Artur Summ –Aquarelle sind mein Hobby

In der Goldgrubengasse bin ich geboren und aufgewachsen. Damals war die Gasse nicht – wie heute – gepflastert. Der Belag war eine einfache Sanddecke, und bei jedem Regenschauer bildeten sich Drecklachen (Wasserpfützen), in denen wir barfuß herumstampften. Bei Trockenheit konnten wir die Zeit mit „Kigelespiel“ = Murmeln vertreiben. Wollten wir aber die Habergeiß (Tanzknopf ) pfitzen, gingen wir auf den Gehweg der Niederen Straße, der hatte schon einen glatten Belag.

In der Schule war Zeichnen eines meiner Lieblingsfächer. Später war in der Gewerbeschule Technisches Zeichnen bei Direktor Meurer mein bestes Fach. Oft sah ich im Lehrerzimmer Herrn Meurers Aquarelle – er war ein guter Hobbymaler – mit großem Interesse an.

Nachdem dann der Zweite Weltkrieg zu Ende war, und ich aus der Gefangenschaft zurückkehrte, stellte sich die Frage der Weiterbildung. Ich entschloss mich 1949 nach Detmold in die Tischlerfachschule, Fachrichtung Innenarchitektur, zu gehen. Hier waren strenge Dozenten, die in Kunstgeschichte die verschiedenen Stilrichtungen der Möbel und des Innenausbaus praktisch unter- richteten. Zu damaliger Zeit war dieses Studium der Innenarchitektur sehr grotesk, da ich in den Semesterferien mit dem Zug an zerbombten Städten vorbeifuhr, und ich zu der Erkenntnis kam, dass

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Goldgrubengasse

 

 

 

Romäusturm


 

 

 

Münster mit „Raben“

 

 

Narrenbrunnen


 

 

Villinger Narro


der Wiederaufbau noch nicht vollzogen ist. Zur gleichen Zeit war mein Bruder mit Ingenieurstudium ohne Aussicht auf eine Anstellung. Das waren die Gründe, weshalb ich 1952 mein Studium in Detmold abgebrochen habe. Ich konnte aber gut mit dem Zeichenstift umgehen, was natürlich in meiner Schreinerei große Vorteile brachte, weil ich mit den Mitarbeitern und den Kunden durch Skizzieren schnellere Verständigung herbeiführte.

 

 

San Gimignano – gemalt bei der Exkursion 1998


Als ich dann 1972 nicht mehr in den Gemeinderat gewählt wurde – wo ich bereits 13 Jahre war – ging ich in dieser für mich freien Zeit in die Volkshochschule und belegte die Kurse Aquarellmalerei. Aquarelle deshalb, weil der geringste Aufwand an Geräten, Material und Werkzeug im Vergleich zu anderen Maltechniken notwendig ist. Es ist natürlich naheliegend, dass die Heimatstadt Villingen mit ihren Gassen und Türmen meine Lieblingsmotive sind, vor allem die Goldgrubengasse. Die weitere Umgebung von Schwarzwald, Donautal, Bodensee sind lohnenswerte Motive. Bei Exkursionen des Geschichts- und Heimatvereins an die Loire und in die Toscana war ich motiviert und es entstanden schöne Erinnerungen in Aquarell. Auf unsere Urlaubsreisen in die Provence gehe ich nie ohne Malkasten und Pinsel.

Alles in allem ist Aquarellieren für mich als Rentner ein wunderschönes Hobby und dank meiner Frau Trudi, die mich mit Gartenarbeiten verschont, werden noch viele, hoffentlich schöne Aquarelle entstehen.

 

 


Eine liturgische Seltenheit aus dem Kloster St. Clara in Villingen PSALMISTA SECUNDUM CONSUETUDINEM ROMANE CURIE Frühdruck mit einem handgeschriebenen Teil (Dr. Edith Boewe-Koob)

Der Mittelpunkt des monastischen Lebens ist seit Jahrhunderten die Heilige Schrift. Sie ist nicht nur Gegenstand persönlicher Meditation, sondern die Grundlage des klösterlichen Betens. Die Ordensleute versammelten sich siebenmal zum gemeinsamen Beten, dessen Texte dem Alten und Neuen Testament entnommen sind. Es waren im Mittelalter viele Codices zur Feier der Messe und der Offizien nötig. Doch im Laufe des 12. Jahrhunderts, durch die häufige Abwesenheit des päpstlichen Hofes von Rom bedingt, wurde ein gekürztes Offizium notwendig. Die schweren und großen Codices waren auf Reisen für den Trans- port zu umständlich, so dass eine Straffung und Zusammenlegung der Texte notwendig wurde. Es entstand das „Breviarium secundum consuetudinem curiae Romanae“ 1), das vor allem durch die Initiative der Franziskaner zur allgemeinen Benutzung beitrug. Die Franziskaner haben 1223 zu- gleich mit der Regula bullata, die in der Curia Romana gebräuchliche Form des Offiziums und der Messe angenommen und sich bewusst damit der römischen Choraltradition angeschlossen. Seit dieser Zeit tragen alle Handschriften und Drucke der Franziskaner den Zusatz: „Secundum consuetudinem romanae curie“.

In Villingen, in dessen Mauern im Mittelalter zahl- reiche Klöster ansäßig waren, sind keine mittelalterlichen, liturgischen Handschriften mehr vorhanden. Diese Tatsache ist nur erklärbar, dass bei der Auflösung der Klöster die wertvollen Codices abhanden kamen, oder schon früher durch verschiedene Verordnungen nicht mehr gebraucht wurden. Jedes Kloster besaß für die Gestaltung der Messfeier und der Stundengebete zahlreiche Handschriften und später auch Drucke. Leider existieren aus dem Mittelalter nur noch die vor einigen Jahren aufgefundenen Fragmente, die einen bescheidenen Rest der ehemaligen liturgischen Bücher aus Villingen darstellen. Um so mehr ist es zu begrüßen, dass ein Frühdruck aus dem Kloster St. Clara mit einem handschriftlichen Teil nach Villingen zurückgekauft werden konnte. Das aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts stammende Buch ist, durch den im Kloster St. Clara ausgeführten handschriftlichen Teil, für Villingen eine liturgische Seltenheit.

Unter dem Titel PSALMISTA SECUNDUM CONSUETUDINEM ROMANE CURIE wurde der Frühdruck mit handschriftlichem Teil von Mitarbeitern des Villinger Stadtarchivs mit weiteren Inkunabeln in London ersteigert. Das Buch enthält neben einem Psalterium auch einen Hymnarius, der ebenfalls nach der Gewohnheit der Römischen Kurie aufgezeichnet wurde. Den gedruckten liturgischen Abschnitten wurde ein handgeschriebener Teil angefügt. Die handschriftliche Eintragung auf der Rückseite des Einbandes verrät folgendes:

DISS BUECH GEHÖRT ZUM CHOR S. CLARA IN VILLINGEN

Einige Stempelungen verweisen auf die letzte Besitzerin, die Fürstlich Fürstenbergische Bibliothek in Donaueschingen, die das wertvolle Buch versteigern ließ. Wie das Buch nach Donaueschingen kam, konnte nicht ermittelt werden.

Der Frühdruck und sein Verleger

Der gedruckte Teil besteht aus 8 Seiten ohne Seitenzählung und 144 Seiten, bei denen nur die Rectoseiten (Vorderseiten) mit Zahlen versehen wurden. Unter dem Titel des Buches befindet sich ein Signet oder Druckerzeichen, das auf den Drucker und den Verlagsort hinweist. Das Werk wurde im Katalog von Sotheby den Jahren 1507/1508 2) mit Fragezeichen zugeordnet. Feststeht, dass es bei Luca Antonio Giunta, der von 1489-1538 in Venedig lebte, gedruckt wurde. Dies ist an seinem Druckerzeichen, das aus einer dreiblättrigen, heraldischen Lilie in einem recht- eckigen Rahmen besteht und den Anfangsbuch- staben seiner Vornamen

erkenntlich. Giunta veränderte sein Signet fast für jeden Druck, aber durch die gleichbleibenden Teile und seine Signatur sind die Bücher zweifelsfrei Giunta zuzuordnen. Er ging als Stammvater einer berühmten Druckerfamilie seiner Zeit in die Geschichte ein. 3) Das 1494 benutzte Zeichen war die Vorlage für das Signet in diesem Buch. Es ist in der Anlage identisch, wurde aber für den Druck nach 1500 im Detail kunstvoller ausgearbeitet.

Der Einband des Frühdrucks besteht aus geprägtem Leder. Auf der Vorderseite wurden, neben den vier längs laufenden Bordüren, in der Mitte sieben untereinanderstehende Herzen angebracht. 4) Die Rückseite wurde vertikal mit fünf Bordüren aus- geziert. Zwei ehemals vorhandene Schließen können durch 2 mal 2 Nägel auf der Rückseite angenommen werden.

An den Anfang des Buches wurde nach dem Titelblatt, wie üblich, ein Kalendarium dem Psalterium vorangestellt, so dass sich der Inhalt des liturgischen Buches folgendermaßen zusammensetzt:

1. Titelblatt mit Druckerzeichen

2. Kalendarium

3. Tabelle der Psalmen und Hymnen (alphabe- tisch geordnet)

4. Psalterium secundum usum romane curie (ab hier Blattzählung, fol.1- fol.144)

5. Hymnarius (von Conditor alme 5) = 1. Advent, ad Vesperam bis Te matrem Dei = In Visita- tione B.M.V., ad Vesperam = 2.7.) im handschriftlichen Teil:

6. Liturgia Defunctorum, unvollständig (insgesamt 19 Seiten, ohne Blattzählung)

7. Hymnen zu besonderen Festen (19 Seiten) Die Größe des Buches: 153 mm x 105 mm Der Schriftspiegel: 120 mm x 72 mm Druckort und Jahreszahl wurden nicht angegeben.

Titel und Druckschrift

Der Titel des liturgischen Buches „Psalmista“ wurde im späten Mittelalter öfters verwendet, obwohl ein Psalmista vor dem 4. Jh. ein Vorsänger bei liturgischen Gesängen war, der bestimmte liturgische Vorrechte besaß. Der Psalmista oder später Kantor hatte seinen erhöhten Platz in der Synagoge und in der Kirche auch noch im Mittel- alter, damit ihn alle Gläubigen sehen und hören konnten. Ursprünglich war der Psalmista ein Psalmendichter oder Psalmensänger. Mit der Entfaltung künstlerischer Formen im liturgischen Gesang bekamen die Sänger andere Aufgaben und von da ab versteht man unter dem Begriff Psalmista nicht mehr den Sänger allein, sondern alle an den Offizien beteiligten Ordensleute und Laien und damit als liturgisches Buch.6) Uralt ist die Überlieferung, die David als Psalmendichter bezeichnet. Vom frühen Mittelalter an werden die Titelbilder der Psalterien oft mit dem musizieren- den David geschmückt. 7)

 

Abb.1 König David (eine Seite vor der Blattzählung).

 

„Psalmista“ weist also auch auf David, der auf einem ganzseitigen Holzschnitt, Harfe spielend, vor dem Beginn des Psalteriums, abgebildet wurde. Auch auf fol. 2 v wurde ein Bild Davids in eine Initiale eingefügt. Es war eine an die Antike an- knüpfende Sitte, den Autor an die Spitze seines Werkes zu stellen. In damaliger Zeit wurden Da- vid 73 der 150 Psalmen zugeschrieben. 8)

Im Anschluss an die Überschrift wurde das Druckerzeichen eingesetzt. Die normale Druck- schrift ist schwarz, die Erklärungen, Rubriken und Initialen wurden durch rote Farbe deutlich gemacht. Als besonderer Schmuck wurden im Psalterium einige Initialen als Holzschnitte, teils bildhaft (15), teils floral (11), ausgeführt.

Ursprünglich waren die Initialen als Orientierungshilfe gedacht, die das Auffinden eines bestimmten Textes erleichtern sollte.

