Hans Brüstles „Kleine Schrift” Erstes GHV-Jahresheft 1973 – 45 Jahre jährliche Geschichte(n) (Wolfgang Bräun)

Mit den besten Wünschen an die sehr geehrten Mitglieder für das Jahr 1974 schloss Hans Brüstle im Dezember 1973 für die Vorstandschaft des noch jungen Geschichts- und Heimatverein die Rundschreiben-Kopie – gedruckt als ehemals übliche Blau-Matrize – und meldete zuvor auf grad mal sechs Zeilen:

Abb. 1: Titel GHV-Jahresheft 1973.

„Zum Jahresabschluss erhalten Sie als Vereinsgabe eine kleine Schrift, die in bunter Folge einige Beiträge aus dem Leben Villingens enthält. Das darin enthaltene Verzeichnis der Villinger Künstler und Kunsthandwerker kann Ihnen jederzeit als Nachschlagewerk dienen. Wir hoffen, Ihnen damit eine Freude zu bereiten. Mit den besten Wünschen für 1974“ gez. Brüstle.

Abb. 2: Schreiben von Hans Brüstle.

Ganz sicher hat die damalige Vorstandschaft den Geschmack der Vereinsmitglieder getroffen, auch wenn die Broschüre grad mal 22 Seiten umfasste. Dafür gab es 16 Abbildungen zu den Beiträgen und auf dem „Cover“ und der Rückseite gleich zwei Ausschnitte zu Villingen aus der Pürschgericht-Karte des Anton Berin, die dieser um 1607 geschaffen hatte.

Die Inhaltsangabe mit zehn Positionen wies dann als Autoren aus: Hans Hauser, Hans Brüstle, „Baptist“ N.N., Traugott Wöhrlin, Hermann Burte, Gottfried Schafbuch und „Abt Gaiser“.

Abb. 3: Aquarell von Pieter Francis Peters.

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Den ersten Bildreiz auf Seite 3 machte damals sicher ein Schwarz-Weiß-Repro eines Aquarells von Pieter Francis Peters deutlich, auf dem dieser 1849 den südlichen Münsterplatz zum Motiv wählte – mit Altem Rathaus und dem getürmten sog. Vorzeichen am Münster-Seiteneingang, das später abgerissen wurde.

Es folgte ein langer Artikel von Fasnet-Kenner Hans Brüstle zu den „Villinger Holzmasken“ und den Schemen von Ackermann, Sieber, Moser und Neukum.

Und, wohl erstmals veröffentlicht, präsentierte Traugott Wöhrlin seine motivische Betrachtung der Erker in Villingen mit sechs prägnanten Zeichnungen.

Eine kurze Anekdote „De Heckerhuet“ bietet genüsslichen Lesestoff, und „ohne Vollständigkeit anzustreben“ reicht schließlich das Verzeichnis der Villinger Künstler von den Ackermanns über Josef und Theodor Göth bis hin zu Kraut, Phillip-Rauch, Säger, Schilling, Schupp sowie zu Ummenhofer und Walser.

Der GHV und Hans Brüstle, der wohl die Redaktionsleitung hatte, beleihen sich für zwei Seiten mit alemannischer Mundart bei Hebel, Burte, Ganther, Gäng, Hauser und Schafbuch.

Und schließlich gelten aus dem Tagebuch von 1621 – 1655 des Abt Gaiser dessen Einträge zum 8. September 1633 in der Übersetzung von Otto Stemmler als bedeutend:

[…] Die Württemberger, die das Äußerste daran setzen wollten, hatten alle Maschinen zur Eroberung der Stadt herangeführt; sie versuchten, mit größeren Geschützen den Mauerteil aufs Korn zu nehmen und beschosen zwar unschwer die Zinnen … […]

Abb. 4: Motivische Betrachtung der Erker in Villingen.

Aber die Besatzungsmannschaft und die gesamte Stadtbevölkerung, ja auch die Frauen und Kinder, die kriegsungewohnte Menschengattung, bekundeten eine solche seelische Standhaftigkeit und Tapferkeit, dass man glauben konnte, es sei mit der Größe der Gefahr auch der Mut gestiegen…[…]

 

Abschließend benennt die Redaktion noch einen Nachlass des ehemaligen Oberstudienrates Gustav Walzer, der seine Lebensarbeit darin sah, aus den Bürgerbüchern der Stadt vom 14. bis ins 18. Jahrhundert ein Personen-Verzeichnis zu schaffen, das auch derselben Forschung dienen könne…

Zwei Fotos aus den Jahren 1880 und 1886 mit der Niederen Straße und der Oberen Straße geben der Broschüre von vor 45 Jahren ganz sicher das Verlangen nach „mehr“… was natürlich längst und vielfach geschah.

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