Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs in Tannheim (Ute Schulze)

Im Jahr 1929 beschloss der Militär- und Kriegerverein Tannheim, bei der Gemeinde den Antrag auf Finanzierung eines Kriegerdenkmals zu stellen. Der Bürgerausschuss genehmigte am 19. Januar 1929 einstimmig Gelder aus den laufenden Wirtschaftsmitteln. „Da sich jedoch die finanzielle Lage der Gemeinde infolge schlechten Erlöses aus Holz verschärft hat(te)“, wurde diese Möglichkeit ausgeschossen.

Am 11. Januar 1930 bestellte der Gemeinderat folgende 12 Herren zur Denkmalkommission: Bürgermeister Wilhelm Häsler, die Gemeinderäte Bernhard Müller, Johann Weißer, Eduard Wehrle, Leopold Ganter II, August Neininger und Otto Steiner, ferner Ratsschreiber Josef Häsler, Hauptlehrer Lorenz Grüner, Kapellmeister Wilhelm Riesle I, Altgemeinderat Bernhard Beck und Zimmermann Theodor Weißer. Das Gremium kam am 16. Januar 1930 zur ersten Sitzung zusammen. Man beschäftigte sich zunächst mit der Platzfrage. In Frage kamen hier der Platz beim Schulhaus, die Wiese südlich des Schulhauses, eine Friedhofserweiterung nach Westen mit je einem Grabstein für jeden Gefallenen, der Garten von Viktor Kreuz, das Gelände westlich der Kirche, das Terrain vor der alten Eiche auf dem Stankert u. a. Auch der Umbau der Friedhofskapelle zu einer „Kriegergedächtniskapelle“ wurde erwogen. Schließlich fiel am 12. Februar 1930 die Wahl auf den Platz bei der alten Eiche, da eine Erstellung innerhalb des Ortes nicht möglich schien. Am 15. Februar unternahm die Kommission eine Besichtigungsfahrt in die Umgebung, um sich andere Kriegerdenkmale anzusehen. Man besuchte Kappel, Lenzkirch und Rötenbach. In Donaueschingen berieten sich die Herren mit Diplomingenieur Anton Mall. Sie kamen zum Ergebnis, dass nur der Standort bei der alten Eiche in Frage käme. „Und zwar soll die Eiche das Denkmal selbst sein, rings um das Denkmal eine Anlage mit je einem Stein mit Inschrift für die Gefallenen Tannheims und von der Straße her ein Treppen-Aufgang zu der Anlage.“

Im Jahr 1929 beschloss der Militär- und Kriegerverein Tannheim, bei der Gemeinde den Antrag auf Finanzierung eines Kriegerdenkmals zu stellen. Der Bürgerausschuss genehmigte am 19. Januar 1929 einstimmig Gelder aus den laufenden Wirtschaftsmitteln. „Da sich jedoch die finanzielle Lage der Gemeinde infolge schlechten Erlöses aus Holz verschärft hat(te)“, wurde diese Möglichkeit ausgeschossen.

Am 11. Januar 1930 bestellte der Gemeinderat folgende 12 Herren zur Denkmalkommission: Bürgermeister Wilhelm Häsler, die Gemeinderäte Bernhard Müller, Johann Weißer, Eduard Wehrle, Leopold Ganter II, August Neininger und Otto Steiner, ferner Ratsschreiber Josef Häsler, Hauptlehrer Lorenz Grüner, Kapellmeister Wilhelm Riesle I, Altgemeinderat Bernhard Beck und Zimmermann Theodor Weißer. Das Gremium kam am 16. Januar 1930 zur ersten Sitzung zusammen. Man beschäftigte sich zunächst mit der Platzfrage. In Frage kamen hier der Platz beim Schulhaus, die Wiese südlich des Schulhauses, eine Friedhofserweiterung nach Westen mit je einem Grabstein für jeden Gefallenen, der Garten von Viktor Kreuz, das Gelände westlich der Kirche, das Terrain vor der alten Eiche auf dem Stankert u. a. Auch der Umbau der Friedhofskapelle zu einer „Kriegergedächtniskapelle“ wurde erwogen. Schließlich fiel am 12. Februar 1930 die Wahl auf den Platz bei der alten Eiche, da eine Erstellung innerhalb des Ortes nicht möglich schien. Am 15. Februar unternahm die Kommission eine Besichtigungsfahrt in die Umgebung, um sich andere Kriegerdenkmale anzusehen. Man besuchte Kappel, Lenzkirch und Rötenbach. In Donaueschingen berieten sich die Herren mit Diplomingenieur Anton Mall. Sie kamen zum Ergebnis, dass nur der Standort bei der alten Eiche in Frage käme. „Und zwar soll die Eiche das Denkmal selbst sein, rings um das Denkmal eine Anlage mit je einem Stein mit Inschrift für die Gefallenen Tannheims und von der Straße her ein Treppen-Aufgang zu der Anlage.“

Abb. 1: Entwurf Mall, SAVS Best. 1.106 Nr. 712.

In der Sitzung am 27. März 1930 wurde das Projekt insgesamt in Frage gestellt. Bezüglich der Positionierung waren „verschiedene persönliche Sachen in den Vordergrund getreten“. Außerdem befand man, dass die Gemeinde bereits den Kriegergedächtnisaltar in der Kirche und eine Kriegerglocke in der Friedhofskapelle gestiftet habe. In der Abstimmung sprachen sich die sechs

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Abb. 2: 1.106 Nr. 172 Altar.