Abb. 2 Initiale: Bornkind

 

Kalendarium
Das Kalendarium enthält nicht nur Gedenktage allgemein verehrter Heiliger, sondern auch die Festtage der Angehörigen einiger Ordensgemeinschaften. Es wurden Ordensheilige von OSB (2), OP (3), OESA (3) und von OFM (11) eingetragen, wobei unter den aufgeführten Heiligen sicher noch mancher Ordensangehörige, ohne Zusatz des Ordens, im Kalendarium aufgenommen wurde. Einige der bekanntesten Heiligenfeste werden hier aufgeführt: Die Translatio des heiligen Franziskus am 25. 5. 1230, seine Stigmatisation am 17. 9. 1224, sein Fest am 4. 10. und die Oktav seines Festes am 11. 10. (seine Kanonisation erfolgte bereits im Jahr 1228). Antonius von Padua, OFM, am 15. 2., seine Translatio und sein Gedenktag am 13. 6., Bernhardin von Siena, OFM, seine Translatio am 17. 5. und der eigentliche Gedenktag am 20. 5. (Heiligsprechung 1450) und Bonaventura, OFM, am 14. 7.9) (Heiligsprechung 1482), Ludwig von Toulouse, OFM, am 19. 8. und seine Translatio am 8. 11. 1318. Clara v. Assisi wird am 12. 8. und Elisabeth von Thüringen am 19. 11. gefeiert. Die Erwähnung Nikolaus von Tolentino, OESA, seine Kanonisation (wurde 1325 eingeleitet und wegen des Schismas erst 1446 abgeschlossen), als auch sein Fest am 10. 9. zeigt, neben Bernhardin und Bonaventura, dass im Kalendarium auch die „jüngeren“ Heiligen aufgenommen wurden. Das Fest zu Ehren von Portiuncula, das als Kirchweihfest der Franziskaner gefeiert wird (2. 8.), wurde im Kalendarium bedacht. Es ist die Erinnerung an den Portiuncula-Ablass, der angeblich im Jahr 1216 von Franzis- kus vom Papst erbeten wurde, aber erst seit 1277 bezeugt ist. Seit dem Ende des 14. Jahrhunderts wurde der Portiuncula-Ablass auch anderen OFM-Kirchen gewährt. Ab 1480 allen Kirchen des 1. Ordens des OFM und 1482 auch den anderen zwei Orden (des 2. und des 3. Ordens) jedoch nur für Ordensangehörige. Später, ab 1622, konnten alle Besucher der Franziskanerkirchen den Ab- lass gewinnen.10) Das Vorherrschen der Franziskanerheiligen im Kalendarium ist deutlich. Auch wurden unter dem Einfluss der Franziskaner zahlreiche Feste von Heiligen eingeführt, deren Verehrung schon durch die Aufnahme im gedruckten Hymnarius deutlich wird.

Psalterium

Zu den wichtigsten Aufgaben eines kontemplativen Ordens gehört das Psalmensingen, das die älteste Form des christlichen Kirchengesanges dar- stellt. Die Psalmodie wurde aus den altjüdischen Gottesdiensten im Prinzip und den Texten übernommen. Dort wurden die Psalmen von einem Saiteninstrument begleitet. In der Septuaginta11) wurde das Psalmenbuch „Lieder zu Saiteninstrumenten“ genannt. Im christlichen Sprachgebrauch verlor sich der Nebenbegriff des Begleitens und man bezeichnete das Psalmenbuch als „Loblied auf Gott“, ohne Rücksicht auf instrumentale Begleitung, da in frühchristlicher Zeit im Gottes- dienst keine Instrumentalmusik eingesetzt wurde. Selbst Thomas von Aquin (1225-1274) schrieb noch: „Instrumenta musica sicut citharas et psalteria non assumit ecclesia in divinas laudes, ne videatur judaizare“12) (II 2.q. 91. art. 2.). Psallere hieß nun nicht mehr spielen oder zu einem Saiteninstrument singen, sondern geistliche Lieder vortragen.13)

Die Psalmen haben ihren festgefügten Platz inner- halb der Stundengebete. Der Psalmcursus (ab fol.1r) des liturgischen Buches entspricht in seiner Wochenordnung in Matutin und Vesper der Psal- menreihe der römischen Kirche.14) Im Psalterium wurden viele Hymnen eingestreut, deren Texte nur selten vollständig aufgezeichnet wurden. Ab Beginn des Psalteriums wurden die Blätter mit Zahlen versehen, wobei nur die Rectoseiten gezählt wurden. (Die erste Psalmenübersetzung in deutscher Sprache wurde von Notker von St. Gallen (950-1022) circa um das Jahr 1000 ausgeführt.15)

Das Singen von Psalmen ist ein rezitativisches Ab- singen von Bibeltexten in responsorialem Vortrag. Ursprünglich stimmte ein Sänger den Vers an, auf den die Gemeinde mit einem Kehrvers antwortete. Später lösten sich zwei Chöre im Vortrag der Psalmverse ab. Neben den Psalmtexten werden bis heute auch lyrische Teile, die als Cantica bezeichnet werden, benutzt. Hier haben vor allem die Cantica des NT, das Magnificat, Nunc dimittis und Benedictus innerhalb des Offiziums Bedeutung.16) Es sind also nicht nur Texte des Alten Testaments, sondern auch des Neuen Testaments, die in den Offizien benutzt werden. Das Psalterium gehört zum liturgischen Tagzeitengebet der Ordensleute und Kleriker und ist seit dem 12. Jahr- hundert ein Teil des Breviers.

Dieses Buch wurde für den Franziskanerorden gedruckt und im Klarissenkloster Villingens benutzt. Es ist selbstverständlich, dass die Klarissen in Villingen täglich ein Volloffizium beteten, wie es den monastischen Regeln entspricht. Dies geht auch aus den Aufzeichnungen der Äbtissin von S. Clara, Juliane Ernest (Äbt. von 1655-1665), hervor, die bereits 1637 das Leben der Schwestern beschrieben hat.17)

 

Hymnarius

Im Anschluss an das Psalterium wurde ein Hymnarius (ab fol. 121r) eingesetzt. Auch hier wird ausdrücklich auf die Gewohnheit der Franziskaner: „secundum usum romane curie“ hingewiesen. Die Hymnen wurden ohne Notation aufgezeichnet, wie es in einem Brevier üblich ist.

Schon um die Jahrtausendwende wurden Psalterium und Hymnarius verbunden. Diese Zusammenstellung von Psalterium und Hymnarius ist für die meisten Hymnarien zur Regel geworden.18) Der Hymnus ist ein feierliches, strophisch gegliedertes Lied. Auch innerhalb der Strophen ist die Anzahl der Silben in den einzelnen Versen meistens identisch. Diese, für die Gemeinde an- sprechende, ausgeprägt volkstümliche Form bewirkte, dass sich die Hymnen einer großen Beliebtheit erfreuten. Der Hymnus ist auch heute noch ein „Außenseiter“ in der Liturgie19), da seine Texte nicht auf Bibelstellen, sondern auf Aus- druck persönlicher Frömmigkeit zurückgehen. Die Stellung dieser Gesänge war durch die lange Tradition und durch Autoritäten wie Ambrosius und Benedict20) so bedeutend, dass sie nicht den Vorschriften des Trienter Konzils zum Opfer fielen, wie es z.B. mit den Sequenzen geschehen ist. Bis zur Liturgiereform des Breviers und Missale im Jahr 1912 unter Papst Pius X. herrschte eine große Vielfalt beim Einsetzen der Hymnen in den Ortskirchen. Nur die Ordensgemeinschaften besaßen eine verbindliche Vorschrift für die Benutzung der Hymnen, sowohl textlich wie musikalisch. Die Orden waren auch bei der Verbreitung der Hymnen maßgebend. Die beiden Bettelorden, die Dominikaner und die Franziskaner, über- nahmen ihr Repertoire aus dem Land, in dem sich ihre Liturgie festigte. Die Dominikaner aus Frankreich und die Franziskaner aus Italien.21) Die Stellung der Hymnen als Bestandteil des Kirchengesangs war von großer Bedeutung. Liturgisch standen sie wahrscheinlich schon bei Hilarius von Portiers (um 315-367) und bestimmt bei Ambrosius von Mailand (339-379) als Gesang für die Gemeinde in den Stundengebeten. 22)

Abb. 3 Maria Verkündigung (fol. 120v).

 

Im HYMNARIUS St. Clara wurden auf folio121r-144r, vom 1. Advent bis In Visitatione Beatae Mariae am 2. 7., Hymnen zu bekannten Festen, wie auch Gesänge der im Franziskanerorden besonders verehrten Heiligen aufgezeichnet. Auf der Anfangsseite (folio120v) wurde ein Holz- schnitt mit der Verkündigung Mariens ganzseitig abgebildet.

In der Regel steht in jeder Laudes ein Hymnus, bei besonderen Festen auch bei der Matutin, der I. und II. Vesper. In diesem Druck wurde die Verbindung: Psalterium mit eingestreuten Hymnen und anschließendem Hymnarius benutzt.

Die Apostelfeste von Petrus und Paulus, die Feste des Herrn, die Marienfeste, Feste zu besonders verehrten Heiligen wurden alle mit den dazu- gehörenden Hymnen aufgenommen. Auf der er sten Seite des Hymnarius befindet sich unterhalb des gedruckten Textes ein handschriftlicher Eintrag:

OCCASUM SOL CUSTODIENS LUNA PALLOREM RETINENS CANDOR IN ASTRIS RELUCENS CERTOS OBSERVAT LIMITES 23)

 

Handschriftlicher Teil

Im Anschluss an den Frühdruck folgt der handgeschriebene Teil. Die Eintragung „Soror Barbara payerin“ vor Beginn der Aufzeichnungen wurde im 2. Drittel des 16. Jahrhunderts eingesetzt. Die Identifizierung dieser Schwester bereitete einige Schwierigkeiten, da es im 16. Jahrhundert zwei Klarissen gleichen Namens gab.24) Im Rech- nungsbuch von St. Clara wurde 1557 der Tod einer Schwester Barbara Payerin eingetragen. Man kann davon ausgehen, dass es sich dabei um den Tod der 1. Schwester handelt. Diese Schwester könnte die Benutzerin des Gesangbuches gewesen sein, da die 2. Schwester Barbara als Kellermeisterin eingesetzt war. Möglich wäre, dass Barbara Payer I. das Amt der Kantorin ausgeübt hat, da die Eintragung unmittelbar vor den handschriftlichen Aufzeichnungen steht. Demnach müsste der handschriftliche Teil in der 1. Hälfte des 16. Jahrhunderts geschrieben worden sein, was auch durch die Einordnung der Schrift, die zu einer süddeutschen Bastarda des späten 15./16. Jahrhunderts gehört, dokumentiert wäre. Es ist nicht anzunehmen, dass jede Chorsängerin ein eigenes Exemplar besaß. Das schon in frühester Zeit praktizierte Auswendigsingen wurde weiterhin in den Gottesdiensten gepflegt. Durch die handliche Größe des Buches kann es auch nicht als Chor- buch verwendet worden sein.

Der handgeschriebene Teil umfasst 38 Seiten und beginnt mit einem fragmentarischen Anfang der Liturgia Defunctorum (Totenoffizium), damit wurde ein weiterer Teil des Breviers in das Buch aufgenommen, und den sich anschließenden Hymnen zu den Festen Petrus und Paulus, Franziskus und Ludwig v. Toulouse. Die Melodien wurden in schwarzer Quadratnotation auf vier rote Linien aufgezeichnet. (Rot gezogene Linien wurden bis ins frühe 17. Jahrhundert benutzt). Durch das Herausschneiden von drei Blättern am Anfang der Liturgia Defunctorum ist der am Beginn stehende 94. Psalm nur fragmentarisch (11. Vers) überliefert. Bei dem nachfolgenden Teil der Hymnen fehlt nach dem Eintrag: „In Festo S. Ludovici“ ebenfalls ein Blatt. Dadurch sind die bei- den ersten Strophen des Hymnus nicht mehr vorhanden. Die chronologische Einordnung der Gesänge entspricht nicht immer der üblichen Reihenfolge.

