Schüttet bis heute: die Tüttel-Quelle an Stähelins Halde (Wolfgang Bräun)

Radler und Jogger, Schüler und Senioren kennen schon seit Jahrzehnten den direkten und schnellsten Weg nach Rietheim. Selbst ein Ex-OB hatte vor mehr als 16 Jahren für seinen Wohnsitz einst schnell erkannt, wie man über die alte Rietheimer Straße hin und weg vom Rathaus kommt.

Abb. 1: Alte Rietheimer Straße, einst Tüttel-Gasse.

Bis des OB’s Schleichweg mit dem Dienstwagen populär wurde und er davon abließ, das geltende Pkw-Verkehrsverbot zu umgehen.

Kaum noch bekannt ist indes der Name der einstigen Ortsverbindung gen Süden als „Bei der Tüttelgasse“. War sie doch Teil der Stähelins-Halde, die 1540 erstmals erwähnt wurde.

Abb. 2: „Tüttelgasse“ im Süden der Stadt.
Abb. 3: in Sand-Stein gefasste „Tüttelquelle“, hier in Sepia-Optik gewandelt.

Die Familie der Stähelin gehörte einst mit den Thanheimern zu den ältesten und vornehmsten Patriziern der Stadt, von denen einzelne auch ins Amt des Schultheißen kamen, wie 1299 ein „cunrat steheli“, und die Mannsbilder wohl stets auch zur Zunft der „Ehrsamen Müßiggänger“ gehörten.

Bis 1792 war das Gewann namentlich auch populär, „wo ein großer rauer Kalkstein“ die Ortslage bestimmte.

Benannt wurde die „Tüttelgasse“, bis heute Ackerland, nach der gleichnamigen Quelle des „Tüttel-Brunnen“ mit einer doch recht starken Schüttung, die östlich dieses Weges entsprang und bis heute in Quadern gefasst erklecklich sprudelt.

Selbst ortskundigen Villingern dürfte der Begriff „Tüttel“ indes nicht geläufig sein, auch wenn das Wort von „dutte, düttel oder dütze“ abstammt, was so viel wie „Rohrkolben“ heißt.

Und so floss die Quelle früher gen Osten in Richtung des heutigen Marbacher Weiher ab, wo

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das teilweise sumpfige Gelände tatsächlich mit „Kanonenbutzern“ bewachsen ist.

Eine Quelle wie die Tüttel-Quelle, was oberdeutsch auch als Brunnen gilt, spielte im früheren Volksglauben eine große Rolle, weil deren Ausfluss als Eingang zu den Mysterien der Unterwelt und als Sitz göttlicher Wesen wie den Nymphen galt, so Hans Maier sowohl 1929 wie auch noch 1962.

Ob das Wort, der Name „ditel“, dann auch noch als Kennzeichen des „Bösewicht“ gilt, wollte Hans Maier 1962 jedoch nicht weiter ausführen…

Bildunterschriften:

Abb. 1:    Vespern und pausieren ja, aber Grillen ist nicht erlaubt an der Tüttel-Quelle.

Abb. 2:    War schon seit ewigen Zeiten die Verbindung nach Rietheim die „Tüttelgasse“ ganz im Süden der Stadt.

Abb. 3:    Schüttet seit Jahrhunderten: die längst in Sand-Stein gefasste „Tüttelquelle“ an der Stähelinshalde gen Rietheim.

Bilder: Bräun

Literaturhinweis    Redaktion

Johann Dietrich von Pechmann: Obrist Hans Werner Äscher von Bünningen – Obersthauptmann der vier Herrschaften vor dem Arlberg und Verteidiger von Bregenz 1647, in: MONTFORT. Zeitschrift für Geschichte Vorarlbergs. 69. Jahrgang 2017 Band 1, S. 59 – 126.

Diese Ausgabe der Zeitschrift MONTFORT befindet sich auch in der Bibliothek des Stadtarchivs Villingen-Schwenningen.

In der Einleitung zu seinem umfangreichen Beitrag über Obrist Hans Werner Äscher von Bünningen (1582 – 1652) schreibt Johann Dietrich von Pechmann, dass er bei der Beschäftigung mit dem „Copei-Buch“ des Abts Georg Michael Gaisser des Benediktinerklosters St. Georgen im Schwarzwald, das 1644 angelegt worden war, auf die Korrespondenz des Abtes mit Äscher von Bünningen gestoßen ist. „Mir war Äscher bis dahin nur ein Begriff im Zusammenhang mit der ersten Belagerung der Stadt Villingen 1632/1633. Im Vorarlberger Landesarchiv stieß der Autor auf die bedeutende Rolle Äschers bei der Belagerung und Einnahme von Bregenz durch die Schweden im Jahre 1646/47. Mir wurde langsam klar, dass es sich bei dem Obristen nicht um einen der vielen unbedeutenden Kriegsunternehmer handelte, die der Dreißigjährige Krieg hervorgebracht, sondern um eine Persönlichkeit, die einen erheblichen Einfluss auf das Geschehen dieser Zeit in den damals vorderösterreichischen Gebieten hatte.“ In seiner Äscher-Biografie geht von Pechmann ausführlich u. a. auf die Belagerung Villingens 1632/1633 ein (S. 70 – 80). Die von Äscher in Villingen am 24. Januar 1633 veranlasste Dankprozession für die erfolgreiche Abwehr der ersten Belagerung der Stadt durch Württemberger und Schweden, wurde noch im 18. Jahrhundert jährlich an diesem Tag mit einem Lobamt und Te deum gefeiert.

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