Kommissionsmitglieder: Hauptlehrer Grüner, die Gemeinderäte Neininger, Steiner, Riesle und Altgemeinderat Beck gegen das Denkmal aus. Dafür waren Ratsschreiber Häsler, die Gemeinderäte Wehrle, Weißer, Ganter und Bürgermeister Häsler. Bei der nächsten Zusammenkunft am 12. April 1930, bei der nur 7 Mitglieder anwesend waren, beschlossen die Herren mit vier gegen drei Stimmen, beim Bezirksamt anzufragen, ob die Verwendung außerordentlicher Mittel genehmigt werden würde. Auf das diesbezügliche Schreiben vom 18. April erhielt man telefonisch vom Oberrevisor die Antwort, dass nur Wirtschaftsmittel eingesetzt werden dürften.

1936 nahmen die Bemühungen um das Denkmal erneut Fahrt auf. Am 9. Juli dieses Jahres fand eine Beratung durch die Mitglieder der Landesberatungsstelle für Denkmalerrichtung statt. Beim Ortstermin in Tannheim stellte man fest, dass der zunächst ins Auge gefasste Platz bei der Kirche nicht in Frage kam, da er sich in Kircheneigentum befand. Die Mitglieder der Beratungsstelle einigten sich auf den Platz beim Schulhaus. Die Anlage sollte so gestaltet werden, dass „der Schulhof, der in seinen Größenverhältnissen für Kundgebungen ausreichend ist, als Aufmarschplatz dienen“ konnte. Als nächstes schaltete man die Reichskammer der bildenden Künste ein. Der Landesleiter Baden empfahl den Bildhauer Hellmuth Hopp aus Freiburg für das Vorhaben. Dieser sandte am 20. Oktober 1936

Abb. 3: 1.106 Nr. 712 – erster Entwurf Hopp.

einen ersten Entwurf an den Bürgermeister. Es dauerte aber noch eine ganze Weile, bis das Bezirksamt diesen zur Genehmigung an das Landesamt für Denkmalpflege in Karlsruhe weiterleitete. Die im März 1937 von dort nach Tannheim gereiste Kommission kam aufgrund der Platzsituation auf den Gedanken, ein

Abb. 4: 1.106 Nr. 712 – Denkmalentwurf Hopp 1937.

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quadratisches Format zu wählen. So machte Hopp eine zweite Konzeption, die diese Vorgabe berücksichtigte. Der Tannheimer Gemeinderat war damit einverstanden. Am 22.04.1937 erhielt der Bildhauer den Auftrag für das Denkmal. Die Kosten von 4.970 Mark lagen im Rahmen der mit 5.000 Mark veranschlagten Bausumme. Die Darstellung auf dem Stein wurde dann doch nicht ein Soldatenkopf, sondern ein schlichtes Kreuz. Das Tannheimer Denkmal in seiner schlichten Gestaltung folgt damit nicht dem Zeitgeschmack der 1930er Jahre, der eher martialische Darstellungen bevorzugte. „Das Ehrenmal wurde 1954/55 auf den Friedhof versetzt und dort einem neugeschaffenen Denkmal für die Gefallenen

Abb. 5: 1.106 Nr. 712 – Denkmaleinweihung.

beider Weltkriege“ beigefügt. 2

Der Bildhauer Hellmuth Hopp (19.07.1908 3 – 1940?) war vor allem in Freiburg tätig. Seit 1933 erhielt er mehrere Aufträge für Plastiken im öffentlichen Raum. Z. B. fertigte er zwei Figuren im Torbogen der Universitätsklinik, Hugstetter Straße 55, die heute noch dort stehen: Mutter mit Säugling und männlicher Akt 1938/39. Noch im ersten Kriegsjahr zur Wehrmacht eingezogen, fiel er bei Cherbourg. 4

Bildbeschreibungen

Abb. 1:    Zeichnung Dipl. Ing. Mall, 1930, SAVS Best. 1.106 Nr. 712.

Abb. 2:    Kriegergedächtnisaltar, SAVS Best. 1.106 Nr. 712.

Abb. 3:    Entwurf zum Denkmal von Hellmuth Hopp, 1936, SAVS Best. 1.106 Nr. 712.

Abb. 4:    Denkmalentwurf Hopp, März 1937, SAVS Best. 1.106 Nr. 712.

Abb. 5:    Denkmaleinweihung, 1937, SAVS Best. 1.106 Nr. 712.

Abb. 6:    Das Kriegerdenkmal am heutigen Standort (Foto: Dr. Enzenroß).

Anmerkungen:

1    Wenn nicht anders vermerkt sind die Quelleninformationen der Akte SAVS Best. 1.106 (Ortsarchiv Tannheim) Nr. 712 entnommen. Zu Gefallenendenkmälern allgemein s. Folkhard Cremer: Versuch einer Sinngebung des Sinnlosen. Gefallenendenkmäler der Zwischenkriegszeit, in: Denkmalpflege in Baden-Württemberg 4 (2017), S. 288-293, Tannheim S. 289.

2    Ebd.

3    Allgemeines Künstlerlexikon – Internationale Künstlerdaten-bank – Online [https://www.degruyter.com/databasecontent?dbf_0=akl-fulltext&dbid=akl&dbq_0=Hopp%2C+Hellmuth&dbsource=%2Fdb%2Fakl&dbt_0=fulltext&o_0=AND&sort=name-sort], aufgerufen am 23.05.2018.

4    Ute Scherb: Freiburg im Nationalsozialismus. Eine Stadt gibt sich ein braunes Gesicht, in: Zeitschrift des Breisgau-Geschichtsvereins „Schau-ins-Land“ 127 (2008), S. 133ff. Sie vermerkt im Kapitel „Arno Breker am Oberrhein? Der Freiburger Bildhauer Hellmuth Hopp“ zu seinem Tod „wenige