Der handgeschriebene Teil wurde in eigene Lagen mit gröberen Fäden gebunden. Obwohl gleiches Papier wie beim Druck verwendet wurde, könnte dieser Teil zunächst eigenständig gewesen sein, auch schon zur Zeit des Druckes. Dies rechtfertigt die Eintragung des Namens von Soror Barbara Payerin. Später müssten dann beide Teile zusammengefügt worden sein. Dies bedeutet, dass die Bindung beider Teile in den Ledereinband später vorgenommen wurde.

Die Schrift in der Liturgia Defunctorum wurde von einer Hand des frühen 16. Jahrhunderts ausgeführt. Die schlichten Initialen sind größer als die normale Schrift und auch durch rote Farbe besonders gekennzeichnet. Die Schrift gehört zu einer „Süddeutschen Bastarda“. Es ist eine vertikal ausgerichtete Schrift, die gelegentlich leicht nach rechts geneigt ist, was allerdings als Schreibgewohnheit der Schreiberin zu werten ist. Deutlich sichtbar sind die hochgezogenen letzten Schäfte des kleinen m und n. Diese Merkmale sind auch bei der zweiten Schreiberin, welche die Hymnen aufzeichnete, festzustellen. Die relativ langen Unterlängen von p, q, und s fallen in beiden Schriften auf. Diese Eigenart ist öfters bei der „Schwäbischen Bastarda“ zu beobachten. Die Aufzeichnung der Hymnen zeigt neben den schönen Initialen, deren rote Ausmalung mit grau-blauen Verzierungen ausgeschmückt ist, eine kultivierte und dekorative Schrift. Hier wurde bis ins kleinste Detail auf Gestaltung Wert gelegt.

Auch die Notation wurde von verschiedenen Händen ausgeführt. So ist der C-Schlüssel der Liturgia Defunctorum anders geschrieben worden, als der bei den Hymnen. Dieser Schlüssel wurde durch zwei verdickte Querbalken deutlich gemacht. Durch die ebenfalls unterschiedlichen Ausführungen der am Ende einer Notenzeile stehenden Kustoden25) werden die Aufzeichnungen der Gesänge durch zwei verschiedene Hände noch deutlicher. Bei der Liturgia Defunctorum entsprechen die Kustoden in ihrer Größe fast den Noteneintragungen. Dagegen sind die Kustoden der Hymnen als kleinere Zeichen eingetragen worden.

Es wird davon ausgegangen, dass die Schreiberin- nen, es handelt sich mit allen Eintragungen um fünf Hände, wobei die Initialen der Hymnen durchaus von einer zusätzlichen Hand ausgeführt sein können, im Villinger Kloster beheimatet wa- ren. Somit kann auch die Herkunft des hand- schriftlichen Teils als gesichert gelten. Ob das Klo- ster ein Skriptorium besaß, oder ob nur im kleinen Rahmen geschrieben wurde, ist nicht fest- zustellen. Eine erst kürzlich entdeckte Hand- schrift aus dem 17. Jahrhundert, die zahlreiche Hymnen zu den Stundengebeten enthält, zeigt zusätzlich die Schreibfreudigkeit im Kloster St. Clara. Eine spätere Publikation wird angestrebt.

LITURGIA DEFUNCTORUM

Dem Verwendungszweck des liturgischen Buches entsprechend, gehören die Gesänge der Liturgia Defunctorum in erster Linie zum Offizium, da die Anlage des gesamten Buches, einschließlich der handschriftlichen Hymneneintragungen, dieser Gebetsordnung dient. Es wurden Gesänge und Gebete des Totenoffiziums in Quadratnotation aufgezeichnet. Die Responsorien der Liturgia Defunctorum stehen in einer festgefügten Reihenfolge. In den meisten Quellen beginnt die Liturgie mit dem Responsorium Credo, quod Redemptor meus vivit. Eine Ausnahme bilden die Handschriften, in denen an erster Stelle das Responsorium Subvenite sancti steht. 26) Dies konnte hauptsächlich in den romanischen Handschriften beobachtet werden. Deshalb ist es überraschend, dass im handschriftlichen Eintrag der Villinger Klarissen die Responsoriumsfolge mit diesem Gesang begonnen wird. Diese Feststellung darf aber nicht dazu führen, die Beziehung nur zu den romanischen Ländern zu sehen, sondern es sollten die Austauschbeziehungen zwischen der fränkisch-deutschen und der römischen Kirche mit in Betracht gezogen werden, die schon im 10. Jahr- hundert deutlich wurden. 27) Aber es könnte auch die durch die Franziskaner eingeführte Consuetudo Romanae Curiae hierbei mit in Betracht gezogen werden.

Der Psalm 94 leitet in Verbindung mit dem Invitatorium die Matutin ein.28) Durch drei herausgeschnittene Seiten beginnt der Psalm mit dem Ende des 11. Verses. Es folgen Gebete, Responsorien mit Versen, Psalmen mit Antiphonen.

Um die Übereinstimmung der Gesänge über viele Jahrhunderte aufzuzeigen, wird die Antiphon In paradysum deducant te angeli der handschriftlichen Aufzeichnung der Notation im Kyriale Romanum gegenübergestellt.

V = Klarissenkloster zu Villingen

K = Kyriale Romanum, Ratisbonae 1912

 

 

 

Bei der Gegenüberstellung der Gesänge zeigt sich bis auf einige Varianten eine große Übereinstim- mung. Damit wird die viele Jahrhunderte lange Tradition der liturgischen Gesänge deutlich.

Hymnen

Ohne Übergang wurden anschließend zu verschiedenen Heiligenfesten Gesänge aufgezeichnet. Es handelt sich hierbei um Hymnen, die mit Notation aufgeschrieben wurden.

 

HYMNEN ZUM FEST DER HEILIGEN PETRUS UND PAULUS

Zum Fest Petrus und Paulus steht die 1.- 4. Stro phe des Hymnus Aurea luce et decore, allerdings ohne Angabe des Titels und des Verwendungs- zwecks, d. h. in welchem Stundengebet der Hymnus gesungen wurde. Ohne Anmerkung schließt sich die 4. Strophe des Hymnus Felix per omnes an. Dieser Gesang gilt neben Aurea luce et decore als einer der bedeutendsten Hymnen zum Apostelfest. Schon in den alten Handschriften, wie z. B. im Antiphonar aus Silos (11. Jh.) und aus Benevent (12. Jh.)29), haben diese Hymnen, in Strophen geteilt, zu den verschiedenen Festen der bei- den Heiligen ihren Platz gefunden. Beide Hymnen Aurea luce et decore und Felix per omnes, sollen von der Dichterin Elpis (Helpis) geschrieben worden sein. Es sind rhythmische Gesänge, von denen die einzelnen Strophen als selbständige Hymnen verwendet, und an den Festen innerhalb des Offiziums der beiden Heiligen gesungen werden. Ein metrisches Epitaph30) des 7. Jahrhunderts auf eine Helpis aus Sizilien führte dazu, diese Helpis als christliche Dichterin anzuerkennen. Im 13. Jahrhundert wurde angenommen, dass es sich bei dieser Frau um die Gattin von Boethius handeln würde. So ging der Name in die Literatur ein.31) Dem „Fest Ad vincula S. Petri“ wurde von den Klarissen die 4. Strophe von Felix per omnes zugeordnet. Da bereits in alten Handschriften die Strophen der Hymnen auf verschiedene Feste verteilt wurden, verwundert es, dass im Kloster S. Clara zu Villingen die Strophen größtenteils zum Fest Petrus und Paulus nacheinander aufgeschrieben, und somit auch an diesem Fest in der angegebenen Reihenfolge gesungen wurden. Andere Angaben fehlen. Bis auf den letzten Hymnus (Ludwig) wurde bei keinem Gesang hingewiesen, dass es sich um Hymnen handelt.

 

HYMNUS ZUM FEST DER STIGMATISA- TION DES HEILIGEN FRANZISKUS

Franziskanische Frömmigkeit zeigt der folgende Hymnus, der die Stigmatisation des heiligen Franziskus auf La Verna zum Anlass dieses feierlichen Gesanges nimmt. La Verna liegt nördlich von Arezzo. Hier weilte Franziskus oft zur Meditation und wurde an dieser Stelle im Jahr 1224 stigmatisiert. Aus diesem Grund ist der Platz seinem Orden und Verehrern bis heute ein wichtiges Wallfahrtsziel.32) Auch dieser Gesang steht ohne Angaben im hand- schriftlichen Teil. Der Beginn jeder Strophe wurde mit einer roten Initiale gekennzeichnet. Der Hymnus wurde nicht chronologisch eingesetzt, da das Fest der Stigmatisation am 17. 9. gefeiert wird und der Gesang vor dem Hymnus des heiligen Ludwigs (Fest 19. 8.) aufgezeichnet wurde.

Abb. 4 Hymnus: Crucis Christi mons Alverne (Beginn der 1. Strophe)

 

<Hymnus: Crucis Christi mons Alverne> <IN FESTO STIGMATUM S. FRANCISCI> 33) <17. 9>

 

1. Crucis christi mons Alverne

Recenset misteria, Ubi salutis eterne Datur privilegia,

Dum Franciscus <dat lucerne

Crucis sua studia.

2. Hoc in monte vir devotus

Specu solitaria,

Pauper a mundo semotus

Condensat ieiunia,

Vigil, nudus, ardens totus

Crebra dat suspiria.>

Der Hymnus besitzt 7 Strophen, in denen die tiefe Verehrung, die Franziskus entgegen gebracht wurde, deutlich wird. Es wird die Auserwählung des Heiligen gepriesen. Sein Aufenthalt auf La Verna, seine Visionen und die Stigmatisation sind Themen dieses Gesangs.

HYMNUS ZUM FEST DES HEILIGEN LUDWIGS VON TOULOUSE

Der letzte, im handschriftlichen Teil aufgeschriebene Hymnus ist Ludwig von Toulouse gewidmet. Ludwig war der zweite Sohn Karls II. von Anjou, König von Neapel und Großneffe Ludwigs IX., des Heiligen. Er wurde 1274 bei Salerno geboren und starb 1297 in Brignoles (Provence). In den Jahren 1288-1295 war Ludwig als Geisel in Barcelona, wo er Kontakt zu den Franziskanern auf- nahm. Er verzichtete 1296 auf die Krone von Neapel zugunsten seines Bruders Robert. Ludwig trat in den Franziskaner-Orden ein und wurde von Papst Coelestin II. 1294 zum Erzbischof von Lyon und unter Bonifatius VIII. 1295 zum Erzbischof von Toulouse ernannt. Trotz seines kurzen Lebens, er starb am 19. 8. 1297 an einer Krankheit, die er sich in der Gefangenschaft zugezogen hatte, wirkte er überaus segensreich und wurde deshalb 1317 heiliggesprochen.36) Durch seinen aufsehenerregenden Ordenseintritt, durch seine

 

 

Der Reim wurde in diesem Gesang bewusst als Kunst- und Aussagemittel angewandt. Fest verbunden sind die beiden ersten Strophen durch den einen sich wiederholenden zweisilbigen Reim (ia). Bei allen Strophen reimen sich die erste und dritte, sowie die zweite und vierte Zeile. Dieses System entspricht der sog. a b a b – Form. Crucis Christi mons Alverne 34) ist in frühen OFM-Quellen nicht vorhanden. Auch im Brevier wird zum Fest der Stigmatisation meistens ein anderer Hymnus eingesetzt.35)

Liebe zu den Armen und durch seine Demut verbreitete sich sein Kult über ganz Europa. Er wird oft als auffallend junger Bischof im Franziskanerhabit dargestellt 37).

