Die Entstehungsgeschichte des Geschichts- und Heimatvereins Villingen e.V. (Werner Echle)

Am 10. Juni 1969 fand die Gründungsversammlung des heutigen Geschichts- und Heimatvereins Villingen e.V. statt. Der Verein feiert im Jahr 2019 seinen 50. Geburtstag. Es ist sicher verwunderlich, dass bei der jahrhundertelangen, sehr umfangreichen und wertvollen Geschichte dieser Stadt erst vor 50 Jahren dieser Verein gegründet wurde. Andererseits können wir dankbar sein, dass es damals einigen geschichtsbewussten und -interessierten Persönlichkeiten wichtig war, diese für die Stadt und deren Geschichts- und Heimaterforschung wichtige Aufgabe einem ins Vereinsregister eingetragenen Verein zu übertragen. Dieser Bericht soll Einblick geben über die Ge-schichts- und Heimatforschung in Villingen vor der Entstehung des Vereins bis zur Gründung im Jahr 1969 und den Beginn der Arbeit im Verein.

Was war vor 1969?

Stadtarchivar Dr. Heinrich Maulhardt hielt im Jahr 2006 einen Vortrag und veröffentlichte im Jahr 2007 einen Artikel in unserem Jahresheft mit dem Thema „Der Baarverein und die Villinger Stadtgeschichte“ aus dem Informationen hier zusammengefasst werden.

In Villingen gab es vor 1969 keinen eingetragenen Geschichtsverein aber schon immer Kenner, Forscher und Historiker, die sehr aktiv im heutigen „Verein für Geschichte und Naturgeschichte der Baar“ (Baarverein) tätig waren. Dieser Verein hatte durch seine Aufgabenstellungen einen direkten Bezug zur Villinger Stadtgeschichte, vor allem zum mittelalterlichen Villingen.

Unter dem Namen „Literatur-Freunde an den Quellen der Donau“ wurde der Baarverein 1805 erstmals gegründet und im selben Jahr umbenannt zu „Hochfürstliche Fürstenbergische Gesellschaft der Freunde vaterländischer Geschichte und Naturgeschichte“.

Der Verein erlosch 1819 und wurde 1842 als „Verein für Geschichte und Naturgeschichte in Donaueschingen“ wiedergegründet.

Bei dieser und den weiteren Wiedergründungen 1870 und 1949 wurde das Aufgabengebiet „Fürstenbergische Geschichte“ und damit der historische Bezug zu Villingen stets erhalten.

Villinger Mitglieder im „Baarverein“

Im ersten Band der „Schriften des Vereins für Geschichte und Naturgeschichte“ aus dem Jahr 1870 ist das erste Villinger Mitglied J. Baer, Vorstand der höheren Bürgerschule in Villingen (heute Gymnasium am Romäusring), genannt.

Entwicklung der Zahl der Villinger Mitglieder als größter Stadt des Vereinsgebiets des Baarvereins:

                    Mitglieder aus Villingen               Mitglieder aus Donaueschingen

1980:                          5                                                          57

1889:                        29                                                          55

1909:                        13                                                           ?

1920:                      103                                                         86

1931:                        53                                                       127

Nach dem 2. Weltkrieg schwankten die Mitgliederzahlen für Villingen zwischen 41 und 53 Mitgliedern, aus Schwenningen kamen zwischen 7 und 19 Mitglieder.

Für die Schwankungen in den Mitgliederzahlen waren vor allem die Aktivitäten mit Berichten und Vorträgen über Villinger Themen ausschlaggebend.

Dr. Maulhardt schreibt, dass der Baarverein mit seinen Zielen „Erforschung der fürstenbergischen Lande und ihrer nächsten Umgebung“ auch Villingen und seine Geschichte mit einbezog. Die hervorragende Bibliothek, das vorzügliche Archiv, die guten Finanzen und

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Gleichgesinnte im Verein führten dazu, dass die Chancen zur Gründung weiterer lokaler oder regionaler Geschichtsvereine sehr gering war. Das war der Grund dafür, dass es im 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts keinen eigenständigen Villinger Geschichtsverein gab.

