Das Kreuz am Hause Ulrich Hettich, Gummelenhof 15 in Schonach (Werner Huger)

 

Der Gummelenhof in Schonach

 

Kreuz

Das Kreuz ist das „Siegeszeichen des heilbringenden Leides“. In ihm ist das Heilswerk Christi zusammengefasst. Es ist ein Zeichen der Heilsgegenwart. An einem Haus angebracht wird es für dieses zu einem Weihezeichen, d. h. einem Zeichen des Segens. Deshalb verbindet sich mit ihm unter anderem auch der Glaube an seine schützende Kraft und als ein Zeichen der Entsühnung (= Befreiung von Sünde und Schuld.)

Es wird zu den Leidenswerkzeugen gerechnet.

Leidenswerkzeuge

(auch: Passionswerkzeuge oder Passionsinstrumente, arma christi) Es sind Symbole des Leidens Christi. Die Arma Christi werden zunächst als „signa“ (= Kennzeichen) des wiederkehrenden Christus, also als Majestätssymbole des erhöhten Christus aufgefasst. (Vgl. Mt 27, 27–50; Mk 15, 16 36; Lk 23, 33 36; Jo 19, 1 34)

Das Kreuz: (siehe hierzu auch oben) Auf Christus bezogen wird es vom Glauben an den Auferstandenen bestimmt (Auferstehungssymbol). Es ist ein Zeichen des Heilsgrundes, der Heilsgegenwart und der Heilshoffnung bezogen auf die Wiederkunft Christi zum Jüngsten Gericht (Heilszeichen).

Die Dornenkrone, die Christus von den römischen Soldaten aufgesetzt wurde, ist als Passionssymbol ein Zeichen der Verspottung und schließlich auch ein Signum (Kennzeichen) des Triumphes über alle Leiden dieser Welt. (Vgl. Mt 27, 27: Da brachten die Soldaten des Statthalters Jesus in das Prätorium und versammelten um ihn die ganze Kohorte. 28. Sie zogen ihn aus und legten ihm einen scharlachroten Mantel um, 29. flochten einen Kranz aus Dornen, setzten ihn auf sein Haupt und gaben ihm ein Rohr in seine rechte Hand; das Knie vor ihm beugend, verspotteten sie ihn und sprachen: „Heil dir, König der Juden!“) Die Lanze: Jo 19, 34 … sondern einer der Soldaten stieß mit der Lanze in seine Seite, und sogleich kam Blut und Wasser heraus.

Stab mit Essigschwamm Mt 27, 48: Und sogleich lief einer von ihnen, nahm einen Schwamm, füllte ihn mit Essig, steckte ihn an ein Rohr und gab ihm zu trinken. (Vgl auch: Mk 15, 36; Lk 23, 36; Jo 19,29)

Martersäule (Geißelsäule) Mt 27, 26: Darauf gab er ihnen den Barabbas frei, Jesus aber ließ er geißeln … (Vgl. auch: Mk 15, 15; Jo 19,1)

Weitere Leidenswerkzeuge: Rute oder Rutenbündel Geißel

Fesseln

3 Nägel Hammer Leiter Zange Schweißtuch der Veronika (unhistorisch-legendäre Persönlichkeit)

3 Würfel (am Schonacher Kreuz ist nur ein Würfel dargestellt)

Purpurrock

Jo 19, 2: Die Soldaten flochten einen Kranz … (und) legten ihm einen purpurroten Mantel um,

… Jo 19, 5: Jesus kam nun heraus, den Dornenkranz tragend und den purpurroten Mantel … (Vgl. auch: Mt 27, 28) Anmerkung: Es handelt sich also nicht um den Rock der Kleidung Jesu’s um den die römischen Soldaten würfelten. Vgl. zum

„Leibrock“ Jo 19, 23.

Spottgebärden der Kriegsknechte (Verspottung) Mt 27, 29; Jo 19, 3

Judaskuss und Silberlinge

(beim Schonacher Kreuz: Silberling Beutel) Mt 26,

47 49 und Mk, Lk, Jo; Mt 27, 3 10; Verrätergeld Der Hahn: Die vielfältigste Ausdeutung ist der Bericht von der Verleugnung des Petrus; vgl. u.a. Mt 26, 74 und 75. Es ist die Frage ob es sich beim Hahn des Schonacher Kreuzes um das Symbol der Verleugnungsgeschichte handelt. Dann wäre der Hahn tatsächlich Teil der „arma christi“, d.h. der Passionsinstrumente.

Der Hahn befindet sich oberhalb des Kreuzstammes. Er ließe sich so auch anders kombinieren: Der Hahn wird nämlich auch als ein Christussymbol aufgefasst. D. h., das Christentum setzt den Tag kündenden Hahn in Beziehung zu Christus als Seelenwecker. Er kann als Symbol der Wachsamkeit ein Rufer und Mahner sein (so auch z. B. der Hahn auf der Kirchturmspitze) der vor Anbruch des Tages die säumigen Christen rechtzeitig zum Gebet ruft und zur Einkehr mahnt.