Vom nachfolgenden Gesang ist im handschriftlichen Teil nur die 3.-5. Strophe des Hymnus Dum medium silentium38) erhalten geblieben. Der Textanfang des Hymnus wurde dem AT (Sap. 18, 14) entnommen und ist gleichzeitig der Beginn des Introitus vom Sonntag nach Weihnachten (besonders am 29. oder 30. 12.).

Nach dem Hymnus Crucis Christi mons Alverne steht in der rechten Ecke der linken Seite die Festankündigung für Ludwig. Durch das herausgeschnittene Blatt ist der Text dieses Gesanges wiederum fragmentarisch. Das erklärt auch den Beginn des Ludwigs-Hymnus mit der 3. Strophe, deren erste Zeilen fehlen. Der Text wurde ergänzt und in Klammern gesetzt.

IN FESTO S. LUDOVICI <19. 8.> Ad nocturnum Ymnus 39)

1. < Dum medium silentium Noctis nunc tenent omnia, Coetus cantet fidelium Ludovici praeconia

2. In nocte nempe saeculi Plenus fulsit virtutibus Clarus director populi Velut coelum sideribus.

3. Hic splendet sapienta, Ni>tescit et virginitas, Rorat misericordia Rubetque fervens caritas.

4. Hic40) regulat reliogio Motum firmat tranquillitas, Extollit contemplatio, Parvificat humilitas.

Der Hymnus besitzt 8 Strophen, die auch am Ende unvollständig vorhanden sind. Auffallend in den noch vorhandenen Strophen sind die letzten Worte jeder Zeile. Hier setzte der Dichter jeweils Begriffe christlicher Tugenden ein. Diese entstammen in erster Linie den Texten des NT: Sapientia, Virginitas, Misericordia, Caritas, Religio, Tranquilitas, Contemplatio, Humilitas, Virtus. Damit wird Ludwig von Toulouse in die Reihe der Heiligen gestellt, die diese Tugenden besaßen.

Zusammenfassung

Rekapitulierend kann festgestellt werden, dass dieses liturgische Buch für den Franziskanerorden gedruckt wurde. Besonders zeigt sich dies an den Eintragungen im Kalendarium, im Hymnarius und an dem Zusatz: Secundum Consuetudinem Romane Curie, der in allen Franziskaner-Handschriften und Drucken benutzt wurde. Im Kalendarium sind verehrte, heiligmäßige Ordensleute schon vor ihrer offiziellen Heiligsprechung aufgenommen worden. Obwohl die Jahreszahl des Druckes fehlt, deutet alles darauf hin, dass das Exemplar kurz nach 1500 gedruckt wurde. Interessant ist die Responsorienfolge der Liturgia Defunctorum, die mit dem Responsorium Subvenite sancti beginnt, was als äußerst selten angesehen werden kann. Alle Aufzeichnungen wurden, trotz ihrer verschiedenen Schreiberinnen, im Laufe des 16. Jahrhunderts in einer „Süddeutschen Bastarda“ geschrieben. Die Hymnen wurden nicht immer chronologisch aufgezeichnet. So steht der Hymnus zur Stigmatisation des heiligen Franziskus am 17. 9. vor dem Hymnus des heiligen Ludwigs am 19. 8. Das Klarissenkloster in Villingen zeigt mit diesen Aufzeichnungen starke Verbindungen zum Franziskanerorden, wie es von Clara von Assisi bestimmt war und auch in der Chronik des Bickenklosters zum Ausdruck gebracht wird. Dort wird der Tag der Aufnahme von Barbara Payer in das Kloster zu Villingen als die Oktav des „liebgehabten vatters sanct Ludwigstag“41) (26. 8.) bezeichnet. Die Schwestern haben mit großer Sorgfalt ihre Gebetbücher gestaltet. Die Auszierung der Initialen zeigt die Liebe zum Detail, und dass im Kloster Sankt Clara zu Villingen großer Wert auf schön geschriebene Codices gelegt wurde. Da nicht jedes Kloster ein Skriptorium besaß, wurden in weniger bekannten Klöstern oft nur Gebrauchsaufzeichnungen hergestellt, oder die handschriftlichen Partien in Auftrag gegeben. Im Villinger Konvent aber wurde selbst geschrieben, gelegentlich auch für andere Klöster. Die Eintragungen in das liturgische Buch, vor allem die der Hymnen, zeugen von einer beachtenswerten Schreibkultur im Villinger Kloster. Die Texte und Notationen wurden mit großer Sorgfalt ausgeführt. Es zeigt, dass in Villingen eine bedeutende klösterliche Schreibkultur herrschte, und uns bleibt nur die Möglichkeit, diese Kostbarkeiten zu bewahren und der heutigen Bevölkerung diese Werte zu vermitteln.

 

 

Anmerkungen:

1) PASCHER, JOSEPH: Das Stundengebet der römischen Kirche. München: Fink, 1954 S. 57.

2) In Lucantonio Giuntas (1457- 1538) Publikation des „Psalmista secundum usum monasticum“ vom 17. 11. 1507 wurde der Holz- schnitt David mit der Harfe verwendet, in: Incunabula from the Court Library at Donaueschingen, Auctions-Katalog Juli 1994 Sotheby London Nr. 272 S. 217. Es ist, wie im Text erläutert, nicht nur der Holzschnitt, sondern auch das Druckerzeichen, das genaue Auskunft über den Verlagsort gibt.

3) SARTORI, CLAUDIO: Giunta. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart (MGG). Bd. 5 Kassel: Bärenreiter, 1949. Nach- druck, München/Kassel: Deutscher Taschenbuch-Verlag / Bärenreiter, 1989 Sp. 202-204.

4) Die sieben Herzen besitzen doppelten Symbolcharakter. Schon in der babylonischen und israelitischen Religion war die 7 eine Zahl der Vollkommenheit. Sie wurde von den Griechen und von Augustinus übernommen. Das NT und die christliche Tradition haben mit den 7 Sakramenten, den 7 Bitten des Vaterunser, der 7-Zahl der Tugenden, der Todsünden, der Gaben des Heiligen Geistes und der Werke der Barmherzigkeit diese Linie fortgesetzt (LThK. Bd. 10 Sp. 1303). Das Herz als zentrales Körperorgan steht für das Zentrum des geistigen Lebens und für den Sitz der seelischen Kräfte. Somit auch als Sitz des Erkennens und Denkens (1 Kg 3,11). Die Verehrung des Herzen Jesu war im Mittelalter besonders durch die deutsche Mystik geprägt (LThK. Bd. 5 Sp. 289-292).

5) Dieser Hymnus befindet sich schon im Antiphonar aus Bamberg, cod. lit. 23, 12. Jh. Staatl. Bibliothek Bamberg und im Antiphonar aus Silos, 30850, 11. Jh. Brit. Museum London; AH 51, 46.

6) KIRCHLICHES HAND-LEXIKON, Hg. Michael Buchberger, Bd. 2. Freiburg: Herder, Sp.1626.

7) LThK: Hg Josef Höfer / Karl Rahner.Bd. 3. Freiburg: Herder 1959, Sp. 174ff.

8) Heute geht die Wissenschaft davon aus, dass David zwar einige Psalmen gedichtet habe und somit den Grundstein zum Psalterium gelegt haben könnte, aber es wird nicht mehr angenommen, dass die David zugeschriebenen Psalmen unverändert überliefert sind. WERNER, ERIC: Psalm, in: MGG. Bd. 10 Sp. 1688.

9) Im Kalendarium wurde der 6. 7. angegeben.

10) FUSSENEGGER, GEROLD: Portiunkula, in: LThK. Bd. 8 Sp. 625-626.

11) Septuaginta = alte griechische Bibelübersetzung circa 285-246 vor Christus.

12) „Man benutzt die Musikinstrumente wie Zither und Saitenspie- le nicht in der Kirche zum göttlichen Lob, damit es nicht scheint, dass man dem jüdischen Glauben zugetan sei.“

13) THALHOFER, VALENTIN: Erklärung der Psalmen. 5. Aufl. Regensburg: Verlags- Anstalt, 1889 S. 3.

14) PASCHER, JOSEPH: Das Stundengebet der römischen Kirche. S. 88f.

15) STORK, HANS-WALTER: Psalter / Hymnar, in: Biblioteca Apostolica VATICANA. Liturgie und Andacht im Mittelalter. Hg. Erzbischöfliches Diözesanmuseum Köln. Stuttgart. Belser-Verlag, 1992 S.52.

16) WELLNER, FRANZ: Psalmen, Hymnen und Sequenzen, in: Adam von Sankt Viktor. Sämtliche Sequenzen. 2. Aufl. Kempten: Kösel, 1955 S. 22-28.

17) RECH, HILDEGARD: Äbtissin Ursula Haider. S. 23. In der Chronik des Bickenklosters zu Villingen von 1238-1614 von KARL JORDAN GLATZ wird erwähnt: „Item sch(w)ester JULIANA ERNSTIN von Villingen ist ingeschlossen uf sant Pantaleons tag, was dozemol uf ain sontag im 16(0)3 jar, ihres alters im 15 jarr“.

18) STÄBLEIN, BRUNO: Hymnar. In: MGG, Bd. 6, Sp. 986f.

19) STÄBLEIN, BRUNO: Hymnus. In: MGG, Bd. 6, Sp. 1000.

20) Benedict v. Nursia schreibt in seiner Regula für jede Hore einen Hymnus vor. Vgl. Regula Benedicti, hg. im Auftrag der Salzburger Äbtekonferenz. Beuron: Beuroner Kunstverlag 1992, p. 117.

21) STÄBLEIN, BRUNO: Hymnus. In: MGG, Bd. 6, Sp. 1000.

22) IRTENKAUF, WOLFGANG: Hymnus. A. Der lateinische Hymnus. In: LThK, Bd. 5, Sp. 569-572.

23) Die Sonne bewacht den Untergang, der Mond bewahrt seinen hellen Schein, der Glanz erstrahlt in den Sternen wieder und befolgt die festgesetzten Wege.

24) „Item Bärbelin Payerin ist ingeschlossen uf zinstag nach sant Franciscus tag im 1516 jar, und was alt uf mitwochen nach sanct Michelis 11 jar, und hat der convent quittiert für väterlich und muetterlich erb. Die andern erbfel sind dem gotthus vorbehalten.“ In: Glatz, Karl Jordan: Chronik des Bickenklosters zu Villingen (1238-1614), Tübingen 1881, S.148. „Item Barbara Payerin, genannt Küefferin, ist ingeschlossen uf die octauf unsers liebgehabten vatters sanct Ludwigs tag im 1542 jar, und ward sy darnach uf sanct Mar- tins tag 13 jarr alt. All erbfäll sind dem gozhus vorbehalten.“ Glatz: Chronik des Bickenklosters, S. 150.

25) Kustoden zeigen die Höhe des in der nächsten Zeile stehenden Tones an (custos = Wächter).

26) Es sind im Responsoriums-Katalog von Knud Ottosen von ca. 2000 untersuchten Quellen gerade sechs, die sich ausschließlich in romanischen Ländern befinden. OTTOSEN, KNUD: The Responsories and Versicles of the Latin Office of the dead. Aarhus: Aarhus University Press, 1993 S. 200-201.

27) ODERMATT, AMBROS: Ein Rituale in beneventanischer Schrift (Spicilegium friburgense 26), Fribourg, 1980 S. 236.

28) THALHOFER, VALENTIN: Erklärung der Psalmen. S. 568.

29) Antiphonar/Silos: London, Brit. Museum, Add 30850. 11. Jh. und Antiphonar/Benevent: Chapitre V. 21, St. Loup/Benevent. Beide Hss. ed. CAO II, III, IV. Roma: Herder 1965.

30) Epitaph = Inschrift auf einem Grabstein.

31) AH. Bd. 50 S. 14; AH. Bd. 51 S. 219.

