenningen stammte und zum Villinger wurde. Offensichtlich wurde also auf Objekte geachtet, die eine gesamtstädtische Sichtweise hergeben. Auch das ist zeitgemäß.

Der Audioguide verleiht dem Museumsbesuch eine neue Qualität. Der Besucher von auswärts wird zielgerichtet in unsere Geschichte eingeführt und bleibt bei der Gestaltung seines Rundgangs doch stets selbstbestimmt. Und auch der Einheimische, der „sein“ Museum zu kennen glaubt, kann ihm auf komfortable Weise neue Einsichten abgewinnen. Es lohnt sich, wieder einmal hinzugehen.