– Als weiteres Symbol kann der Hahn die Auferstehung symbolisieren, die Erweckung der Welt unter der neuen Ordnung Christi. (Vielleicht trifft Letzteres beim Schonacher Kreuz vor allem zu.) Soweit die Leidenswerkzeuge; es werden über 30 gezählt, die Kanne für die Handwaschung des Pilatus und auch die 5 Wundmale Christi.

Weitere Zeichen am Kreuz:

Die Fackel: Sie verweist hier wahrscheinlich auf Christus als Licht der Welt. (Im christlichen Kult wurde sie durch die Kerze ersetzt.)

Die Hand: Die hier aufwärtszeigende rechte Hand ist die Hand Gottes. Die H. G. ist das wichtigste symbolische Bild für Gottvater vom 4. bis 13. Jahrhundert. Die H. G. findet sich mit anderen Bildzeichen verbunden, z.B. mit … mit dem Kreuz Christi. Im 19. und 20. Jahrhundert wird gelegentlich auf das Motiv der H. G. zurückgegriffen. Die H. G. kennzeichnet die schöpferische, führende und strafende Macht (AT z. B. Ps 104, 28; 2 Mos 3,20) und wird von den Kirchenvätern als Symbol des Logos (= göttliche Vernunft) aufgefasst, mit dessen Hilfe die Welt erschaffen wurde. In der christl. Kunst ist die „dextera Dei“ (rechte Hand Gottes) das älteste Symbol Gottvaters. Auch bei der Kreuzigung (Schonacher Kreuz!) kann die H. G. zugegen sein. In seltenen Fällen kann sie auch Christus oder den Heiligen Geist bedeuten. (Der Restaurator hat i. J. 2001/02, anatomisch widersprüchlich, ein Schwert in die Hand eingefügt, das sich ursprünglich nicht dort befand. Es handelt sich offensichtlich um eine künstlerische Fehlinterpretation.)

Auffangen des Erlöserblutes: Das aus der Seitenwunde Christi strömende Blut wird von einem Engel oder – wie in Schonach – von Engeln und vom Kelch der Eucharistie (= Abendmahl oder das Abendmahl betreffend) aufgefangen und weist damit auf den sakralen Sinn dieses Blutes hin. (Vgl. Mt 26: „… Und am Abend setzte er sich zu Tisch mit den Zwölfen. … Und er nahm den Kelch und dankte, gab ihnen den und sprach: „Trinket alle daraus; das ist mein Blut des Neuen Testaments, welches vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden“.)

Die Lilie: Sie könnte (im Kreuzigungszusammenhang) Sinnbild der Gnade, der Auserwählung sein. Die stilisierte Lilie wird überwiegend Bezug zum Gnadensymbol haben. Sie findet sich auch im Zusammenhang mit dem Kreuz.

Römischer Soldat zu Pferde: Die einzelnen Kulturkreise und Jahrhunderte kennen, vor allem in der Malerei, mehr – bis vielfigurige Kreuzigungsgruppen als Szenerie. Dazu gehören u. a. Maria und Johannes. Im Schonacher Kreuz befindet sich, abgesetzt vom Kreuzesstamm aber mit ihm statisch verbunden, auf einer Basisplatte ein Reiter zu Pferde. Es ist die immer wieder vorkommende Darstellung eines berittenen (gelegentlich auch zu Fuß unter dem Kreuz stehenden) mit einer Lanze agierenden uniformierten römischen Soldaten. (Die Lanze erscheint hier ein zweites Mal aber im Zusammenhang.)

Dieser sticht dem Gekreuzigten in die rechte Seite um sich von dessen Tod zu überzeugen; vgl. Joh. 19, 34.

Die Abbildung im Schonacher Kreuz ist ein Kuriosum: Der (heimatliche) Künstler besaß offensichtlich keine Vorstellung von einem römischen Soldaten. So wählte er als uniformierte Figur einen badischen Dragoner (Auskunft Frau Hettich, Gummelenhof ) vermutlich des 19. Jahrhunderts.

Die Figur wird als LONGINUS von Cäsarea, der Soldat (auch: der Centurio), bezeichnet. Wegen dieser Einzelfigur spricht man landläufig von einem „Longinus-Kreuz“. Dieser „Kriegsknecht“ taucht namentlich erstmals 586 in einer byzantinischen Darstellung auf. Er wird dort in einer Inschrift mit dem Namen Longinus bezeichnet. (S. Wörterb. z. Chr. Kunst, S. 224).

Text und Fotographie:

Werner Huger, VS-Villingen, Färberstraße 1

Benutzte Quellen:

M. Lurker, Wörterbuch der Symbolik, Kröner Verlag, 5. Auflage. Lexikon der christl. Ikonographie, Hg. Kirschbaum, Herderverlag. Ferner: Neues Testament, Evangelien Matthäus, Markus, Lukas und Johannes.

Weitere Bibliografie: Lexikon für Theologie und Kirche, Bde.