Villinger Forscher im Baarverein und dessen Vorstand

Die Villinger Geschichts- und Heimatforscher nutzten ihre Mitgliedschaft im Baarverein deshalb vor allem als Basis und Medium, um für Villingen aktiv zu sein und durch Veröffentlichungen und Vorträge die Geschichte ihrer Heimatstadt Villingen bekannt zu machen.

Sehr aktive und erfolgreiche Forscher aus Villingen im Baarverein:

Prof. Christian Roder (1845 – 1921)

Prof. Dr. Paul Revellio (1886 – 1966)

Dr. Nepomuk Häßler (1898 – 1981)

Josef Honold (1888 – 1967)

Gustav Walzer (1899 – 1966)

Hans Brüstle (1907 – 1976)

Hans Maier (Flurnamen der Gemarkung Villingen)

Benjamin Grüninger (Ehrenmitglied)

Dr. Josef Fuchs (Ausschussmitglied)

Im Vorstand bzw. erweiterten Vorstand oder im Ausschuss des Baarvereins waren folgende Villinger Persönlichkeiten:

Christian Roder 

Eugen Hirth

Paul Revellio    

Emil Winterhalter

Helmut Schellenberg    

Gustav Walzer

Josef Honold    

Dr. Nepomuk Häßler

Hans Brüstle     

F. K. Wiebelt

Dr. Josef Fuchs  

Hildegard Minges

Wolfgang Martin

Diese Villinger Forscher und Verantwortlichen im Baarverein haben große Verdienste um die Forschung der Geschichte unserer Stadt Villingen erworben und sind deshalb auch über unsere Stadtgrenzen hinaus bekannt.

Die ersten Villinger Geschichtsvereine

Im Jahresheft 14 (1920) wird berichtet, dass sich innerhalb des Baarvereins zwei Ortsgruppen gebildet haben und zwar in Vöhrenbach und in Villingen. Als Vorsitzender der Villinger Gruppe mit 103 Mitgliedern ist der Villinger Prof. Eugen Hirth, Lehrer am Realgymnasium Villingen genannt. Zusammen mit Paul Revellio gestaltete er eine rege Vortragstätigkeit, die dazu führte, dass die Mitgliederzahl aus Villingen stark anstieg.

In einem Schreiben von Hirth vom 21.10.1920 an den Vorsitzenden des Baarvereins äußerte er zusammen mit Revellio den Wunsch, aufgrund der großen Mitgliederzahl und der Bedeutung der Villinger Geschichte einen selbständigen Verein zu bilden.

Ferdinand Förderer gründete im Jahr 1876 die Altertümersammlung in Villingen mit dem Ziel Gegenstände für das Museum zu sammeln und die Stadtgeschichte zu fördern. Die Altertümersammlung war kein Verein, sondern eine städtische Einrichtung, die nach dem Tod von Förderer zwei Jahrzehnte später von Paul Revellio wieder aktiviert wurde. Dies war eine Zeit, in welcher in der Stadt geschichtliches Bewusstsein erwachte und die Bürgerschaft geschichtliche Studien fördern wollte.

Einen Villinger Geschichtsverein gab es immer noch nicht, auch die beiden Stadtarchivare Christian Roder und Paul Revellio orientierten sich nach wie vor im Baarverein.

In der NS-Zeit kam es im Mai 1934 unter Leitung von Bürgermeister Schneider zur Gründung eines „Heimatvereins“, der allerdings marginal blieb.

Auch nach dem zweiten Weltkrieg gab es Versuche, Geschichts- und Heimatvereine zu gründen, die nicht richtig auf die Beine kamen und zwar:

„Gesellschaft Alt- und Neu-Villingen e.V.“

Heinrich Hug Gesellschaft zur Förderung der Geschichtsforschung und des kulturellen Lebens der Stadt Villingen“ (1946)

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Villinger Vereinigung für Heimatpflege und Heimatkunde“

Im Jahr 1951 ist in aller Stille diese Vereinigung entstanden. Es war kein eingetragener Verein.

