Riettor und Drumherum detailgetreu nachgebaut (Birgit Heinig)

GHV-Mitglied Gerhard Ächtner stellt sein neues Modell vor Zweite Arbeit nach dem Bickentor mit Kloster

Das Riettor im Original …

 

… und als Miniatur mit Gerhard Ächtner

 

Sein Bickentor en miniature steht bereits im Franziskaner-Museum. Jetzt hat der Villinger Gerhard Ächtner auch das Riettor und die angrenzende Häusergruppe im Maßstab 1:50 gebaut. Im Münsterzentrum stellte der passionierte Modellbauer und Mitglied im Geschichts- und Heimatverein sein neuestes Werk im Ewald- Huth-Saal einer ausgewählten Öffentlichkeit vor. Umrahmt von mittelalterlichem Gesträhle durch Lambert Hermle als Nachtwächter und Ingrid Beck als frühaufstehende Bürgerin sowie den liebevoll komponierten Songs der Dörr-Brüder Carsten und Erik über den Helden Romäus, die Tallard’sche Belagerung und – natürlich – das Riettor, gab Ächtner Einblick in seine fünfjährige Arbeit.

Anhand von 350 Fotografien bastelte er „meistens bis in die Nacht“ in 1500 Stunden an Riettor, Torstüble, Osiander- und Merkle-Haus. 126 Fenster mit gangbaren Fensterläden, 12500 maßstabsgetreue Biberschwänze und ebensolche, gerade einmal fingernagelgroße Sandsteine – der Details sind es viele, die es im Großen wie im Kleinen zu entdecken gibt.

Noch sei nicht besprochen, wo das Modell auf rund drei Quadratmetern Grundfläche in Zukunft stehen werde, sagt Ächtner, geht aber davon aus, dass es seinen Platz neben dem Bickentor-Modell im Museum finden wird; dies wird auch vom Geschichts- und Heimatverein mit Nachdruck unterstützt.

Werner Huger, Ehrenmitglied und langjähriger Vorsitzender des Geschichts- und Heimatvereins, sprach Ächtner Bewunderung für die geleistete Arbeit aus und lud ein zu einer Exkursion zurück in eine Zeit, als Bürgermeister Osiander noch in der Rietstraße 37 wohnte, das heutige Haus des Ehrenbürgers Ewald Merkle noch keinen Erker hatte und es durch das Schleicherhaus noch keine Gehwegpassage gab.

Im Basisgeschoss des Rietturmes habe man mit 1233 das bislang älteste Baudatum der Stadt entdeckt, berichtete Werner Huger. Zunächst sei das Tor nur an drei Seiten von bis zu 2,20 Meter dicken Mauern gegen den Feind geschützt gewesen. Erst 1541 wurde auch die Stadtseite geschlossen. In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts entstand das Osianderhaus, in dem der Namensgeber bis zu seinem Tod 1903 wohnte.

Noch älter – aus dem dendrochronologisch festgestellten Jahr 1315 – ist das Haus Rietstraße 39 mit schmaler Front und großer Toreinfahrt. Nördlich des Turmes, im heutigen Torstüble, betreiben schon seit dem Jahr 1884 Brauereien und Gasthöfe ihre Geschäfte.

Viele Bewunderer bestaunten das Werk des Modellbauers Gerhard Ächtner (links) bei der Vorstellung im Münsterzentrum. Auch am Tag danach war das kleine Kunstwerk, das ein Stück Villinger Geschichte darstellt, ständig umlagert. Große Beachtung fand das Werk auch im Schaufenster der Schuhbox in der Rietstraße.