32) FUSSENEGGER, GEROLD: Alverna, in: LThK. Bd. 1 Sp.410.

33) AH. Bd. 4 S. 140. Dieser Hymnus steht auch im Hymnarius des gedruckten Teils und zwar vor: In Visitatione S. Mariae. ( In Visitatione S. M. am 2. 7., In Festo Stigmatum S. Francisci am 17. 9.)

34) Erstmals in: Cod. S. Peter, Salisburg. a. VI. 52. saec. XV.

35) BREVIARIUM ROMANUM. Pars autumnalis. Ratisbonae et Romae: Pustet, 1914 p. 426.

36) LCI. Bd. 7, Sp. 442-445.

37) STÖCKERL, DAGOBERT: Ludwig von Toulouse, in: LThK. Bd. 6 Sp. 1196.

38) AH. Bd. 4 S. 188.

39) Hier wird erstmalig der Begriff Hymnus in der handschriftlichen Aufzeichnung verwendet.

40) In AH steht hunc, was auch grammatikalisch richtig ist.

41) GLATZ, KARL JORDAN: Chronik des Bickenklosters zu Villingen 1238-1614. Tübingen, 1881 S. 150.

Abkürzungsverzeichnis:

AH     Analecta hymnica medii aevi., 55 Bände. Hg. Dreves, Guido Maria, Clemens Blume und Henry Bannister. Leipzig: Reisland, 1886-1922.

CAO    Corpus Antiphonalium Officii, 6 Bände, ed. J.R. Hesbert, Roma: Herder, 1963-1979.

LCI     Lexikon der christlichen Ikonographie, 8 Bände. Hg. Engelbert Kirschbaum, Nachdruck von 1968-1976. Rom/Freiburg/Basel/Wien: Freiburg: Herder, 1994.

LThK     Lexikon für Theologie und Kirche. 10 Bände. Hg. Jo- sef Höfer, Karl Rahner, Freiburg: Herder, 1957-1965.

MGG     Die Musik in Geschichte und Gegenwart. 10 Bände. Hg. Friedrich Blume, Nachdruck von 1949. München: Deutscher Taschenbuch-Verlag und Kassel/Basel/London: Bärenreiter, 1989.

OFM     Ordo Fratrum Minorum (Franziskaner).

OESA    Ordo Fratrum Eremitarum S. Augustini (Augustiner Eremiten).

OP    Ordo Fratrum Predicatorum (Dominikaner).

OSCI    Ordo Sanctae Clarae (Klarissen)

Bibliografie:

Dreves, Guido Maria, Blume, Clemens,    Analecta hymnica medii aevi. Hymnii antiquissimi.

Bannister, Henry (Hg.): Bd. 5, Leipzig: Reisland 1908.

Fussenegger, Gerold:     Alverna, in: LThK. Bd. 1, Freiburg: Herder 1957.

Fussenegger, Gerold: Portiunkula, in: LThK. Bd. 8, Freiburg: Herder 1963.

Glatz, Karl Jordan: Chronik des Bickenklosters zu Villingen von 1238-1614. Tübingen, 1881.

Irtenkauf, Wolfgang: Hymnus. A. Der lateinische Hymnus, in: LThK. Bd. 5, Freiburg: Herder 1960.

Kunz, Lukas: Totenoffizium, in: LThK. Bd. 10, Frei- burg: Herder 1965.

Odermatt, Ambros:    Ein Rituale in beneventanischer Schrift(Spicilegium friburgense 26). Fribourg 1980.

Ottosen, Knud: The Responsories et Versicles of the Latin Office of the dead. Aarhus University Press 1993.

Pascher, Josef:    Das Stundengebet der römischen Kirche. München: Fink 1954.

Rech, Hildegard: Äbtissin Ursula Haider (1413-1498). Ein Beitrag zur Heimatgeschichte von Villingen. Villingen: Wiebelt 1937.

Rehm, Martin:    David. In: LThK. Bd. 3, Freiburg: Herder 1959.

Sartori, Claudio: Giunta, in: MGG. Bd. 5. München: Deutscher Taschenbuchverlag und Kas- sel/Basel/London: Bärenreiter 1989.

Schlötterer, Reinhold: Hymnodie, in: LThK. Bd. 5, Freiburg: Herder 1960.

Schnitzler, Theodor,    Begräbnis, IV. Liturgisch, in LThK. Bd. 2, Jungmann, Andreas:     Freiburg: Herder 1958.

Stäblein, Bruno: Hymnar. In: MGG. Bd. 6, München: Deutscher Taschenbuchverlag und Kassel/ Basel/London: Bärenreiter, Nachdr. 1989.

Stierli, Josef: Herz-Jesu, in: LThK. Bd. 5 Freiburg: Her- der 1960.

Stöckerl, Dagobert:    Ludwig von Toulouse, in: LThK. Bd. 6 Freiburg: Herder 1961.

Stork, Hans-Walter: Psalter/Hymnar. In: Biblioteca Apostolica Vaticana. Liturgie und Andacht im Mittel- alter. Hg. Erzbischöfliches Diözesanmuse- um Köln. Stuttgart: Belser-Verlag 1992.

Thalhofer, Valentin: Erklärung der Psalmen. 5. Aufl. Regensburg: Verlags-Anstalt 1889.

Wagner, Peter:    Psalmista, in: Kirchliches Hand-Lexikon. Bd. 2 Freiburg: Herder 1912.

Wellner, Franz: Psalmen, Hymnen und Sequenzen, in: Adam von Sankt Viktor. Sämtliche Sequenzen. 2. Aufl. Kempten: Kösel 1955.

Werner, Eric: Psalm, in: MGG. Bd. 10. München: Deutscher Taschenbuch-Verlag und Kas Jungmann, Andreas: sel/Basel/London: Bärenreiter 1989.

 

 

 

Die Altstadtkirche Gymnasiasten vom Romäusring präsentieren Dokumentation Villinger Stadtgeschichte (Bernd Schenkel und SchülerInnen des Romäusring- Gymnasiums Villingen)

Der Beitrag, den die Arbeitsgemeinschaft (AG) Geschichte am Gymnasium Romäusring zum Tag des offenen Denkmals 2000 präsentierte, ist nicht nur eine enorme Fleißarbeit, sondern eine echte Meisterleistung. Unter dem Titel „Die Altstadt- kirche“ haben Thomas Kirchner, Eva Spira, Stefanie Spira, Marc Weber und ihr Geschichtslehrer Bernd Schenkel eine Dokumentation vorgelegt, die weit über den Tag des Anlasses hinaus beachtlichen historischen Wert hat.

Das Thema des Denkmalstages „Alt und Neu“ könnte in diesem Fall auch in „Alt und Jung“ um- gemünzt werden, denn eine Mannschaft junger Hobbyhistoriker beschäftigte sich eingehend mit Villingens ältestem Gebäude: der Altstadtkirche. Sie haben sich ihr Thema schon im Jubiläumsjahr

1999 ausgeguckt und sind beim Stöbern in Archiven und städtischen Amtsstuben und beim Studieren lokalhistorischer Literatur und alter Kirchenbücher fündig geworden. Doch was richtige Forscher sind, die verlassen sich nicht nur auf das geschriebene Wort, sondern sie gehen der Sache mit eigenen Augen und Ohren an Ort und Stelle auf den Grund. Sie kletterten im rund 900 Jahre alten Turm der heutigen Friedhofskirche herum, untersuchten Mauerwerk und Gebälk und löcherten den Friedhofsverwalter Klaus Naskowski mit ihren Fragen.

Auf den Spuren Villinger Stadtgeschichte: Die Arbeitsgemeinschaft Geschichte des Romäusring-Gymnasiums mit (v. l.) Thomas Kirchner, Eva und Stefanie Spira, Geschichtslehrer Bernd Schenkel und Marc Weber.

 

Was dabei herausgekommen ist, kann sich wahrlich sehen lassen. Neben der Diaschau, die die Erkenntnisse ihrer gemeinsamen Arbeit in Bildern sichtbar macht und am Tage des Denkmals in der Friedhofs-Aussegnungshalle vorgeführt wurde, ist eine beachtliche schriftliche Dokumentation ent- standen. Auf mehr als drei Dutzend DIN-A-4- Seiten, mit zahlreichen Farbfotos, Plänen und historischen Bildern haben die Gymnasiasten fest- gehalten, was bei ihren Recherchen herausgekommen ist. Der Geschichts- und Heimatverein ist über das Engagement der jungen Leute sehr erfreut. Der Vorsitzende Günter Rath: „Das ist doch der Beweis, dass sich die Jugend auch für Villinger Stadtgeschichte interessiert, wir sind der AG des Romäusring-Gymnasiums und ihrem Lehrer sehr dankbar und können nur hoffen, dass diese Arbeit Nachahmer findet. „Im Vorwort ihres Heftes stellen die Schülerinnen und Schüler klar, dass das Denkmalstag-Thema „Alt und Neu“ auch auf Villingens ältestes Bau- werk passt. In wenigen Zeilen ist da zusammen- gefasst, was dann auf den 37 Seiten der Broschüre zu lesen ist.

Diese Lithografie von E. Kaufmann zeigt einen Blick auf die Altstadtkirche, den Friedhof und die Stadt Villingen vom Kopsbühl aus. Das Bild ist 1850 oder etwas früher entstanden und zeigt die Altstadtkirche kurz vor dem Abriss. Die Vorhalle fehlt schon, sie wurde bereits 1841 abgetragen.

 

 Alt und Neu

„Alt und Neu“ ist das Motto des Tags des offenen Denkmals im Jahr 2000. Passt dieses Motto zu der Altstadtkirche, die wir in diesem Heft vorstellen wollen? Alt ist sie ganz sicher. Ihr Turm ist das älteste Bauwerk Villingens. Vor 900 Jahren wurde er gebaut, vielleicht ist es sogar noch länger her. Doch diese Kirche ist auch ein Ort, wo Gestern und Heute aufeinandertreffen. In der Vergangenheit hatte die heutige Kirche eine andere Bedeutung, eine andere Funktion als heute und auch ein anderes Aussehen. Sie war die Pfarrkirche des alten Dorfes Villingen und blieb auch die Pfarrkirche, als die Stadt auf der anderen Seite der Brigach entstand und das Dorf sich allmählich auflöste. Ja, sie blieb auch Pfarrkirche als 1200 Meter entfernt das prächtige Villinger Münster entstanden war. Bis zum Ende des Mittel- alters blieb sie die Mutterkirche, das Münster die Tochter-, die Filialkirche. Erst im 16. Jahrhundert wurde die kirchenrechtliche Position der Altstadtkirche der Realität angepasst und sie wurde Filialkirche des Münsters.

 

Der Turm der Kirche auf dem Friedhof ist Villingens ältestes Bauwerk.

Nach diesem Verlust an Bedeutung änderte sich auch die Funk tion der Kirche. Der Friedhof des alten Dorfes wurde im 18. und 19. Jahrhundert zum alleinigen Friedhof der Stadt, nachdem die innerstädtischen Friedhöfe beim Münster und beim Franziskanerkloster nicht mehr bestanden. Der Tatsache, dass aus der Pfarrkirche eine Friedhofskirche geworden war, trugen die Bürger der Stadt in der Mitte des 19. Jahrhunderts auf ihre Weise Rechnung, ließen das alte Kirchenschiff abreißen und errichteten den heute bestehenden Kirchenraum: eine Friedhofskapelle, eine Aussegnungshalle.

Eine letzte Veränderung erfuhr die Anlage, als 1969 bis 1971 die Wartehalle und ein Verbindungsbau zur Kirche errichtet wurden. Alt und Neu fügten sich zusammen. Aus der mittelalterlichen Dorfkirche, dem zentralen Ort religiösen Lebens, ist eine städtische Einrichtung geworden, ein Stück kommunaler Dienstleistung, die nur noch teilweise eine religiö- se Bedeutung hat. Dieser Wandel wird auch durch die Tatsache unterstrichen, dass die Kirche 1924 vom Münsterkirchenfonds an die Stadtgemeinde Villingen verkauft wurde. Alt und Neu stehen hier einträchtig nebeneinander – sowohl architektonisch als auch was die Funktion betrifft.