Anlass für die Bildung dieser Vereinigung war der Stadtratsbeschluss, die Herausgabe einer „gesammelten Geschichte der Stadt“ zu fördern.

Dieser Zusammenschluss der Villinger Mitglieder im Baarverein war Dr. Nepomuk Häßler zu verdanken, der auch Vorsitzender war. In den Einwohnerbüchern ab 1954 erscheint er als „Heimatverein“.

Aus dem Bericht von Dr. Maulhardt und den Hinweisen in der Presse kann man vermuten, dass für Dr. Häßler diese Gründung ein Schritt zum Aufbau des heutigen Geschichts- und Heimatvereins war.

Am 10. Dezember 1953 fand in festlichem Rahmen die Gründung des bereits konstituierten „Heimatvereins Kreis Villingen“ als Ortsgruppe des Vereins „Badische Heimat“ statt. Die Satzung des Vereins enthält Aufgaben und Ziele, die weitgehend der heutigen Satzung des GHV entsprechen.

Verantwortliche dieses Vereins waren:

Vorstand:

1. Vorsitzender Dr. Johann Nepomuk Häßler, stellvertretender Vorsitzender Rechtsberater Johann Baptist Blessing, Geschäftsführer Musikschriftsteller Theo Koob.

Beisitzer:

Studienrat Dr. Willmann, Hauptlehrer Hans Brüstle, Verwaltungssekretär Franz Grießhaber (Landratsamt), Direktor Hermann Brunner (Saba), Studiendirektor a. D. Professor Schilling, Dr. Karl Baier (St. Georgen), Landtagsabgeordneter Rektor Karl Brachat, Malermeister Richard Fuhrer (für Trachtengruppe), Dipl.-Kaufmann Josef Honold, Architekt Gustav Huger (für Narrozunft), Pfarrer Ludwig Jörder (Königsfeld), Malermeister Eugen Leute (Bürgerwehr), Kaufmann Alois Oberle, Studienrat Lothar Schill und Hauptlehrer Otto Streicher (Niedereschach).

Der Schwarzwälder Bote berichtet am 24.01.1958, dass Diplom-Kaufmann Honold in der Generalversammlung des Verkehrsvereins mitteilte, dass der Heimatverein neu gegründet werden solle, nachdem er praktisch eingeschlafen sei.

Bis zur Gründung des heutigen Vereins im Jahr 1969 sind dem Autor keine Informationen über die Auflösung oder Neugründung eines Villinger Geschichtsvereins bekannt.

Der „Heimatverein“ hat bis zur Neugründung im Jahr 1969 bestanden. Dessen langjähriger Vorsitzende Dr. Nepomuk Häßler, wurde bei der Gründungsversammlung des neuen im Vereinsregister eingetragenen Vereins am 10. Juni 1969 für seine Verdienste um die Geschichte der Stadt, die Erhaltung des

Stadtbildes sowie um die Kulturgüter zum ersten Ehrenmitglied des neugegründeten Vereins ernannt.

Gründung des „Heimat- und Geschichtsvereins Villingen e.V. im Jahr 1969

Endlich“ oder „es war höchste Zeit“ dass 1969 dieser heutige Verein gegründet wurde, obwohl die Stadt und ihre Bürger froh sein können, dass viele der genannten Persönlichkeiten bemerkenswerte Forschungen der Geschichte, Kunst- und Kulturgeschichte in unserer Stadt schon vorher im Baarverein oder

in Vorgängervereinen durchgeführt und veröffentlicht haben.

Die Bemühungen dieser ehrenamtlichen Forscher, das Interesse der Bürger in stadtgeschichtlicher und historischer Sicht zu fördern und den Menschen näher zu bringen und das zum Teil jahrelang angestrebte Ziel, dies in einem eigenen Verein machen zu können, war die Motivation für diese Vereinsgründung.

Dies beweist auch das große Interesse der Bevölkerung an dieser Neugründung.