Auf den folgenden Seiten dieser informativen Schrift, die nach ihrem Erscheinen schnell vergriffen war und nachgedruckt werden musste, erfahren die Leser viel über das alte Dorf Villingen auf der anderen Brigachseite, über die Altstadtquelle, die frühere Pfarrkirche Villingens, ihre Baugeschichte, Funktion und einstige Ausstattung. Die wechselvolle Geschichte dieses Gotteshauses und seines markanten Turmes reicht über 900 Jahre hinweg und führt in unsere Zeit hinein, denn dort befindet sich heute die Friedhofskapelle und Aus- segnungshalle.

Die jungen Geschichtsforscher haben sich ein dickes Lob verdient und allen geschichtsbewussten Menschen sei diese Schrift, die an der Kasse des Franziskanermuseums für 10,– DM zu haben ist, wärmstens empfohlen.

 

 

 

 


Die Villinger Badgass um 1932 (Walter Gentner)

Das gleichnamige Motiv ist eine Kohlezeichnung aus der Erinnerung gesehen. Der Ruhe ausströmende Anblick wirkt wie ein verträumter Dorfwinkel, denn die Gasse ist untypisch im Vergleich zu allen anderen Villinger Gassen.

Es fällt auf, dass hier weder Erker noch vorgesetzte Dachgaupen, das sogenannte „Obertenloch“ zu sehen sind. Die Bebauung zeigt keine, wie sonst im Kernbereich der Stadt übliche, geschlossene Häuserfront. Ein Blick auf den Lageplan der Stadt von 1695, dessen Original sich im G.L.A. Karls- ruhe befindet, zeigt, dass an der rechten Straßenseite noch keine Häuser standen. Statt dessen waren Gärten da trotz der beengten Wohnmöglichkeiten, bedingt durch die Abgrenzung des Mauerringes. Diese kleinen Oasen waren damals ja lebensnotwendig, zumal außerhalb der Stadt oft genug ein Beackern des Bodens wegen der durch- ziehenden oder die Stadt belagernden Truppen unmöglich war.

Im Bild vorne rechts sehen wir also noch einen Rest der Gärten, der aber im Jahre 1952 durch die Wäscherei Grieshaber bebaut wurde. Die Bebauung lehnte sich an das in der Rietgasse befindliche Wohnhaus, gen. „Murer-Freche-Hus“ an. In diesem Garten ist ein Bretterschopf zu erkennen, daneben ein kleines Haus. Darin befand sich damals die Werkstatt von Holzbildhauer Zimmermann. Das erste Gebäude rechts – übrigens mein Geburtshaus – steht einige Meter hinter der

„Stroßekantl“. Das war für ein landwirtschaftliches Anwesen, man denke an den anfallenden Mist oder zur Brennholzlagerung, nützlich. Am Giebel sieht man noch, dass dieses Haus in zwei Etappen erstellt wurde. So ist der hintere Teil zu- erst nur Stallung gewesen. Im Jahre 1794 bauten es Jakob Engel und Brigitta Margareta zum Wohnhaus um. Das Heu und Brennholz hat man im Innern des Hauses auf die „Bühne“ hochgezogen. Mit einer großen Falltüre konnte man den Aufzugsschacht überqueren. Das nächste Haus war das „Gihre Hus“, ein typisches Bauernhaus mit großer integrierter Scheune, oben das „Gräch“ für’s Heu. Danach kommt das Eck Badgasse – Zinsergasse. Hier stand ein großes Bretterlager der Firma Möbel-Riesterer. Der Betrieb befand sich zwischen der Färberstraße und der Rosengasse und Thomasgasse. Nach Auflösung der Firma war das Bretterlager überflüssig und ist abgerissen worden. Die Villinger „Fortuna Brauerei“ hat die- se Lücke geschlossen. Es entstand hier die allseits bekannte Gaststätte „Zum Fäßle“. Ganz hinten sieht man das querstehende, zur Zinsergasse gehörende Anwesen der Küferei Eppler. Davor Krautstanden, Mostfässer oder Brühzuber sind ein vertrautes Bild gewesen. Und eine Gaslaterne an der Hauswand war dort, besonders nachts, nicht zu übersehen. Dieses über dreihundert Jahre alte Haus ist wegen Bauschäden und Stadtsanierungsplänen am 29. 4. 1976 abgebrochen worden. So ging wieder ein Stück Romantik verloren, ebenso“Die“ Informationsquelle schlechthin, denn die Leute uff ‚m Bänkli vorem Hus kannten sich über alles und älli us.

Auf der linken Seite steht das „Moler-Fischer- Hus“ mit angebauter Werkstatt. Wenn dem Mo- ler Fischer das Kindergeschrei auf der Gasse zu bunt wurde, stellte er sich auf die hohe Werkstatteingangstreppe, brummte Unmissverständliches durch seinen Hindenburgbart – und alle suchten dann eiligst das Weite. Hier entstanden zur Vorfasnachtszeit Narro-Häser, so manche Scheme wurde dort gefasst. Um zu wissen, ob’s nicht schon „degege“ goht, bedurfte es nur eines Blickes durch’s Werkstattfenster. Wenn die Häser dann an der Decke hingen, farbentrocknend, war die fünfte Jahreszeit angebrochen. Die Werkstatt steht heute nicht mehr, aber der „Fasnetgoescht“ von damals überlebte.

Nicht mehr auf dem Bild, aber zur Badgasse gehörende Gebäude sind: Linke Seite das Haus Kohler und die ehemalige Badeanstalt. Dort sollen neben der nötigen Körperpflege auch Kneipp‘ sche Wasser-Anwendungen praktiziert worden sein. Das große Eckhaus, heute Fahrrad-Fleig, hatte eine Wirtschaft „Zum Bad“. Danach war eine Uhrenfabrik im Haus. Überquert man die Rietgasse hier, führt die Badgasse noch bis an die Mauer des Franziskanerkloster-Garten. Das mit der Frontseite zur Rietgasse stehende Haus (Schaufenster von Fahrrad-Fleig) gehört ebenfalls noch zur Badgasse. Dieses Stück der Gasse taufte der Villinger Trachtenverein intern um in: „Miliz- Gässli“. Von hier gelangt man geradewegs zum Elisabetenturm, in dem sich dessen Vereinsheim befindet.

 

Auch auf die damaligen Sitten sei hingewiesen. So mussten die Kinder, wenn es abends „Bettziet glitte hät“, von der Gasse rein in ihre Stuben. Interessant war auch zu sehen, wie der Grüßer Franz den jungen Kälbli das Laufen beibrachte, so jeden Tag einmal um’s „Stürzli“. Übermütige Geißen sind bis in die Weiherstraße geschleift worden, wollte man den Artenbestand vermehren.

Im Rietviertel war besonders viel Landwirtschaft, sodass vom Frühjahr bis in den Herbst hinein täglich Kuhgespanne mal da mal dort zu sehen waren. Im Herbst wurde noch in der Zehntscheuer das Getreide gedroschen, und beim Küfer Hog wurde gemostet. Natürlich durfte die Brennholzmacherei für den Wintervorrat in keinem Hause fehlen.

Die einstige Idylle ländlicher Beschaulichkeit inmitten einer turmbewehrten Stadt ist längst Vergangenheit und wird für alle Zukunft traumhafte Erinnerung bleiben.

Waltraud Oloff – Die Malerin des alten Villingen (Hermann Colli)

„Das alte Stadtbild hat mich sofort fasziniert und inspiriert, als ich hier ankam; ich habe mich gleich in Villingen verliebt“, sagt Waltraud Oloff spontan, als sie nach den ersten Eindrücken gefragt wird, als sie aus dem Schwabenland in den Schwarzwald kam. Das war vor knapp 50 Jahren. Genau gesagt: Am 25. August 2001 ist sie ein halbes Jahrhundert hier künstlerisch tätig. Die Spuren ihres Schaffens sind deutlich erkennbar. Waltraud Oloff hat in dieser Zeit nicht nur ein Stück Kunstgeschichte, sondern auch ein Stück Stadtgeschichte geschrieben, denn sie hat, wie kaum jemand anders, den Wandel des Gesichtes dieser Stadt in ihren Bildern dokumentiert. Sie ist die Malerin des alten Villingen der heutigen Zeit geworden.

Wie viele solcher Dokumente sie inzwischen geschaffen hat, kann sie selbst nicht mehr so genau sagen. Es fällt schon schwer, alle die Häuser aufzuzählen, in denen ein Oloff-Bild an den Wänden hängt. Und dann kommen noch ihre zahlreichen Kunstwerke hinzu, die viele öffentliche Gebäude zieren. Kurzum: Das Werk der in Unterkirnach lebenden Frau ist in der Zähringerstadt zu Hfaufse.

Als ihr Mann, Edwin Oloff, 1951, in der Pionierzeit der Television, bei der Saba im Fernsehlabor seine erste Stelle fand, lag es nahe, den Wohnsitz in Unterkirnach zu suchen, wo die Oloffs aus Berlin schon immer gerne die Familienbande im Schwarzwald pflegten. Waltraud Oloffs Schwiegermutter stammt aus der bekannten Orchestrion-Dynastie Blessing, die in Unterkirnach ihren Stammsitz hatte. Hier wuchsen die drei Kinder Karin, Sven und Gunnar auf und in ihnen fand die Mutter für ihre Vorliebe am Kinderporträt auf natürliche Weise Gelegenheit zum Umgang mit dem Modell.

Oloff: Das Webergässle. Im Sommer 1999 gemalt, im Herbst – nach Abriss der Häuser im Hintergrund – schon ein geschichtliches Dokument.

 

Wie sie sagt, ist beim Porträt, der heikelsten Aufgabe in der Malerei, eine rasche Beobachtungsgabe und Einfühlungsvermögen neben dem Talent für figürliche Darstellung wichtig. Waltraud Oloff:

„Diese Arbeitsdisziplin des genauen Hinsehens hat meine Vorgehensweise auch bei anderen Motiven geprägt.“

Vom Zeichnen herkommend übt sie sich in verschiedenen Techniken. Ob mit Kreide, Aquarell, Tempera oder Mischtechnik bis hin zu Öl und zur Lithografie, versuchte sie sich – dem jeweiligen Thema entsprechend – weiterzubilden. Waren es anfangs ihre ersten Aufträge Kinder zu zeichnen – und das Honorar in der Nachkriegszeit manchmal

Oloff: Das Kanonengässle. Der alte Kiosk vom Bahnhof ist in die Bärengasse „umgezogen“ und passt genau ins Bild

 

Mehl und weiße Bohnen – so fand Waltraud Oloff in Villingen und Umgebung zur Stadt- und Landschaftsdarstellung. Sie meint: „Auch hier ist Disziplin, Einfühlungsvermögen und das Abwägen von Detailgenauigkeit und Vereinfachung notwendig.

Wenn das Modell in seiner Persönlichkeit erfasst ist, wenn die Erlebnisstimmung einer Landschaft, einer Stadt, im Bild lebendig wird, dann ist die Aufgabe zu einem guten Teil gelöst. Für Frau Oloff ist ein Stadt- und Landschaftsbild auch ein Porträt. Das Gesicht einer Stadt – und hier spricht sie vor allem ihr geliebtes Villingen an – hat seine charakteristischen und prägenden Züge. Sie hat das Antlitz der Zähringerstadt in dem halben Jahrhundert ihres künstlerischen Wirkens studiert wie eine Mutter das Gesicht ihres Kindes. Sie hat Lachfalten und Grübchen genau so entdeckt, wie Runzeln, Krähenfüße und Falten. Ob ihre Bilder pulsierendes Leben in der Stadt (Marktszenen, Einkaufsbummel, Fasnet) festhalten, markante Gebäude, malerische Plätze oder stille Winkel und schmale Gässle mit alten Fassaden, Erkern und Dachgauben, immer ist es ein Blick in das Gesicht der Stadt.

Oloff: Das Münster im Winter. Die eingerüsteten Türme erinnern an die Renovation von 1978 bis 1982.

 

„Beim Betrachten der Gemälde von Waltraud Oloff fühlt man sich eingeladen zu Muße und ruhigem Atmen; dies ist ein grundlegender Stimmungswert ihrer Kunst“, schreibt Dr. Marc Cluet von der Sorbonne in Paris in dem Buch „Waltraud Oloff – Das malerische Werk“. Dieses Buch, das

1992 auf den Markt kam und im Fachhandel erhältlich ist, gibt einen umfassenden Überblick über das Leben und die vielfältigen Arbeiten der Unterkirnacher Malerin.

Zeit haben, sich Zeit nehmen, Zeit festhalten, das vermitteln ihre Bilder. Doch wer sie kennt, sieht ihr kaum an, dass sie sich diese Zeit nimmt. Sie läuft eiligen Schrittes zielsicher durchs Städtle; hat immer etwas zu erledigen. Meistens hat sie eine Tasche in der Hand, oder eine Mappe, oder beides. „Ich habe noch so viel vor und zu tun.“ Die Ruhe kommt mit dem Malen. Dann ist die Hektik des Alltags vergessen. Dann kommt die Ruhe, die ihre Bilder ausstrahlen, auch bei ihr zum Ausdruck. Wenn sie an der Staffelei in ihrem Atelier in Unterkirnach steht, spürt man die Konzentration und die selbst auferlegte Arbeitsdisziplin. Dabei kann sie keine Zuschauer gebrauchen. Sich beim malen über die Schulter schauen zu lassen, das mag sie nicht. Wohl fühlt sie sich, wenn sie aus einem stillen Eckchen heraus, aus einem Hinterhof-Fenster, einer Dachluke, ihr Motiv in Ruhe betrachten und auf dem Skizzenblock fixieren kann. Manches Kleinod hat sie so aufgestöbert und vor dem Vergessen bewahrt. Auch auf Baugerüste klettert sie bisweilen. „Von dort kann ich meistens in mehrere Richtungen blicken, etwas Neues entdecken und dabei kommt oft noch ein zweites Bild zustande“, freut sie sich über das „Zubrot“ einer Kletterpartie. Baugerüste sind für sie nicht nur Standort bei ihrer Arbeit, sondern auch manchmal Motiv. Sie bringt nämlich nicht nur die „malerische und fertige Stadt“ auf Papier oder Leinwand, sondern auch Stationen und Situationen in denen sich das Stadtbild gerade verändert. So hat sie mit eingerüsteten Münstertürmen und mächtigen Baukränen über Altstadtdächern Dokumente des Wandels geschaffen: in Farben registrierte Stadgeschichte!

Warum sie vor allem Pastellbilder malt? Waltraud Oloff hat diese Art der Malerei zur Perfektion aus der Not entwickelt. „Als ich mit dem Malen anfing, gab es nicht viel anderes als aus Nachlässen der Berufsmaler in der Familie“ ist ihre einfache Erklärung. Das waren die Kriegs- und Nachkriegsjahre, die auch zu einem aprupten Abbruch ihrer Ausbildung führten. Sie hatte 1944 an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart gerade das erste Semester ihres Kunststudiums begonnen, da war’s damit auch schon wieder zu Ende. Im

Oloff: Blick auf die Benediktinerkirche. Ein historisches Bild. Die rustikale Häuserzeile musste dem Münsterzentrum weichen.

 

In der Villinger Dachlandschaft findet die Malerin immer liebenswerte Details.

 

Herbst des gleichen Jahres wurden die Hochschulen geschlossen. Was folgte, hatte nichts mit Kunststudium zu tun: Arbeitsdienst, Pflichtjahr, Erntedienst. „Ich hätte liebend gern eine solide Ausbildung gehabt“, klagt sie im Nachhinein und sie sehnt sich noch heute nach einer „richtigen Malerwerkstatt“. Da sie inzwischen alleinerziehende Mutter geworden war und weitgehend von der Malerei leben musste – versuchte sie sich alle Techniken allein beizubringen. Ihre Schule hieß: Schauen, Schauen, Schauen und beste Vorbilder suchen. Die Begabung hat sie aus ihrem Elternhaus mitgebracht. Der Vater, Landarzt in Reutlingen-Lichtenstein, war ein begabter Zeichner und seine Schwester war einst die Lehrerin seiner späteren Frau Luise an der Stuttgarter Kunstschule.

Das Riettor. Der Vorplatz mit dem Rentnerbänkle hat inzwischen ein anderes Gesicht bekommen. Leider kein schöneres.

 

Schulgasse mit Blick zum Franziskaner. Licht und Schatten in den Winkeln der Villinger Altstadt.

 

Dieser Mutter, Luise Koch, verdankt die Tochter wohl besonders den Sinn für landschaftliche und architektonische Motive. Die ganze Familie

– Tochter Waltraud hatte noch vier Schwestern – war und ist musisch begabt und bot so die Basis für eine künstlerische Laufbahn; auch ohne Akademiejahre und Stipendien.

Waltraud Oloff ist heute für viele Menschen eine geschätzte und angesehene Künstlerin, deren Arbeiten nicht nur in ihrer schwarzwälderischen Wahlheimat, sondern in der ganzen Region gefragt sind. Im Mittelpunkt der Öffentlichkeit steht sie nicht gerne und sie hält sich, was Ausstellungen betrifft, auch weitgehend zurück.

Pulsierendes Leben an der Fasnet in Villingen hat die Unterkirnacher Malerin in vielfältigen bunten Motiven eingefangen.

 

Aus dem Villinger Kunstverein, dem sie über 30 Jahre langaktiv angehörte, hat sie sich schon längst verabschiedet. Aber nicht von der Kunst und nicht von den Menschen, die ihre Arbeiten lieben. Sie ist immer unbeirrt ihren eigenen Weg gegangen, der sie durch Höhen und Tiefen führte. Finanzielle Reichtümer hat sie nicht ansammeln können, aber es ist für sie beglückend, dass sie mit ihrer Arbeit vielen Menschen Freude machen kann und das hoffentlich noch lange! Rückblickend sagt die rüstige, liebenswerte und selbsbewusste Fast-Fünfundsiebzigerin, die bei viel Lob und Anerkennung immer bescheiden geblieben ist: „Ich freue mich, dass das Schicksal immer so gnädig mit mir umgegangen ist; ich bin dankbar für jeden Tag“.

Waltraud Oloff

1926 in Stuttgart-Feuerbach geboren als fünfte

Tochter von Dr. Theodor Koch und Luise, geb. Dietrich.

1932 Umzug nach Lichtenstein-Unterhausen, wo der Vater eine Landarztpraxis übernahm.

1943 Tod der Mutter. Nach dem Oberschulbesuch in Reutlingen Absolvierung eines Pflichtjahres.

1944 Erstes Semester a.d. Akademie der Bildenden Künste Stuttgart unter Prof. von Grävenitz. Im Herbst Schließung aller Hochschulen.

1945 Arbeitsdienst bis Kriegsende in Zell im Wiesental. Danach Weiterbildung an der freien Kunstschule Stuttgart (Akt- und Kopfzeichnen). Kurz nach seiner Gründung Eintritt in den Verband Bildender Künstler Württembergs und Beteiligung an dessen Ausstellungen und im Reutlinger Spendhaus. Gemeinsame Ausstellung mit den Schwestern A. und G. Koch im Kunsthaus Fischinger, Stuttgart. Daneben erste Auftragstätigkeit, vorwiegend Porträts.

1951 Heirat und Übersiedlung nach Unterkirnach.

1953 / 56 / 58 Geburt der drei Kinder Karin, Sven und Gunnar.

1955 – 1989 Mitglied des Kunstvereins Villingen- Schwenningen und Beteiligung an dessen regelmäßigen Ausstellungen. Eigene Ausstellungen in der Städtischen Galerie Tuttlingen und Bad Dürrheim, in Sigmaringen mit Bildhauer Yelin, Stuttgart.

1955 Stadtmotive und Landschaften nehmen etwa von 1955 an, neben dem Porträt, einen großen Teil der Arbeiten ein, später auch Stilleben. Dem Tierbild gehört immer eine besondere Liebe.

1966 Teilnahme an der Internationalen Sommerakademie Salzburg im Fach Litografie bei Prof. Soucek und Prof. Otte. Einrichtung einer eigenen Lithowerkstätte.

1967 Aquarellkurs an der Sommerakademie Salzburg bei Prof. Moldovan, Wien, und Bildhauerei bei Prof. Kirchner, München.

1988 Beteiligung an der Kunstausstellung „Vor Ort“ in Villingen im Rahmen der Landeskunstwoche Baden-Württemberg in der Benediktinerkirche und im Münsterzentrum.

1992 Buchpräsentation „Waltraud Oloff – Das malerische Werk“ in der Sparkasse VS

aus Anlass des Firmenjubiläums von VSO – Merk + Steitz GmbH, VS-Villingen

1999 Beteiligung an der Kunstausstellung „Villinger Motive“ im Jubiläumsjahr in der Sparkasse.

Die Künstlerin im Garten ihres Hauses.

 

Die Bilder zu diesem Bericht, deren Originale sich zum größten Teil in Privatbesitz befinden, stellte uns Frau Oloff freundlicherweise zur Verfügung.

Schmiedemeister mit vielen Begabungen (Hermann Colli)

Hans Stern blickt auf drei Generationen erlebter Villinger Handwerksgeschichte zurück

Als vor dreizehn Jahren die Esse in der Werkstatt an der Voltastraße erlosch und der Hans Stern seinen Lederschurz an den berühmten Nagel hängte, ging ein gutes Stück Villinger Handwerkstradition zu Ende: Die Ära der bekannten und geschätzten Hufund Wagenschmiede Stern! Der Schritt in den Ruhestand ist dem stets umtriebigen  Handwerksmeister, der mit großer Liebe an seinen Beruf hing, nicht leicht gefallen. Aber er ließ sich nicht vermeiden, denn die Baupläne des Arbeitsamtes an der Landwattenstraße vereinnahmten 1988 auch das Grundstück des ehemaligen Villinger Gaswerkes, in dessen Übergabestation Hans Stern, nach zwei Umzügen, seine letzte Schmiedewerkstatt betrieb.
Wenn es so etwas wie Schmiedeblut gibt, dann hatte Hans Stern eine Menge davon in den Adern. Geerbt von den Vorfahren. In der Rietstraße 23, einem rund 400 Jahre alten Bürgerhaus, das heute mit seinem bunten blumengeschmückten Erker zu den schönsten in der Fußgängerzone gehört, hatte im Januar 1888 der Großvater, Johann Stern, die Hufund Wagenschmiede gegründet. Er und seine Frau Agnes hatten sicher keinen leichten Stand, denn in Villingen gab es auf diesem Gebiet jede Menge Konkurrenz.
Der Enkel Hans, kann heute noch aus dem Stand heraus vier Betriebe aufzählen, die sich in seiner Jugendzeit allein innerhalb der Stadtmauern befanden. In der Oberen Straße 19 betrieb Eugen Kress eine Hufund Wagenschmiede und in der Gerberstraße 34 „residierte“ Schmiedemeister Hofsäß; Richard Fleig hatte seine Werkstatt in der Bickenstraße 14 und dann loderte in der Rietstraße 23 ja die Esse von Hans’ Großvater Johann. Dieser war übrigens nicht nur ein tüchtiger Handwerksmeister sondern auch ein weitsichtiger Mann, der frühzeitig die Weichen für eine Berufsvereinigung stellte.