Dass die bevorstehende Fusion der Städte Villingen und Schwenningen dabei eine große Rolle gespielt haben soll, kann aus den Unterlagen nicht bestätigt werden. Der Verein hat sich zu den Themen gemeldet, bei denen es darum ging, die Werte und die Tradition der 1000-jährigen Geschichte Villingens zu bewahren. (z. B.: Namen der Stadt, Wappenfrage, Straßennamen, Stadtbild, Stadtarchiv).

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Die Gründungsversammlung des Vereins fand am 10. Juni 1969 mit ca. 200 Personen und die erste Mitgliederversammlung am 07. Juli 1969 statt.

Der Verein hatte folgende Gründungsmitglieder:

Uta Baumann

Dr. Wilhelm Binder

Wolfgang Blessing

Hans Brüstle

Dr. Josef Fuchs

Frida Heinzmann

Hildegard Heinzmann

Gertrud Heinzmann

Dr. August Kroneisen

In der Gründungsversammlung wurde Dr. Johann Nepomuk Häßler für seine großen Verdienste um die Geschichte Villingens zum 1. Ehrenmitglied des Vereins ernannt. Er erhielt gleichzeitig das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen.

In der ersten Mitgliederversammlung am 07. Juli 1969 wird Hans Brüstle zum 1. Vorsitzenden gewählt. Im Jahr 1969 bildet der Verein sieben Arbeitsgemeinschaften.

Bisherige Vorsitzende des Vereins:

Hans Brüstle, 1969 – 1976

Dr. Karlheinz Faas, 1976 – 1982

Werner Huger, 1982 – 1990

Hubert Waldkircher, 1991 – 1992

Günter Rath, 1992 – 2014

Werner Echle, 2015 – 2019

Projekte des Vereins in den vergangenen

50 Jahren:

42    Jahreshefte,

120    Eintagesexkursionen,

90    Mehrtagesexkursionen,

ca. 700    Vorträge, Führungen, Besichtigungen

Herausgabe eines Jahrbuches:

Im Jahr 1962 stellte der Heimatverein an die Stadt einen Antrag auf finanzielle Unterstützung für die Herausgabe eines jährlichen Jahrbuches. In der Antwort vom 3.9.1962 an den Heimatverein Herrn J. B. Blessing wird auf Risiken und das Scheitern solcher Projekte bei einigen anderen Vereinen im Land verwiesen und mitgeteilt:

    „Der Heimatverein Villingen wird gebeten, in Kenntnis dieser Dinge von der Herausgabe eines Jahrbuches von Villingen vorläufig abzusehen.“

Seit 1973 ist die jährliche Veröffentlichung eines Jahresheftes heute „Im Wandel der Zeit“ eine der wichtigsten und wertvollsten Aufgaben des Geschichts- und Heimatvereins. Inzwischen sind 42 solcher kulturhistorischer Bücher entstanden, die viel zur Erforschung der Geschichte und unserer Heimat Villingen beigetragen haben.

Auf Antrag des Vereins vom 27.02.1978 hat der Verwaltungsausschuss der Stadt am 2.8.1978 beschlossen, erstmals für das Jahresheft III für 1977 einen Zuschuss von 2.500 DM zu gewähren. Seither unterstützt die Stadt jährlich die Herausgabe des Jahresheftes des Geschichts- und Heimatvereins Villingen.

Weitere Beiträge in diesem Jahresheft über Ereignisse im Verein von 1969-2018 sind:

Warum beschäftigen wir uns mit Geschichte“? vom Ehrenvorsitzenden Günter Rath

Höhepunkte im 50-jährigen Vereinsleben“ von Günter Rath und Beiratsmitglied Dr. Hans Georg Enzenroß

Literatur:

Dr. Heinrich Maulhardt:

Der Baarverein und die Villinger Stadtgeschichte“ GHV-Jahresheft XXX/2007, S. 107 – 114

Aus der Vereinsgeschichte“ GHV-Jahresheft XXV/2002,

S. 107 – 108

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