Gründer der Schmiedeinnung
Das ist einem Schreiben zu entnehmen, das Hans
Stern bei seinen zahlreichen gesammelten Dokumenten aus der Familienhistorie fand. Darin wendet sich der „provisorische Vorstand“ Johann Stern am 24. Mai 1910 mit „kollegialem Gruße“ an seine Kollegen und lädt auf Sonntag, den 29. Mai, zur Gründung einer Schmiede-Innung ins Gasthaus Löwen ein. In dem Brief heißt es unter anderem: „Nachdem sich unsere Kollegen im Oberland, sowie im Nachbarbezirk Donaueschingen aufgerafft haben, Schmiede-Innungen zu gründen, haben sich einige Kollegen  unseres Bezirks entschlossen, die Gründung einer Schmiede-Innung für unseren Bezirk zu beraten.“ Damit werden die Schmiede aus Villingen und Umgebung zur Gründungsversammlung eingeladen. Johann Stern, der

sich zum Wortführer der Kollegen machte und somit wohl als einer der Gründerväter der Innung bezeichnet werden kann, war diese Sache eine Herzensangelegenheit. Das geht aus seinem mahnenden Aufruf hervor: „Ich richte hiermit an die verehrten Herren Kollegen, in Anbetracht der Notwenigkeit einer Schmiede-Vereinigung und in Anbetracht der Lage unseres Handwerkes, das dringende Ersuchen, bestimmt zu erscheinen…“ Das Schreiben ist in gestochener Sütterlinschrift verfasst und man kann sich nur wundern, wie eine Hand, die schwere glühende Eisenstücke mit dem Schmiedehammer auf dem Amboss in die gewünschte Form bringt, solche filigrane Buchstaben auf das Papier malen kann. Oder hat am Ende seine Frau Agnes – die Maidle waren in der Schule bekanntlich im Schönschreiben den Buben immer etwas überlegen – den Brief geschrieben und der Meister hat nur seine Unterschrift darunter gesetzt? Spekuliert werden darf jedenfalls. Und die Historie wird dadurch sicher nicht verfälscht. Dieser Brief ist jedenfalls ein wertvolles Dokument für die Handwerksgeschichte in Villingen. Wie aus späteren Schriften, die Hans Stern gesammelt hat, hervorgeht, entstand eine lebendige und schlagkräftige Schmiedevereinigung, der sich alle Betriebe im Kreis – und damals gab es in jedem noch so kleinen Dorf einen Schmied! – anschlossen um gemeinsam ihre beruflichen Interessen durchsetzen zu können.

Auf Johann folgte Fritz Stern
Johann Stern übergab 1927 die Schmiede in der
Rietstraße seinem Sohn Fritz, der den inzwischen renommierten Betrieb im Sinne des Firmengründers weiterführte und ausbaute. So wurde er Vertragspartner der Landmaschinenfabrik Fahr in Gottmadingen. Die Mechanisierung der bäuerlichen Betriebe bescherte den Schmieden eine neues Aufgabengebiet. Die Landwirte kamen zu ihnen, wenn an der Mähmaschine oder dem Getreidebinder etwas kaputt war. Und das war damals, als die Landwirtschaft hier noch eine bedeutende Rolle spielte, recht oft der Fall. Der Spruch: „Geh’ zum Schmied und nicht zum Schmiedle“ wurde von den Bauern recht oft beherzigt.

Die Huf- und Wagenschmiede Stern in der Rietstraße 23 im Jahre 1923. Der 2. von links auf dem Bild ist Firmengründer Johann Stern, rechts und links neben ihm zwei stämmige Schmiedegesellen und ganz rechts Fritz Stern, der Vater von Hans Stern. Aus dem Fenster des Erkers, der mit dem Zeichen der Schmiedezunft geziert ist, blickt die Großmutter des letzten Schmiedemeisters, Agnes Stern.
Die Huf- und Wagenschmiede Stern in der Rietstraße 23 im Jahre 1923. Der 2. von links auf dem Bild ist Firmengründer Johann Stern, rechts und links neben ihm zwei stämmige Schmiedegesellen und ganz rechts Fritz Stern, der Vater von Hans Stern. Aus dem Fenster des Erkers, der mit dem Zeichen der Schmiedezunft geziert ist, blickt die Großmutter des letzten Schmiedemeisters, Agnes Stern.

Leider verstarb Fritz Stern, der einige Jahre Obermeister der Schmiedeinnung war, schon mit 44 Jahren. Das war 1939. Sein Sohn Hans, 1925 geboren, ging noch zur Schule. Die Mutter, Emma Stern, geborene Distel, führte den Betrieb, in dem Hans 1940 seine Lehre begann, weiter. Als der ausbildende Geselle den Soldatenrock anziehen musste, konnte der „Schmiede-Stift“ seine Lehre bei Matthias Müller in Mönchweiler beenden. 1942 machte er die Gesellenprüfung, zu der er – kriegsbedingt – früher zugelassen wurde.
Mit der weiteren beruflichen Karriere war es aber zunächst vorbei. Er musste zum Arbeitsdienst und danach zur Wehrmacht. Auch hier kamen ihm seine beruflichen Kenntnisse zugute, denn er kam zur Bespannten Artillerie, bei der ein Geschütz noch von sechs Pferden gezogen wurde. Da war man froh, wenn man einen Fachmann dabei hatte, der mit Rössern umgehen konnte. Als Soldat wurde er bei der Invasion der Alliierten in der Normandie verletzt, kam in ein Lazarett der Amerikaner und landete schließlich als Gefangener in den USA. Nach seinem eineinhalbjährigen unfreiwilligen Besuch in den Staaten kehrte er 1946 nach Hause zurück.

Neuaufbau und Weiterbildung
Jetzt erst begann praktisch seine berufliche Lauf-
bahn. Mit einer Sondergenehmigung durfte er den elterlichen Betrieb weiterführen. Neben dem Neuaufbau, der auf Grund des völligen Zusammenbruchs der deutschen Wirtschaft äußerst schwierig war und viel Kraft, persönliche Initiative und Mut zum Risiko erforderte, kam jetzt die Weiterbildung. Kurse, Lehrgänge und Schulungen vervollständigten das Berufsbild. Am 31. Mai 1949 machte er in Konstanz seine Meisterprüfung. Danach gingen zwölf Lehrlinge durch seine Schule. Einige von ihnen haben sich inzwischen schon einen eigenen Betrieb aufgebaut. 1989 wurde er mit dem Goldenen Meisterbrief ausgezeichnet.
Blicken wir noch einmal zurück auf die Ausbildungszeit. Da ist zum Beispiel ein Lehrgang an der Hufbeschlagschule in Emmendingen Dort lernen die Absolventen nicht nur wie man Pferden, Ochsen und Kühen fachgerecht neue Hufeisen verpasst, sondern sie müssen eine ganze Menge über die Anatomie der Tiere wissen. Da heißt es neben der praktischen Arbeit, die Nase in die Fachbücher zu stecken und ganz schön büffeln.

Hans Stern schnupperte schon früh Schmiedeluft. Hier stellt er sich als Zweijähriger mit zwei strammen Gesellen und einem, auf neuen Hufbeschlag wartenden Ross vor.
Hans Stern schnupperte schon früh Schmiedeluft. Hier stellt er sich als Zweijähriger mit zwei strammen Gesellen und einem, auf neuen Hufbeschlag wartenden Ross vor.

Offensichtlich hat das der Sterne-Hans, wie ihn seine vielen Freunde nennen, auch getan und es hat sich herumgesprochen. Als in den 60er Jahren einmal ein Zirkus in Villingen gastierte und eine Elefantendame Probleme mit ihren Hufen bekam, wurde der Villinger Handwerksmeister zur Behandlung ins Elefantenzelt geholt. Und da war keine Manioder Pediküre gefragt, sondern fachliches Wissen und Können.
Ein einschneidendes Ereignis vollzog sich 1974, als er wegen der Einrichtung der Fußgängerzone seinen Betrieb aus der Rietstraße verlegen musste. In der Kanzleigasse, im Gebäude in dem sich früher die Villinger Milchzentrale befand und wo zuvor Hermann Ummenhofer seine Kupferschmiede betrieb, richtete er sich neu ein. Doch als der Umbau der Karl-Brachat-Realschule begann, musste er auch hier seine Zelte wieder abbrechen. In Nachbarschaft des Schlachthofes ging dann – wie anfangs berichtet – das letzte Kapitel der Ära Schmied Stern über die Bühne. Nach genau hundert wechselvollen Jahren – von 1888 bis 1988 – verschwand der Name des angesehenen  Handwerksbetriebes  aus der Villinger Unternehmenskartei.

Rentner mit vielfältigen Interessen
Doch Hans Stern ist kein Mensch, der als Rentner
die Hände in den Schoß legt. Seine vielen Interessen sorgen schon dafür, dass es ihm im Ruhestand nicht langweilig wird. Er hat sich immer Aufgaben der Gesellschaft gestellt. Als Schriftführer führte er elf Jahre lang die Bücher der Schmiedeinnung. Bei der Feuerwehr ist er seit 1948 aktiv. Wenn heute auch nicht mehr als Oberbrandmeister und Zugführer des ersten Löschzuges, so doch als Leiter der Altersabteilung, der dafür sorgt, dass die FloriansSenioren die Verbindung zur aktiven Truppe nicht verlieren.
Ein ganzes Kapitel wäre auch über den Narro Hans Stern zu schreiben, der schon 1947 in den Rat der Villinger Narrozunft berufen wurde und seit 1990 deren Ehrenmitglied ist. Im gleichen Jahr wurden seine Verdienste um das heimische Brauchtum auch mit der Verleihung  des Narrenbechers gewürdigt.

Es wären noch einige andere Vereine anzuführen, in denen der jetzt 76jährige Schmiedemeister aktiv war und ist. Dazu zählt auch der Geschichtsund Heimatverein Villingen. Er gehört zu den fleißigsten Versammlungsbesuchern, nimmt, so weit es ihm möglich ist, an den geschichtlichen Exkursionen teil und hat sich besonders als Austräger der Vereinspost über viele Jahre hinweg  große Verdienste erworben. Durch seine „Botengänge“ hat er – wie auch viele andere Mitglieder dieses Kreises – dem GHV eine Menge Portogeld gespart.

Auch als Modellbauer ein Meister
Auch als Modellbauer ein Meister

Zum Schluss sei noch eine andere Leidenschaft
von Hans Stern angesprochen: Der Modellbau. Was in vielen Jahren in der Freizeit unter seinen geschickten Händen an maßstabgerechten Nachbauten von Oldtimern und anderen interessanten Dingen entstanden ist, könnte ein kleines Museum füllen. Seit 1989 darf sich das Franziskanermuseum auch über eine Arbeit des Villinger Bastlers freuen. Im Maßstab 1:10 hat er den legendären Schwanzhammer  des ehemaligen Hammerwerkes Laun nachgebaut. Das voll funktionsfähige Modell

steht in der Abteilung für Villinger Handwerksund Industriegeschichte neben dem großen Original und zeigt anschaulich, wie der „große Bruder“ einst funktionierte.
Jetzt hat der Handwerksmeister im Ruhestand ein weiteres Schmuckstück fertiggestellt: Die Sägemühle vom früheren Behlishof in Unterkirnach, die heute im Freilichtmuseum in Neuhausen ob Eck steht und jährlich tausenden von Besuchern Einblick in die Arbeitsweise der Schwarzwälder Holzsäger früherer Generationen vermittelt.

Hans Stern hat in vierjähriger mühevoller Arbeit die wassergetriebene Anlage im Maßstab 1:17 detailgetreu nachgebaut und kann an diesem 130 mal 85 Zentimeter großen Modell demonstrieren, wie der Alltag in der Unterkirnacher Säge bis vor rund 50 Jahren ablief. Wen wundert es, dass sich das Franziskanermuseum auch für dieses „SternWerk“ interessiert und es gerne in seinen historischen Mauern der Öffentlichkeit präsentieren würde? Am Museumstag 2001 durften die Besucher das Modell schon einmal unter die Lupe nehmen.